„Auf dem Schulhof werden religiöse Kriege weitergeführt“


„Jihad The Only Solution“ T-Shirt (Symbolfoto). Foto: REUTERS
Mit sechs Jahren zog sie nach Berlin, 1984 wurde sie Opfer eines Anschlags. Heute ist Seyran Ates Rechtsanwältin und gläubige Muslimin. Im Interview erklärt sie, wie Migranten konkret integriert werden können.

Von Martin Klesmann, Aleksandar Zivanovic|Berliner Zeitung

Es muss schnell gehen. Seyran Ates muss zum Flughafen. Ein Ort, an dem sie viel Zeit verbringt, denn die Rechtsanwältin, die sich seit Jahren für Frauenrechte stark macht, lebt zurzeit zwischen zwei Welten: zwischen Berlin und Istanbul.

Frau Ates, Sie pendeln seit einigen Monaten zwischen Berlin und Istanbul? Wieso?

Die Überlegung gab es schon lange. Ich hab mir immer gewünscht, dass meine Tochter für ein, zwei Jahre in Istanbul in die Schule geht. Außerdem: Während zurzeit alle in den Westen strömen, bin ich schon immer gegen den Strom geschwommen. Mich interessiert die Frage: Warum wollen viele Menschen von hier in den Westen ziehen? Was ist die Anziehungskraft des Westens? Ich kann mir nicht vorstellen, dass man freiwillig in eine Gesellschaft gehen will, von der es lapidar heißt: Da sind nur Nazis.

Wie stark hat der terroristische Anschlag am 12. Januar Istanbul verändert?

In der Türkei ist man abgebrüht was Schreckensmeldungen betrifft, denn in der Osttürkei herrscht seit Längerem Krieg, täglich sterben dort Menschen. Natürlich aber hat der Anschlag die Menschen in Istanbul erschüttert, die Angst ist spürbar: Plätze, auf denen Touristen entlang flanieren, sind nicht annähernd so voll, wie sonst üblich.

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