Slavoj Žižek: „Männer hatten Spaß, Erniedrigung zu inszenieren“


Foto: Matt Carr/Getty Images Nichts hören? Nichts sehen? Nichts sagen? Vor allem Letzteres entspricht nicht den Gewohnheiten des slowenischen Philosophen Slavoj Žižek
„Es war ein obszöner Karneval von Underdogs“: Der Philosoph Slavoj Žižek über die Gründe von Flucht und Terror, die Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof und die Bedeutung Europas in finsteren Zeiten.

Von Vincenzo Capodici|DIE WELT

Die Welt: Euro-Krise, Kriege, Flüchtlingschaos, Rassismus, Terror, Sex-Mob-Attacken: Die Welt gerät aus den Fugen – und Sie fordern einen neuen Klassenkampf. Das müssen Sie erklären!

Slavoj Žižek: Ich meine nicht dumme, überholte linke Ideen. Es geht mir nicht um Kommunismus. Wenn wir die aktuellen Probleme in den Griff bekommen wollen, braucht es eine Solidarität mit den Entrechteten und Ausgebeuteten unserer Welt. Vor allem müssen wir die Spielregeln in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen ändern und die geopolitischen Spiele in Krisenregionen beenden, um die Gründe für Terror und Flucht zu beseitigen. In den modernen Gesellschaften leben wir unter einer Art Kuppel, die die große Mehrheit der Menschen von Wohlstand und sozialer Teilhabe ausschließt. Was wir in Europa erleben, ist ein Ansturm von Kriegsflüchtlingen und Migranten aus armen und ruinierten Ländern. Diese Menschen versuchen, in unsere Kuppel des Wohlstands einzudringen. Flüchtlinge sind der Preis des globalen Kapitalismus. Dessen entfesselte Dynamik zerstört Lebens- und Kulturräume und vereinnahmt Staaten. Flucht ist – wie auch Terror – ein Symptom des neuen Klassenkampfs.

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