Die Katholische Kirche und Missbrauch: Es nicht genau wissen wollen


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Sechs Jahre nach der Aufdeckung massenhaften Missbrauchs in der Kirche zeigt das Beispiel Bistum Hildesheim, wie stark bestimmte Muster vorherrschen

Von Christoph Fleischmann|TELEPOLIS

Sechs Jahre nach der Aufdeckung massenhaften Missbrauchs durch Geistliche in der katholischen Kirche ist das Ausmaß der Taten noch immer nicht absehbar – und der Umgang der Kirchenleitungen mit den Überlebenden des Missbrauchs wirft weiter Fragen auf. Aktuell steht das Bistum Hildesheim im Fokus und der dort ab den achtziger Jahren arbeitende Priester Peter R., der erst als Jesuitenpater dort eingesetzt war und nach seiner Entlassung aus dem Jesuitenorden vom Bistum Hildesheim übernommen wurde.

Dass Peter R. bzw. die Kirchenleitung, die für ihn zuständig ist, noch Schlagzeilen produziert, ist erstaunlich: Denn bei Peter R. handelt es sich um einen der Haupttäter des Canisius-Kollegs, er war also einer der Geistlichen, die von Beginn des Jahres 2010 an im Visier der Medien waren. (Kirche und sexueller Missbrauch)

Außerdem haben die Jesuiten als erste Institution in der katholischen Kirche in Deutschland relativ umfassende Berichte zu den Übergriffen ihrer Patres vorgelegt; man sollte also meinen, dass wenigstens hier einiges geklärt wäre.

„Kein Missbrauch!“

Aber in einer ARD-Dokumentation vom 30.November 2015 berichtete eine junge Frau, dass sie im März 2010 zusammen mit ihrer Religionslehrerin einen Übergriff durch Peter R. beim Personalchef des Bistums Hildesheim gemeldet hat. Obwohl die Tat damals noch nicht verjährt war, hat das Bistum erst Ende 2010 Peter R. bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, nachdem die Großeltern der jungen Frau noch einmal beim Bistum vorgesprochen haben.

Die Erklärung des Personalchefs und damaligen Missbrauchsbeauftragten, Heinz-Günter Bongartz: Was das Mädchen im März beschrieben habe, sei kein sexueller Übergriff gewesen und deswegen hätte er es nicht als Missbrauch einstufen können.

Und der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle sprang Bongartz bei, indem er meinte, Wangenküsse zur Begrüßung seien doch unter Jugendlichen heute gang und gäbe. Von Wangenküssen zur Begrüßung war freilich nicht die Rede.

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