Sektensiedlung „Colonia Dignidad“: Ehemalige Bewohner wollen Chile und Deutschland verklagen


Das brutale Leben in der berüchtigten Sektensiedlung Colonia Dignidad wird im Kinofilm „Colonia“ thematisiert. Darin spielt Mikael Nyquist Sektenführer Paul Schäfer, Emma Watson eine deutsche Stewardess © Majestic/Ricardo Vaz Palma/DPA
Sexueller Missbrauch, harte Strafen, Psychoterror: In der 1961 vom Deutschen Paul Schäfer gegründeten „Colonia Dignidad“ galt ein brutales System der Unterdrückung. Ehemalige Bewohner der Sektensiedlung wollen nun Gerechtigkeit und streben Sammelklagen an.

stern.de

Es ist 18 Jahre her, seit Winfried Hempel aus der berüchtigten Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile entkam. Albträume hat er noch heute. „Ich kann an diesem Ort immer noch das Leid der Menschen riechen“, sagt der 38-Jährige über den Ort seiner Kindheit. Die von deutschen Auswanderern gegründete Kolonie sei „eine der schlimmsten Sekten in der Geschichte der Menschheit“ gewesen.

Heute ist Hempel Rechtsanwalt und arbeitet im Namen von 120 ehemaligen Koloniebewohnern an zwei Sammelklagen gegen Chile und Deutschland. Er wirft beiden Staaten vor, die Schreckensherrschaft von Sektenchef Paul Schäfer und den sexuellen Missbrauch von Kindern jahrelang zugelassen zu haben. Von Chile verlangt er Entschädigungszahlungen in Höhe von einer Million Dollar pro Kläger. Der Bundesrepublik wirft er vor, den deutschen Staatsbürgern nicht zu Hilfe gekommen zu sein.

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