Frauenverachtung: Gebot im Christentum, Islam und Judentum


Schriftsteller Feridun Zaimoglu, Bild: svz.de
Der Kieler Schriftsteller und Moslem wählt drastische Worte, wenn es um die Aufarbeitung des Geschehens in der Silvesternacht in Köln geht

SVZ.de

Für den Schriftsteller Feridun Zaimoglu muss die Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln schonungslos offen auch innerhalb der islamischen Gemeinschaft geführt werden. „Frauenverachtung ist geradezu ein Gebot im Judentum, im Christentum und im real existierenden Islam – das nur an die Adresse der Heuchler, die vom Abendland schwätzen und nicht ein einziges Mal die Bibel aufgeschlagen haben“, sagt der Kieler Schriftsteller türkischer Herkunft. „Gleichzeitig ist es aber auch genauso falsch zu sagen im relativierenden Ton: Weil es so ist, müssen wir uns nicht damit auseinandersetzen, wir Moslems.“ Der 51-jährige Schriftsteller, der sich selber als Moslem mit einem Kinderglauben bezeichnet, fordert: „Wir Moslems müssen in unserem eigenen Saustall aufräumen. Denn wir haben einen Saustall. Der gelebte Dorf-Islam ist unter aller Sau.“

Die Übergriffe in Köln seien keine Ausreißer gewesen. Es handle sich nicht um eine Krise des Islam, „sondern wir haben eine Krise des moslemischen Mannes. Wir haben eine Krise moslemischer Männer mit Minderwertigkeitskomplexen.“

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2 Comments

  1. Der entscheidende Punkt ist, dass das Christentum bereits von Anfang an vielfache Valenzen und Entwicklungslinien aufwies, zum einen durch seine Verarbeitung der griechischen & lateinischen Philosophie und zum anderen vermutlich auch geschuldet einem kulturell und politisch stärker heterogenen Umfeld, als dies im Islam zur Zeit seiner Entwicklung der Fall war. Es ist müßig darüber zu spekulieren, wieweit so etwas „im Christentum angelegt“ war, wie Apologeten gerne behaupten; was zählt ist das Faktum: es war so. Ein entscheidender Punkt ist hierbei der Atheismus und nicht einfach die „Aufklärung“ der Sorte Lessing oder Kant. Wesentliche Impulse zur Veränderung des gelebten und gelehrten Christentums kamen durch „Druck von außen“, sobald die Kirche diese Kräfte nicht mehr unterdrücken konnte. Und das geht bis heute, auch wenn man dies gerne als Resultat religionsinterner Prozesse darstellt. Das gilt auch für das Verhältnis zu Frauen.

    Ganz anders im Islam. Hier bewegt man sich bestenfalls auf dem Niveau der Reformation, indem man die Religion beibehält und nur anderes interpretiert, statt sie aufzugeben. Dieser Versuch ist abwegig, denn weltweit herrschen vor die wörtlichen Interpretationen des Koran, so wie schon immer. Niemals in vielen Jahrhunderten wurden für eine breite Mehrheit akzeptable Instrumente entwickelt, um davon wegzukommen, und schon gar nicht intellektuelle Instrumente, um Atheisten entgegenzutreten. Auch wenn man von der Apologetik der christlichen Religion eine eher geringe Meinung hat, wird man zugestehen müssen, dass sie seit mehreren hundert Jahren, ja bereits in der Antike, sich den Herausforderungen intellektuell stellte, auch wenn die Versuchung groß war, die Kritik zum Schweigen zu bringen, sobald man die Macht dazu hatte.

    Im Islam gibt es keine Kultur im Umgang mit Kritik, außer begrenzt für allenfalls hundert Jahre im Mittelalter. Nur ein zum-Schweigen-bringen, und sei es mit physischer Gewalt. Man sehe dazu die „Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam“ (s.u.), mit der sich die „Reformer“ erst einmal auseinandersetzen müssten. Viel Freude dabei, und man lasse sich bloß nicht in irgendeinem der Länder sehen, in denen der Islam Staatsreligion ist. Siehe auch die immer virulenten Bestrebungen muslimischer Verbände in Europa, Kritik am Islam gesetzlich verbieten zu lassen. Religionskritik ist da nie angekommen, und die Aussichten stehen schlecht, jemals anzukommen. Wenn ich dann lese, „Islamfeinde“ würfen mit ihrer Kritik „muslimischen Intellektuellen“ Steine in den Weg, gesellschaftliche Konzepte für das 3. Jahrtausend zu entwerfen, dann kann ich nur lachen. Wie waren denn die Konzepte für das 2. Jahrtausend und warum soll sich das plötzlich für das 3. Jahrtausend ändern?

    Kostproben aus der Kairoer Erklärung zu den Menschenrechten im Islam:

    Art. 22: Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung, soweit er damit nicht die Grundsätze der Scharia verletzt. Jeder Mensch hat das Recht, in Einklang mit den Normen der Scharia für das Recht einzutreten, das Gute zu verfechten und vor dem Unrecht und dem Bösen zu warnen. Information ist lebensnotwendig für die Gesellschaft. Sie darf jedoch nicht dafür eingesetzt und missbraucht werden, die Heiligkeit und Würde der Propheten zu verletzen (…) und die Gesellschaft zu entzweien (…) oder ihren Glauben zu schwächen.

    Art. 10: Es ist verboten, irgendeine Art von Druck auf einen Menschen auszuüben oder seine Armut oder Unwissenheit auszunutzen, um ihn zu einer anderen Religion (gemeint ist: als dem Islam) oder zum Atheismus zu bekehren.

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