Wie das Versagen der Eliten nun Europa zerstört


Bundeskanzlerin Angela Merkel verabschiedet EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach einem Besuch im Kanzleramt Foto: AFP
Europa ist ein Projekt der Mächtigen. Ob Euro oder Osterweiterung – die Menschen wurden nicht gefragt. Das ging gut in Zeiten der Prosperität. In der Krise erweist sich Europa als hohl und schwach.

Von Herfried Münkler|DIE WELT

Von den schwierigen Verhandlungen über den Verbleib Großbritanniens in der EU bis zur Bewältigung der Staatsschuldenkrise in den südlichen Mitgliedsländern, von der fortgesetzten Vertragsbrüchigkeit einiger EU-Staaten bis zur Infragestellung grundlegender politischer Werte in Ungarn und Polen – das Jahr 2016 dürfte für die Europäische Union zum Schicksalsjahr werden, in dem sich entscheidet, ob das Europaprojekt noch eine Zukunft hat und, wenn ja, welche das sein wird.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die politischen Eliten in einigen Mitgliedsstaaten derzeit zerstören, was über Jahrzehnte aufgebaut worden ist. Dass man in den Mitgliedsländern für alles, was nicht gut lief, die „Brüsseler Bürokraten“ verantwortlich machte, gehört zur Geschichte des Projekts. Dass man die Ressentiments der Bevölkerung mit antieuropäischen Parolen systematisch anfeuert, ist jedoch neu, und im Augenblick ist nicht erkennbar, wie die links- und rechtspopulistischen Geister, die man aus der Flasche gelassen hat, wieder in diese zurückgebracht werden können.

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