„Mit der Kippa geht es los – und was kommt dann?“


In Frankreich ist eine heftige Diskussion entbrannt, nachdem ein Schüler einen jüdischen Lehrer in Marseille angegriffen hatte. Es geht darum, ob Juden in Frankreich die Kippa öffentlich tragen sollen. Quelle: Die Welt
Nach einer islamistischen Attacke riet der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde von Marseille, die Gebetskappe nicht öffentlich zu tragen. Er erntete Empörung. Doch viele Gläubige in der Metropole folgen ihm.

Von Martina Meister|DIE WELT

Zvi Ammar ist ein stattlicher Mann mit traurigen Augen. „Schauen Sie“, sagt er, „es sind doch nur 20 Gramm Stoff, nichts weiter.“ In seinen Händen hält der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde von Marseille seine Kippa, schwarze, dünne Baumwolle, eng gehäkelt. 20 Gramm Stoff. Ammar sitzt in einem Café, nippt an seinem grünen Tee. 96 Kilo bringe er auf die Waage, versichert er. „Aber glauben Sie wirklich, dass ich meine Kippa auf der Straße trage?“ Nur in Begleitung anderer, versichert er, niemals allein.

Keine Kippa mehr in der Öffentlichkeit, bis „bessere Zeiten kommen“. „Sich ein klein wenig verstecken.“ Ammars Ratschläge trafen Frankreich wie Donnerschlag. Sollen sich die Juden der Republik tatsächlich wieder verstecken müssen? War das nicht etwas, das ein für alle Mal vorbei sein sollte in Europa?

Nachdem ein jüdischer Lehrer Mitte Januar von einem 15-Jährigen in einem der besseren Viertel der Stadt mit einer Machete angefallen worden war, sah Ammar keine andere Möglichkeit, als die Mitglieder seiner Gemeinde zur Diskretion aufzurufen. Es war die dritte antisemitische Messerattacke innerhalb eines einzigen Monats in Marseille. Für Ammar war es die eine zu viel.

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