„Wir müssen über die Grenzen der Religionsfreiheit reden“


Petra Bahr, ehemalige Kulturbeauftragte des Rates der EKD (dpa/picture alliance/Karlheinz Schindler)
Welche Rolle spielt Religion bei der Integration von Flüchtlingen? Diese Frage beschäftigt auch die evangelische Theologin Petra Bahr. Es müsse mehr darüber geredet werden, was Muslime in entwurzelten Situationen brauchen – aber auch über die Grenzen der Religionsfreiheit. Denn gerade Christen wüssten aus ihrer eigenen Tradition, dass Religion auch über eine destruktive Dimension verfüge.

Petra Bahr im Gespräch mit Benedikt Schulz|Deutschlandfunk

Benedikt Schulz: Klären wir erstmal, Frau Bahr, was hat denn Integration von Flüchtlingen in einem säkularen Staat überhaupt mit Religion zu tun?

Petra Bahr: Religion ist einer von vielen Aspekten, den Menschen selbstverständlich mitbringen. Die Rucksäcke derjenigen, die zu uns kommen, mögen nicht besonders reich gefüllt sein. Aber die Rucksäcke an Prägungen, an Vorverständnissen, auch an sicheren Traditionen, in denen man die Welt bis jetzt versucht hatte zu entwerfen, haben auch eine religiöse Komponente. Und Religion ist, das gilt für alle Religionen, ein hoch ambivalentes Phänomen. Es kann Heimat stiften, es kann heilsam sein, es kann uns zu anderen führen. Es ist aber auch ein Ort, wo man sich von anderen abschließt, ein Ort harter Abgrenzung und der Identitätsmarker. Oder auch ganz unaufgeklärter Selbstverständlichkeiten, die erst in dem Moment, wo man mit anderen Lebensformen konfrontiert wird, relevant werden.

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