Ernst Mach: Einsteins österreichischer Seelenverwandter


foto: picturedesk.com/imagno „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Mach auf die Relativitätstheorie gekommen wäre, als er jugendfrischen Geistes war“, schrieb Albert Einstein (unten) in seinem Nachruf auf den Physiker Ernst Mach (oben), der am 19. Februar 1916 starb.
Einer der einflussreichsten Denker rund um 1900 starb vor genau hundert Jahren. Auch Albert Einstein verehrte den Physiker und Philosophen

Von Karl Sigmund|derStandard.at

Das Ende kam nicht unerwartet: „Seien Sie nicht zu sehr überrascht“, hatte Ernst Mach seinem jungen Anhänger geschrieben, dem Physiker Friedrich Adler, „wenn Sie hören, ich hätte mich in das Nirwana zurückgezogen, wozu es ja eigentlich schon Zeit wäre.

“ Auf dem Partezettel, den Mach eigenhändig verfasst hatte, stand: „Bei seinem Ausscheiden aus dem Leben grüßt Professor Ernst Mach alle, die ihn kannten, und bittet, ihm ein heiteres Andenken zu bewahren.“ Heiter hatte er sich auch bei seinem Abschied aus Wien von der Akademie der Wissenschaften abgemeldet: „Sollte dieser Brief mein letzter sein, so bitte ich nur anzunehmen, dass Charon, der alte Schalk, mich nach einer Station entführt hat, die noch nicht dem Welt-Post-Verein angehört.“

Die letzten drei Jahre hatte Mach in häuslicher Pflege bei seinem Sohn Ludwig in der Nähe Münchens verbracht. Mach starb am 19. Februar 1916, am Tag nach seinem 78. Geburtstag. Friedrich Adler veröffentlichte einen mehrseitigen Nachruf für die von seinem Vater Victor Adler herausgegebene „Arbeiter-Zeitung“. Auch zahlreiche andere Zeitungen widmeten Machs Leben und Werk umfangreiche Betrachtungen. Sie verdrängten die üblichen Schlachtberichte von den ersten Seiten. Das Toben des Weltkriegs habe Ernst Mach in seiner Einsamkeit nur mehr ganz schwach vernommen, schrieb Friedrich Adler, „abseits von jener Welt, in der alle Furien der Barbarei entfesselt sind“.

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