Kulturkampf um den „Raum der Stille“ an der TU Dortmund


Diese Raumteiler mit Decken dienten laut Rektorat dazu, den Raum in einen größeren, hellen Bereich für Männer und einen kleineren dunklen Bereich für Frauen aufzuteilen. Foto: TU Dortmund
Diese Raumteiler mit Decken dienten laut Rektorat dazu, den Raum in einen größeren, hellen Bereich für Männer und einen kleineren dunklen Bereich für Frauen aufzuteilen. Foto: TU Dortmund
In einem Raum an der TU Dortmund, der zum Beten und Meditieren gedacht ist, versuchen Muslime eine Geschlechtertrennung durchzusetzen. Die Hochschule schließt den Raum. Eine Spurensuche.

Von Alexander Jürgs|DIE WELT

Es ist ein kleiner Raum, gerade einmal 20 Quadratmeter groß. Ein kleiner Raum, der für große Aufregung sorgt. Die Wände sind grün gestrichen, ein roter Teppich auf dem Boden, zwei Sofas, zwei Sessel, ein Bücherregal, Ikea-Ware. Am Waschbecken wurde ein Paar Badeschlappen zurückgelassen, im Bücherregal entdeckt man John Steinbecks „Früchte des Zorns“, eine Einführung in die Marktforschung, ein Buch übers Patentrecht. Auf einem Holzstuhl stapeln sich bunte Tücher, in Pastelltönen, mit Blumenmustern, mit Stickereien. Es sind muslimische Gebetsteppiche.

Zwei Stellwände trennen den Raum in einen größeren und einen kleineren Bereich. Jemand hat rote Fleecedecken über die wuchtigen Raumteiler gehängt, behaglicher macht es das nicht. Raum der Stille wird der Ort im dritten Stock des Physikgebäudes der Technischen Universität Dortmund, einem Betonklotz aus den 1970er-Jahren, genannt. Am Ende der zweiten Januarwoche hat ihn die Leitung der Hochschule geschlossen.