Klimawandel. Schleichend


Bild: Die Kolumnisten
Fast hatte ich mich ein bisschen beruhigt über die verschiedenen Kampfzonen. Dieses ganze Geschrei um Flüchtlinge, Willkommen, nein doch nicht usw. – es nahm seinen gewöhnlichen demokratischen Verlauf: Köln wird aufgeklärt, Rechtsbrüche bestraft, sowohl die von deutschen Rechten als auch die von Zuwanderern, Politikerinnen und Politiker äußern innerhalb ihrer Parteien und Fraktionen unterschiedliche Ansichten, Helferinnen und Helfer schildern in verschiedenen Medien verschiedene Probleme und suchen nach Lösungen, selbst diese Lisa-Geschichte wird sich erübrigen, da funktioniert noch was. Dachte ich.

Von Gesine Palmer|DIE KOLUMNISTEN

Kleinigkeit aus der Kampfzone

Dann schlug mir Twitter vor, ich könnte mich doch unter die Follower von Jakob Augstein mischen, ja, dachte ich, warum eigentlich nicht, mal gucken, was der so schreibt, dann bist du auch darüber informiert. Und dann sehe ich gleich als erstes – dabei bin ich nicht mal mehr sicher, ob es wirklich von ihm war, ist alles so schnell und bunt bei Twitter, aber könnte schon von ihm gewesen sein – so einen Satz wie: „Für die Aussöhnung mit den Muslimen ist am besten eine gute Flüchtlingspolitik“. Ja. Dachte ich. Und dann sickerte das so allmählich ein. Moment, dachte ich. Bin ich denn mit „den Muslimen“ zerstritten? Bin ich doch gar nicht. Also klar, das Gequatsche von „Islamopobie“ geht mir auf die Nerven, weil ich es nicht phobisch finde, wenn man sich vor Islamisten fürchtet. Und vor anderen fürchte ich mich doch gar nicht, und ich streite mich auch nicht mit ihnen, also nicht so, dass man gleich einen Versöhnungsbedarf herbeireden müsste. Mit den Islamisten wiederum möchte ich mich nicht aussöhnen. Das wäre doch irgendwie das falsche Signal, scheint mir. Diese Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus übertrage ich nach wie vor vertrauensselig auf viele meiner Bekannten, natürlich gerade auch auf die Muslime unter ihnen. Das alles ist kein Argument gegen gute Flüchtlingspolitik, klar. Aber warum sagt man dann sowas, also dass „wir“ uns mit „den Muslimen“ aussöhnen müssen?

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