Davutoglus Zorn auf Journalisten


Der türkische Ministerpräsident offenbart eine höchst eigenartige Auffassung von Pressefreiheit: Kritische Fragen werden mit offener Drohung beantwortet

Von Birgit Gärtner|TELEPOLIS

Kritische Presse ist in der Türkei nicht gern gesehen. Nachdem selbige im eigenen Land quasi mundtot gemacht wurde, stehen jetzt türkisch-stämmige Journalistinnen und Journalisten, die für europäische Medien arbeiten, im Fadenkreuz. Jüngstes Beispiel ist Welt-Redakteur Deniz Yücel, der sich auf einer Pressekonferenz in Ankara unbeliebt machte, weil er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf ihr bedeutungsvolles Schweigen zur mangelnden Pressefreiheit und den Menschenrechtsverletzungen, vor allem im Südosten des Landes, ansprach.

Wenn ein Journalist Fragen stellen und sorgenfrei nach Hause gehen kann, dann sind die Medien frei, hat der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu mal gesagt.

Als Yücel Anfang Oktober 2015 diese Zeilen schrieb, konnte er nicht ahnen, dass er selbst schon sehr bald ein Beispiel dafür sein sollte, dass genau das in der Türkei eben nicht der Fall ist. Und zwar eindrücklich demonstriert durch Davutoglu (AKP, Partei für Gerechtigkeit) selbst.

„Die Antwort, die er verdient“

Yücel hatte sich bei der gemeinsamen Pressekonferenz von Davutoglu und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Ankara am 8. Februar 2016 durch kritische Fragen in Bezug auf Menschenrechte und Pressefreiheit den Zorn des Staatspräsidenten zugezogen. Dabei ging es dem Reporter primär um die Haltung Merkels, über die Menschenrechtsverletzungen großzügig hinwegzusehen, solange die Türkei in der Flüchtlingsfrage kooperiere. Der Vorwurf, der in der Frage mitschwang, richtete sich also gegen die Bundeskanzlerin, weniger gegen die türkische Regierung.

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