Karolinska-Institut: „Das schlimmste Verbrechen, das man begehen kann“


Juli 2011: Paolo Macchiarini und sein Team transplantieren einem Patienten im Krankenhaus des schwedischen Karolinska-Instituts eine künstliche Luftröhre. I (picture alliance / dpa – Karolinska University Hospital )
Der Forschungsskandal am renommierten Karolinska-Institut, über den sich derzeit ganz Schweden aufregt, zieht weitere Kreise. Der italienische Chirurg Paolo Macchiarini, um den es bei jenem Skandal geht, hat offenbar weitere Publikationen gefälscht: Auch in Italien, wo er vorher tätig war, wurde gegen ihn ermittelt.

Von Christine Westerhaus|Deutschlandfunk

„Das ist schrecklich, eine Tragödie.“

Arvid Carlsson ist entsetzt. Im Jahr 2000 hat der schwedische Forscher am Karolinska-Institut in Stockholm den Nobelpreis für Medizin verliehen bekommen. Dass diese ehrwürdige Forschungseinrichtung nun so tief verwickelt ist in den Forschungsskandal um Paolo Macchiarini, macht den 92-Jährigen tief betroffen. Im schwedischen Fernsehen SVT sagte er:

„Man muss radikal aufräumen, weil so viele in diesen Skandal verwickelt sind. Natürlich dürfen die Verantwortlichen kein Stimmrecht bei der Vergabe des Nobelpreises mehr haben. Das ist wirklich der schlimmste Skandal, den es in der Geschichte des Medizin-Nobelpreises je gegeben hat.“

Am Wochenende hat der Leiter des Karolinska-Instituts, Anders Hamsten, die Konsequenzen aus der Affäre gezogen und seinen Rücktritt erklärt. Er habe Fehler gemacht und stehe nun dafür ein, teilte er in einer Pressemitteilung mit. Zudem habe das Karolinska-Institut Informationen über weitere Fälle von Forschungsbetrug erhalten, die auf Macchiarinis Konto gehen. Der Leitung des Karolinska-Instituts wird vorgeworfen, mehrfach Warnungen ignoriert zu haben, dass Paolo Macchiarini leichtfertig das Leben von Patienten aufs Spiel setze. Zudem habe man den Chirurgen vom Vorwurf des Forschungsbetrugs freigesprochen, obwohl er nachweislich Studienergebnisse gefälscht hatte.

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