Theodor Herzl und der jüdische Staat


„Macht keinen Unsinn, während ich tot bin“, soll der Ahnherr des Zionismus seine Anhänger kurz von seinem Tod im Jahr 1904 gewarnt haben. (picture alliance / dpa)
Er war eine der einflussreichsten Gestalten des zwanzigsten Jahrhunderts und gilt als Stammvater des Zionismus: der Wiener Theodor Herzl, der als Publizist und Politiker zum theoretischen Begründer des modernen israelischen Staates werden sollte. Zwei Werke beschäftigen sich aktuell mit Biografie und Erbe des prominenten Zionisten.

Von Günter Kaindlstorfer|Deutschlandfunk

Was hat man den Mann nicht verspottet – als weltfremden Sonderling und verschrobenen Phantasten, der die verachteten Juden Europas ins „Land ihrer Väter“ zurückführen wollte, nach Eretz Israel, ins Heilige Land, damals nicht mehr als ein rückständiger Landstrich irgendwo im Großreich des osmanischen Sultans.

In seiner profunden und gut lesbaren Herzl-Biografie zeigt der Historiker Shlomo Avineri, wie Theodor Herzl, Redakteur der „Neuen Freien Presse“ in Wien, als politischer und diplomatischer Selfmade-Man zu einem der führenden Politiker Europas wurde, zu einem charismatischen Organisator, der mit Kaisern, Großwesiren und Ministern über die Zukunft des europäischen Judentums verhandelte.

„Herzl wandelte die Vorstellung der politischen Lösung der Judenfrage von einer luftigen Idee, die eine Handvoll jüdischer Intellektueller im Kaffeehaus debattierte, in eine Herausforderung an die internationale Gemeinschaft um. Das war seine phänomenale Leistung“, fasst Shlomo Avineri die Meriten des zionistischen Stammvaters zusammen.

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