Die Vergöttlichung des Patriarchats


Paulus sagt zur Frau: „Ordne dich deinem Mann unter. Tu es.“ Foto: imago/Eibner
Es sollte nicht unterschätzt werden, wie weit die Indoktrination des christlichen Abendlandes geht. Aufschluss gibt ein Eheseminar auf Bibel.tv zur Rolle der Frau. Die Kolumne.

Von Katja Thorwarth|Frankfurter Rundschau

Zwei Halbwüchsige unterhalten sich in einem Frankfurter Stehimbiss: „Jetzt glaub’s mir, Alter. Die Frau ist aus einer Rippe vom Mann entstanden.“ „Echt jetzt?“ „Ja, echt Mann, aus einer Rippe – das ist doch voll krass.“ Das ist in der Tat voll krass. Noch krasser ist allerdings, dass es die Indoktrination des christlichen Abendlandes in den Kopf eines Jungen schaffte, der eine Kirche vermutlich noch nie von innen gesehen hat.

Aber vielleicht hat er stattdessen Bibel.tv geschaut. Dort erläutert Pastor Cochlovius im Kontext eines Eheseminars die göttlich zugewiesenen Unterschiede von Mann und Frau. Seine Darstellung einer „wundervollen, gottgewollten Ergänzung“ reichert er mit einer Typologie an, die die geschlechtsspezifischen „Befähigungen und Begrenzungen“ verständlich an alle transportiert, denen in ihrem Ehekrieg die Argumente ausgegangen sind.

Eckpfeiler des Patriarchats

„‚Siehe, es war sehr gut‘ – nachdem die Frau erschaffen war, nennt Gott die Schöpfung sehr gut. Das ist doch schön, ein Kompliment für die Frauen“, befindet der Pastor, um mit der „Aneignung von Wirklichkeit“ in männlich-weibliche Begabungen einzuführen: „Männer nähern sich der Wirklichkeit gedanklich, …, sie leben nicht im Hier und Heute“, während der Frau mit ihrem „intuitiven Zugang“ ein stärkerer Realismus inne sei: „Sie kommt mit den Alltagsherausforderungen viel besser zu Recht, …, sie kann Probleme erriechen.“ Für die Fragen des Alltags sei die Frau hingegen nicht gemacht. Alles fließe ganzheitlich und so unmittelbar in ihre Seele, dass ihr Chaos-Köpfchen keine passende Antwort parat, hoffentlich jedoch einen Mann an ihrer Seite habe, der sie linear durch die Tücken des Alltags führt.

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