USA: Waffenindustrie wirbt für Sturmgewehre für Kinder


„Verbringe den Tag mit Schießen und der Verbesserung deines Könnens.“ Exemplarische Waffen-Werbung, die auf Kinder zielt. Bild aus der Studie
Eine Studie des Violence Policy Center wirft der Waffenlobby vor, dass sie mit Methoden der Tabakindustrie Gefahren unterschlägt und Kinder für automatische Waffen begeistert.

Von Thomas Pany|TELEPOLIS

In den USA starben 2014 mehr als 1.300 Minderjährige durch Schusswaffen, im Zeitraum von 1999 bis 2014 waren es knapp 23.000. Den Großteil machen Morde aus (699 im Jahr 2014; 13.756 im Fünfjahreszeitraum). Danach folgen Selbstmorde (532 bzw. 6.903). Die Zahlen für die nicht beabsichtigten Todesfälle von Unter-18-Jährigen durch Schusswaffen liegen deutlich niedriger – 74 im Jahr 2014 und 1.723 von 1999 bis 2014 (dazu kommen aber noch 395 Fälle von „unbestimmten Absichten“).

Wirklichkeitsausschnitte, wie die Nachricht aus dem Jahr 2013 von einem Fünfjährigen, der seine zweijährige Schwester aller Wahrscheinlichkeit nach versehentlich erschoss, zeigen grell auf, welche Tragödien hinter den Zahlen stecken.

Die Öffentlichkeit außerhalb den USA hat sich daran gewöhnt, dass die dortige Waffenlobby selbst bei den Fällen, wo unter Europäern kein Zweifel daran besteht, dass die amerikanische Waffengesetzgebung nicht unbedingt die Sicherheit erhöht, verblüffenderweise für eine noch stärkere Bewaffnung argumentiert (In den USA boomt das Geschäft mit Schusswaffen). Bei den Kindern ist das freilich etwas anderes. Dort lautet das Argument der Waffenfreunde, man müsse ihnen den Umgang mit Waffen besser beibringen. Dazu gehört eine Waffe für den Nachwuchs, zum Trainieren.

„Eine großartige Verbindung, die ein Smartphone nicht herstellen kann“

So setzt das Waffen-Marketing, das auf Kinder bzw. deren Eltern zielt, in den USA beim Training an, Sportschießen oder Jagen. „Noch immer eine der großartigen Verbindungen, die ein Smartphone nicht herstellen kann“, lautet der Slogan unter einem Werbebild für ein Gewehr, das Vater und Sohn einträchtig nebeneinander beim Schießen auf der Jagd zeigt. Es stammt aus einem Waffenkatalog des Herstellers Marlin im Jahr 2016. Abgebildet ist die Werbung in einer Studie der Organisation Violence Policy Center.

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