Katholische Kirche: Rektor hat einmal zu oft geheiratet


Mitarbeiter im Kirchendienst müssen sich an die katholischen Moralprinzipien halten – entgegen des allgemeingültigen Arbeitsrechts. Foto: dpa
Die Neuwahl eines Rektors an der Katholischen Hochschule NRW scheitert an moralischen Bedenken. Der Kölner Erzbischof hatte die zweite Heirat als schwerwiegenden Verstoß gegen die Loyalitätspflicht bewertet.

Von Joachim Frank|Frankfurter Rundschau

Die Liberalisierung des Arbeitsrechts in der katholischen Kirche hat im ersten Stress-Test zu einem heftigen Konflikt geführt. An der „Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen“ (KatHo) scheiterte die Neuwahl des Rektors im Januar am mehrheitlichen Einspruch der fünf NRW-Bistümer gegen den geschiedenen, wiederverheirateten Kandidaten. Treibende Kraft war der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Woelki. Er bewertet die zweite Heirat als schwerwiegenden Verstoß gegen die Loyalitätspflicht kirchlicher Mitarbeiter. Die Bistümer Köln, Aachen, Essen, Münster und Paderborn sind die Gesellschafter der Hochschule.

Der Fall offenbart heftige Differenzen unter den Bischöfen über die Auslegung der 2015 reformierten „Grundordnung des kirchlichen Dienstes“ (GO) sowie über die Freiheit der Wissenschaft. Der amtierende KatHO-Rektor, Peter Berker, warf den Bischöfen einen unrechtmäßigen Eingriff in die Hochschul-Selbstverwaltung vor und spricht zudem von einer „Machtdemonstration“, mit der die Bischöfe das Vertrauen in ihr eigenes neues Arbeitsrecht zerstörten. Die Behandlung seines Kollegen, dessen zweite Eheschließung die Kirche erst im Moment seiner Bewerbung um das Rektorenamt beanstandete, ließ Berker die Frage stellen: „Wie viel Pharisäertum wollen wir uns eigentlich in der Kirche leisten?“

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