Heiraten in Israel: Die Macht des Oberrabinats


In Israel darf nur heiraten, wer für das für das Oberrabbinat jüdisch genug ist (picture alliance / dpa / Robert B. Fishman / ecomedia)
In Israel ist es nicht möglich, standesamtlich zu heiraten. Die verschiedenen Religionsgemeinschaften sind zuständig. Das gilt für Christen und Muslime in Israel genauso wie für Juden. Regeln, die im Kern älter sind als der Staat Israel. Für die jüdische Bevölkerung gibt das Oberrabbinat vor, wie geheiratet wird, wer heiraten darf und wer erst konvertieren muss.

Von Lissy Kaufmann|Deutschlandfunk

Standesamtliche Eheschließungen sind in Israel nicht möglich. Und für jüdische Hochzeiten in Israel ist das Oberrabbinat zuständig. Das heißt, damit die Ehe anerkannt wird, muss sie nach streng-orthodoxen Vorschriften geschlossen werden. Heiraten kann daher nur, wer nach diesen Regeln als jüdisch gilt. Und das ist nicht selten ein Problem für viele Paare, sagt Schachar Ilan von Hiddush, einer Organisation, die sich für Religionsfreiheit einsetzt.

„Insgesamt gibt es in Israel 660.000 Menschen, die hier nicht heiraten können. Das ist ein riesiges Problem, denn Israel ist eine westliche Demokratie. Aber wenn man den Aspekt der Heirat betrachtet, dann sind wir den muslimischen Staaten um uns herum viel näher als der westlichen Welt.“

Zu diesen 660.000 Israelis, die nicht jüdisch heiraten können, zählen auch russische Einwanderer, die zwar aufgrund ihrer Vorfahren ein Recht auf Rückkehr haben, aber für das Oberrabbinat nicht jüdisch genug sind. Nicht eingerechnet sind die vielen Paare, die sich bei Auslandsaufenthalten in jemanden verliebt haben, der nicht jüdisch ist. Um in Israel anerkannt heiraten zu können, konvertieren daher einige.

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