Tausende Kinder vergewaltigt – und alle sahen weg


Foto: REUTERS Angeklagt: Arshid H., Bannaras H., Basharat H., Shelley D., Karen M. und Qurban A. müssen sich wegen massenhaften Kindesmissbrauchs im britischen Rotherham vor Gericht verantworten
Unfassbare Ermittlungsergebnisse: Eine Kultur des Wegsehens hat sowohl BBC-Superstar Jimmy Savile als auch den Pädophilen in Rotherham erlaubt, jahrzehntelang Kinder zu missbrauchen. Eine Bilanz.

Von Eva Ladipo|DIE WELT

Triumph und Elend, Himmel und Hölle liegen selten so nah beieinander. Am Morgen, an dem das dunkelste Kapitel der britischen Unterhaltungsindustrie wieder aufgeschlagen wird, feiern die Tageszeitungen noch die „Brit Awards“ und Adele. Stellvertretend für den sagenhaften Erfolg der britischen Musikindustrie strahlt die Sängerin von sämtlichen Titelseiten. Sie kann die vielen Trophäen gar nicht halten.

Es ist ein Tag, an dem Großbritannien rundherum stolz auf sich und seine Popkultur sein könnte. Politisch mag das Königreich in der Nordsee keine Supermacht mehr sein, doch kulturell dominiert es die Welt bis heute. Wäre da nicht Jimmy Savile, könnte Großbritannien auftrumpfen. Er war der verschrobenste, beliebteste DJ und Entertainer, den Großbritannien je hatte, und wurde vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls auf den Titelseiten gefeiert.

Der Abschlussbericht über die perversen Machenschaften des Superstars der BBC erstickte die Euphorie über die „Brit Awards“ mit seinen 1000 Seiten schlagartig. Die Sünden des blonden Kinderschänders, dem das Land zu Füßen lag, sind unfassbar, zu zahlreich und wurden von zu vielen Mitwissern gedeckt, als dass sein Tod sie getilgt hätte.

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