Warum ich dem Islam den Rücken gekehrt habe und jetzt Menschen dabei helfe, das Gleiche zu tun


Imtiaz Shams | Foto: Andrew Smith
Die erste Sache, die man über Ex-Muslime wissen muss, ist der Umstand, dass man uns im Arabischen im Grunde mit einem Schimpfwort beschreibt: Murtad—also jemand, der dem Islam den Rücken zugekehrt hat. Dem Wort haftet etwas Dreckiges und Abwertendes an, denn das R wird heftig gerollt und am Ende erfolgt ein scharfer, hörbarer Abfall. Genau hier muss man ansetzen, wenn man sich mit der omnipräsenten und systematischen Diskriminierung auseinandersetzen will, die sich durch alle Aspekte unseres Lebens ziehen kann.

Von Imtiaz Shams|VICE.com

Eine bestimmte Form dieser Diskriminierung ist die Ausradierung bzw. das Herunterspielen unseres früheren Lebens. Da kommen dann immer irgendwelche Stereotype ins Spiel—das geläufigste lautet dabei wohl „Du warst wahrscheinlich nie ein richtiger Muslim“. Ich bin in Saudi-Arabien großgeworden und jedes Jahr im Zuge der heiligen Pilgerfahrt Umra nach Mekka gereist. Mein erstes Buch war eine wunderschöne, in Rot und Gold gehaltene Ausgabe des Riyad as-Salihin, also eine Sammlung von Hadiths (Aussprüche und Handlungen) des Propheten Mohammed und seiner Sahāba (Gefährten und Begleiter). Seit ich denken kann, habe ich gebetet, gefastet und den Koran auswendig gelernt. Außerdem verschlang ich jedes Buch, in dem der Islam mit wissenschaftlichen Wundern und dem eigenen Moralkodex untermauert wurde.

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