Militär und Kirche: Der pazifistische Dickkopf


Militärpfarrer spenden gemeinsam den Segen
Militärpfarrer spenden gemeinsam den Segen
Ein Pfarrer in Uniform? „Unerträglich“, findet das Matthias Gürtler. Der Greifswalder Theologe ist gegen Militärseelsorge.

Von Thomas Gerlach|taz.de

Der Dom von Greifswald ist aus Ziegelsteinen aufgeschichtet worden, als wollten die Frommen an der Ostsee einen neuen Turm zu Babel bauen. Fast hundert Meter ragt er in den pommerschen Himmel. Und immer pfeift der Wind. Zweimal ist der Turm eingestürzt. Lange her, sagt Matthias Gürtler und blickt nach oben.

Dann wandert der Blick des Pfarrers wieder auf das wetterfeste Plakat neben dem Eingang. Das fast zwei Meter große Viereck passt nicht recht zur mittelalterlichen Backsteinwelt und doch ist das Emblem „Schwerter zu Pflugscharen“ Gürtlers ganzer Stolz. Wo sonst hängt die Vision der DDR-Friedensbewegung noch so sichtbar an einer Kirche?

„Schwerter zu Pflugscharen“ war die Forderung vieler Christen in der DDR in den achtziger Jahren. Sie richtete sich vor allem gegen die eigene Regierung. Wer mit diesem Emblem auf dem Ärmel durch die Straßen lief, galt als Staatsfeind. Es scheint wie ein Museumsstück aus einer Zeit, als sich Ost und West in Deutschland hochgerüstet gegenüberstanden. Doch Matthias Gürtler hat das Plakat nicht aus Nostalgie aufgehängt.

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