Religion ist keine Privatsache


Der Regisseur Nuran David Calis. (dpa / picture alliance / Soeren Stache)
Nuran David Calis hat am Schauspiel Köln ein Stück über „Glaubenskämpfer“ collagiert: Menschen, die mit deutlicher Überzeugung ihre Religion in der Öffentlichkeit vertreten. Beeindruckende Persönlichkeiten, erregte Debatten – aber kein theatralischer Abend.

Von Ulrike Gondorf|Deutschlandradio Kultur

Die vier Schauspieler auf ihren weißen Stühlchen, die an der Rampe der großen Spielfläche aufgereiht stehen, sind wie wir, die Zuschauer. Sie fragen sich: Was soll die ganze Aufregung um den Glauben, der sich da plötzlich mit Macht in den Vordergrund aller weltpolitischen Debatten drängt? Wir hatten uns doch bequem eingerichtet in einer Liberalität und Toleranz, die von Religion wenig bis gar nichts mehr weiß und den Glauben allenfalls als diskret behandelte Privatsache angesehen hat.

Nuran David Calis lässt seine vier lauen Vertreter der aufgeklärten Moderne auf „Glaubenskämpfer“ treffen in dem gleichnamigen Abend am Schauspiel Köln. Menschen, die mit Überzeugung und mit deutlichen äußeren Zeichen ihren Glauben auch in der Öffentlichkeit vertreten. Eine Gruppe von Kölner Bürgern aus der Keupstraße, die traurige Berühmtheit erlangt hat als Ziel des Nagelbombenattentats des NSU – Muslime türkischer Herkunft. Ein Vertreter der jüdischen Gemeinde und eine katholische Ordensschwester. Und ein junger Mann, der als 17-Jähriger zum Islam konvertiert und dann in die radikale Salafistenszene geraten ist, aus der er sich nach Jahren befreit hat.

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