Jürgen Todenhöfer schreit!


Jürgen Todenhöfer, Bild: Jüdische Rundschau
Von einem Besserwisser, der es einem leicht macht, ihn zu widerlegen

Von Gerd Burrmann|Jüdische Rundschau

Auf seiner Facebook-Seite fleht Jürgen Todenhöfer: „Bitte gehlt mit, diese 10 Ungerechtigkeiten jeden Tag in die Welt hinauszuschreien!“

Da helfe ich doch gerne. Ich werde jedoch ein paar Kommentare dazu flüstern. Meine Oma sagte nämlich immer: „Wer schreit, hat Unrecht!“

Dann brüll mal los, Jürgen!

„1. Die westliche Welt trauert um die 2 Terroropfer Kopenhagens. Ich auch. Aber wer trauert bei uns um die 3 ermordeten jungen Muslime im amerikanischen Chapel Hill? Oder die 5 im Januar in den Trümmern von Gaza erfrorenen Babies? Oder die fast täglichen zivilen Drohnenopfer? Ist muslimisches Blut soviel billiger?”

Und wer trauert um die vielen unbekannten Menschen, die täglich im Alltag der Scharia hingerichtet werden, weil sie homosexuell sind oder sich vom Islam losgesagt haben? Es ist unmöglich, um alle Menschen zu trauern. Jeder trauert, so viel er kann!

Trauern ist eine sehr persönliche Sache. Ich trauere mehr um Menschen, die mir verbunden sind. Das ist menschlich und natürlich. Ich habe einige Zeit in den USA und auch in New York gelebt, deshalb haben mich die Anschläge vom 11. September 2001 besonders berührt. New York ist die multikulturellste, weltoffenste Stadt der Welt. Fast jeder Mensch hat eine persönliche Beziehung zu New York. Darum war damals die Anteilnahme so groß.

Ich bin Künstler. Wenn Künstler aufgrund ihrer Kunst ermordet werden, berührt mich das besonders, mögen es nun Karikaturisten, Schriftsteller oder Regisseure sein. Es ist pervers, einem Menschen in Trauer vorzuwerfen, nicht auch um andere Menschen zu trauern. Es ist so, wie einer Tochter, die gerade ihre Mutter verloren hat, vorzuhalten, sie solle nicht die anderen Töchter vergessen, es seien schließlich auch viele andere Mütter am gleichen Tag gestorben!

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