Erdogan will Sultan sein


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Weil seine Artikel Erdogan nicht gefielen, saß Can Dündar, Chefredakteur der Tageszeitung „Cumhuriyet“, 92 Tage im Gefängnis. Ein Gespräch über Flüchtlingsfragen und Menschenrechte, bei dem die türkische Polizei mithört.

Von Karen Krüger|Frankfurter Allgemeine

Am Freitagabend hat die türkische Regierung das Redaktionsgebäude der oppositionsnahen Zeitung „Zaman“ gestürmt und das Blatt unter die Aufsicht einer staatlichen Treuhandverwaltung gestellt. Der Schritt wurde mit der Nähe der Zeitung zum Prediger Fethullah Gülen legitimiert. Es ist die jüngste einer Reihe von drastischen Einschränkungen der Pressefreiheit unter Staatspräsident Erdogan. Im November wurden Can Dündar, Chefredakteur der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“, und sein Kollege Erdem Gül inhaftiert, weil sie über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an Milizen in Syrien berichtet hatten. Ihnen wird Geheimnisverrat, Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation und politische und militärische Spionage vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft fordert „lebenslänglich“ wegen besonderer Schwere der Schuld, ein weiteres Mal „lebenslänglich“ sowie 42 Jahre Haft. Die Solidarität auf der Straße und Artikel, die Dündar aus dem Gefängnis heraus in seiner Zeitung und in der internationalen Presse veröffentlichte, machte die ganze Welt auf Erdogans wachsenden Autoritarismus und die Kriegsgefahr in der Türkei aufmerksam. Ende vergangener Woche entschied das türkische Verfassungsgericht, das Vorgehen gegen Dündar und Gül verletze das Recht auf freie Meinungsäußerung, die Pressefreiheit und Persönlichkeitsrechte. Sie kamen frei. Wir erreichen Can Dündar auf seinem Mobiltelefon.

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