Der Parteiphilosoph der AfD, von dem Anhänger den großen Wurf erwarten


Sloterdijks Schüler ist nicht linkskonservativ wie der Meisterphilosoph, der auf Kritik beleidigt reagierte, sondern „avantgarde-konservativ“

Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Die AfD, angeblich mehr als andere Parteien beliebt bei Akademikern und nach Anti-Euro zur Ein-Themen-Partei Anti-Migration geworden, hat auch einen Parteiphilosophen, heißt es. Es handelt sich nicht um Peter Sloterdijk oder Rüdiger Safranski, sondern um Marc Jongen, seit 2013 AfD-Mitglied, im Parteivorstand und der Programmkoordinator der AfD in Baden-Württemberg, Mitglied der Bundesprogrammkommission und knapp gescheiterter Europa-Kandidat der AfD, hat bei Peter Sloterdijk promoviert, war ab 2003 Jahre lang dessen persönlicher Assistent, hat mit diesem Veranstaltungen wie das Seminar „Vom Ereignis zum Event“ bestritten und ist weiter als Akademischer Mitarbeiter für Philosophie und Ästhetik an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe tätig.

Nur für die Landtagswahl hat sich Jongen nicht aufstellen lassen, möglicherweise will er gleich bei den nächsten Wahlen in den Bundestag einziehen und das Regionale hinter sich lassen. In Baden-Württemberg kann die AfD nach Umfragen mit mehr als 10 Prozent rechnen.

Sloterdijks Kritiker in „primärer Beißwut“ mit „digitalem Speichel“

An der Hochschule freuen sich nicht alle über das Erbe des ehemaligen Direktors Sloterdijk, der seine Nähe zum AfD-Gedankengut mitsamt Verschwörungstheorie erst kürzlich in einem Gespräch mit Cicero geoutet hat (Philosoph Sloterdijk lobt Grenze und Nationalstaat). Auf die Reaktionen hat er eher beleidigt reagiert, den Kritikern vorgeworfen, als „dressierte Kulturteilnehmer“ nur Speichel, auch „digitalen Speichel“, wie der Pawlowsche Hund fließen zu lassen, in „primärer Beißwut“ zu handeln, „absichtlich schlecht“ zu lesen, weil nur so offenbar die Worte des Philosophen missverstanden werden können, und es überhaupt an Nuanciertheit wie er selbst fehlen zu lassen (Peter Sloterdijk: Primitive Reflexe, Die Zeit, S. 39-40, 3. März 2016).

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