Flüchtlinge werden Renten der Babyboomer zahlen


Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, warnt davor, angesichts der Flüchtlinge im Land den Eindruck zu erzeugen, für Einheimische würden Wohnungen, Arbeit oder Ausbildungsplätze knapp. „Die Hochstilisierung eines Verteilungskampfes ist absolut fatal und der größte Fehler, den die Politik begehen kann“, sagte Fratzscher dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin.

Von Bettina Markmeyer|evangelisch.de

Deutschland stehe besser da als jemals, um diese Herausforderung zu bestehen. „Der Arbeitsmarkt ist hervorragend aufgestellt: Wir haben eine Million freie Stellen“, sagte Fratzscher. Der Ökonom verwies darauf, dass bis zum Jahr 2030 fünf Millionen Berufstätige aus den geburtenstarken Jahrgängen in Rente gehen: „Viele der Geflüchteten werden die Renten der Babyboomer zahlen.“ In den vergangenen Jahren seien in Deutschland rund drei Millionen neue Jobs entstanden. Die Hälfte sei an Menschen mit Migrationshintergrund gegangen: „Wir haben immer wieder gezeigt, dass wir integrieren können“, sagte Fratzscher. Etwa ein Viertel der Geflüchteten sei gut qualifiziert. In diesem Jahr könnten bis zu 100.000 Menschen in Arbeit gebracht werden.

Fratzscher, der zu den führenden deutschen Wirtschaftswissenschaftlern zählt, hatte im vergangenen Jahr eine Studie veröffentlicht, wonach der ökonomische Nutzen durch die Zuwanderung von Flüchtlingen langfristig höher ist als die Kosten. Er plädiert dafür, die Ausgaben des Staates nicht ausschließlich als Kosten, sondern als Investitionen anzusehen, die auf längere Sicht Wirtschaft und Gesellschaft zugutekommen.

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