Rassismus: Der Kolonalismus in unseren Köpfen


Zum 132. Jahrestag der so genannten Berliner Afrika-Konferenz nehmen viele Menschen an einem Gedenkmarsch in Erinnerung an die Opfer des Kolonialismus, des Sklavenhandels und der Ausbeutung Afrkias durch die Europaeischen Staaten teil. Foto: imago/Christian Ditsch
Falsche Denkmuster der „weißen Überlegenheit“ finden sich noch heute – sei es in Schulbüchern, bei der IWF-Politik beispielsweise in Griechenland oder in Medienberichten.

Von Aram Ziai|Frankfurter Rundschau

Lassen Sie uns über Kolonialismus sprechen. Warum? Weil wir einerseits zu viel, andererseits zu wenig Kolonialismus in den Köpfen haben. Zu viel Kolonialismus im Sinne von kolonialen Denkmustern und Überresten einer Ära, in der die Europäer 85 Prozent der Erdoberfläche unterwarfen, im festen Bewusstsein, dass sie von Gott oder durch ihre Zugehörigkeit zur „weißen Rasse“ ausersehen waren, über andere Völker zu herrschen. Das fängt schon bei den Landkarten an: Auf denen ist Europa in der Regel weit größer dargestellt, als es tatsächlich ist. Etwa so groß wie Lateinamerika beispielsweise, während es in Wirklichkeit nur wenig mehr als halb so groß ist. Dass Europa auf diesen Karten in der Mitte der Welt und „oben“ liegt, passt dazu. Unsere „Weltsicht“ ist auch heute noch in manchen Teilen von der Ära des Kolonialismus geprägt.

Diese Prägung beeinflusst, was wir wissen, und was wir nicht wissen. Wir wissen, dass die Alliierten im Zweiten Weltkrieg die Nazis besiegt haben. Was die wenigsten von uns wissen, ist, dass dabei auch Millionen von indischen und afrikanischen Soldaten beteiligt waren. Als nach der Befreiung von Paris allerdings die Bevölkerung den alliierten Truppen zujubelte, hatte de Gaulle vorher die Entfernung der nichtweißen Soldaten angeordnet, das „Blanchissement“ („Weißmachen“). Man wollte die Stimmung nicht dadurch verderben, dass man die Weißen damit konfrontiert, unter anderem von Schwarzen befreit worden zu sein.

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