Religionsstreit an Unis über Gebetsräume


Diese Raumteiler mit Decken dienten laut Rektorat dazu, den Raum in einen größeren, hellen Bereich für Männer und einen kleineren dunklen Bereich für Frauen aufzuteilen. Foto: TU Dortmund
Diese Raumteiler mit Decken dienten laut Rektorat dazu, den Raum in einen größeren, hellen Bereich für Männer und einen kleineren dunklen Bereich für Frauen aufzuteilen. Foto: TU Dortmund
Religionsfreiheit, staatlicher Neutralität und Islam-Debatte werden an immer mehr Unis Gebetsräume zum Politikum. Die Uni-Köln will es jetzt besser machen

Von Fabian Köhler|TELEPOLIS

Im Mikrokosmos deutscher Hochschulen kommt die Raumbelegung immer ein Politikum gleich: Die Raumverwaltung erklärte schon vor drei Semestern den Überbelegungsnotstand. Die Studentengruppe protestiert, weil der Filmabend im hinterletzten Hörsaal doch der Ringvorlesung weichen muss. Daran, dass die Erstsemester oft im Gang vor anstatt im Seminarraum sitzen, haben sich ohnehin schon alle gewöhnt.

Ein besonderer Typus universitärer Raumverwendung erregt zurzeit jedoch ein Maß an Aufmerksamkeit, dass selbst in der Geschichte chronisch überbelegter deutscher Hochschulen einmalig sein dürfte: Der Gebetsraum – im säkularen Duktus ihrer Unis meist „Raum der Stille“ genannt – hat die Grenzen seiner jeweiligen Hochschule verlassen und die Debatte um Islam, Migration und deutsche Werte geentert. Und weil das so ist, stehen Nachrichten wie folgende nun in überregionalen Zeitungen und Online-Medien statt nur auf dem schwarzen Brett im Uni-Hauptgebäude: Die Uni Köln plant die Eröffnung eines „Raumes der Stille“. Dort können Studenten – sofern sie denn wollen – auch beten.

Wer dieser Tage die Diskussion um universitäre Gebetsräume verfolgt, den erinnert nicht viel daran, dass es dort laut Nutzerordnung vor allem ruhig zugehen soll. Berlin, Bochum, Dortmund, Essen und jetzt Köln: Immer länger wird die Liste jener Universitäten, die mit ihrem stillen Räumen bundesweit für ziemlich viel Lärm sorgen. In Essen habe sich im Umfeld des Gebetsraumes ein „fundamentalistischen Regime“ ausgebreitet, weiß die Lokalzeitung (nicht aber die Uni-Leitung).

In Bochum warnt ein SPD-Politiker vor dem Ansturm von Salafisten. In Berlin erinnerte sich die Uni-Leitung nach Jahrzehnten an das staatliche Neutralitätsgebot. Und in Dortmund sollen muslimische Studenten den „Raum der Stille“ zum Ort der Geschlechtertrennung gemacht haben. Das Ergebnis ist überall dasselbe: Die Räume wurden geschlossen.

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