Syriens Christen fühlen sich alleingelassen


Fünf Jahre Krieg haben den Syrern einen hohen Preis abverlangt. Von rund 2,5 Millionen Christen sind 500.000 bis 700.000 geflohen. Verzweiflung treibt viele dazu, alle Ersparnisse einzusetzen, um das Land zu verlassen.

Von Karin Leukefeld|kath.net

Die Nacht ist tiefschwarz um Jaramana. Die Stromausfälle in und um Damaskus haben zugenommen. An den vereinzelten Kontrollpunkten hantieren die Sicherheitskräfte mit Taschenlampen. Ab und zu lodert ein kleines Feuer, das nicht nur Licht, sondern auch etwas Wärme spendet.

Jaramana ist ein südlicher Vorort von Damaskus, in dem ursprünglich Christen, Drusen und Muslime in einer offenen, toleranten Gemeinschaft zusammenlebten. Hier liegt das Kloster Ibrahim al-Khalil, das zur griechisch-melkitischen Kirche gehört. Das abendliche Treffen mit einem Priester, der sich für die Freiheit christlicher Geiseln einsetzt, findet mangels Strom bei Kerzenschein in einem dunklen Raum statt – und unter der Bedingung, seinen Namen nicht zu nennen. Denn seine Mission ist gefährlich.
Am nächsten Morgen will er in den Nordosten Syriens reisen, um eine Gruppe von Frauen zu befreien, die seit Mai 2015 vom selbst ernannten «Islamischen Staat im Irak und in der Levante» (IS) in Rakka festgehalten würden. Es sei nicht der erste Einsatz dieser Art; einige Menschen habe er schon befreien können. Die Christen der Wüste zwischen Homs und der syrisch-irakischen Grenze seien dem IS schutzlos ausgeliefert und besonders gefährdet, berichtet er: «Wir müssen uns selbst helfen; niemand setzt sich für uns ein.»

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