Kardinal Bertones 150.000-Euro-‚Spende‘ und offene Fragen


Bild: tilly
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Der frühere Kardinalsstaatssekretär Bertone hat inzwischen offenbar 450.000 Euro in die Renovierung seiner 300-Quadratmeter-Wohnung investiert.

Von Petra Lorleberg|kath.net

Der frühere Kardinalsstaatssekretär Tarcisio Bertone hat Medienberichten zufolge 150.000 Euro an die vatikanische Kinderklinik „Bambino Gesu“ gespendet. Im Dezember hatte er dies angekündigt und dabei betont, dass es sich um eine freiwillige Schenkung handle und nicht um ein Schuldeingeständnis. Es sei vielmehr, erläuterte Bertone, „vollkommen falsch, von einer Entschädigung zu sprechen“. Vielmehr sei er Opfer einer illegalen Handlung anderer Personen geworden. Zuvor hatte er bereits, wie es die vatikanische Verwaltung verlangt hatte, für die Renovierung 300.000 Euro selbst bezahlt. Doch die Vorgänge um Bertone, die nicht nur in Italien längst Skandalqualität erreicht haben, hinterlassen offene Fragen.

Woher hat jemand, der seine Kirchenkarriere als Ordensmann begonnen hat, die 450.000 Euro, die er bisher in seine Wohnung gepumpt hat? Bertone lebte ja nicht von deutschen Kirchensteuergeldern mit den entsprechend üppigen Salären für Tätigkeiten als Professor oder Bischof, in Rom werden solche Stellen ungleich magerer bezahlt und oft schon zu einem Gutteil von den sehr hohen Mietkosten verschlungen. Und selbst wenn Bertone dieses Geld hatte – hätte es dafür nicht wichtigere Verwendungszwecke gegeben als ausgerechnet die Renovation einer Wohnung für sich selbst? Ein Kardinal muss durchaus repräsentieren, doch man kann auch seinen etwas bescheideneren Lebensstil präsentieren. Zum Vergleich: Familienväter und -mütter seines Alters haben ihr Geld zuerst in ihre Kinder investiert und investieren dann in die Enkel, beides oft unter großem Verzicht – und der Zölibat soll eigentlich keine Investition in die eigene Bequemlichkeit sein.

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