Splatter-Ritual: „Wer mein Fleisch kaut und mein Blut trinkt, bleibt in mir“


Frei nach Da Vinci, Quelle: BadA$$Mood
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An Gründonnerstag feiern Christen das Abendmahl zur Erinnerung an Jesu letztes Mahl mit den Jüngern. Brot und Wein stehen dabei als Symbole für Christi Leib und Blut. Doch der Theologe Jan Heilmann zieht das in seiner Doktorarbeit in Zweifel: Jedenfalls dem Evangelisten Johannes sei es nicht um Jesu Körper gegangen, sondern um seine Worte.

Von Anne Kampf|evangelisch.de

Johannes 6,53-59+63+68, aus dem Griechischen übersetzt von Jan Heilmann:

53 Es sprach nun zu ihnen Jesus: Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr nicht esst das Fleisch des Menschensohnes und nicht trinkt sein Blut, habt ihr kein Leben in Euch. 54 Derjenige, der mein Fleisch kaut und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben und ich werde ihn aufwecken am letzten Tag. 55 Denn mein Fleisch ist wahres Essen und mein Blut ist das wahre Trinken. 56 Derjenige, der mein Fleisch kaut und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm. 57 Ebenso wie mich der lebendige Vater geschickt hat und ich so durch den Vater lebe, so wird derjenige, der mich kaut, – auch dieser wird durch mich leben. 58 Dieser ist das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist. Nicht wie die Väter gegessen haben und gestorben sind – Derjenige, der dieses Brot kaut, wird leben in Ewigkeit. 59 Dies sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte. (…) 63 Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch hilft gar nichts. Die Worte, die ich zu euch gesagt habe, sind Geist und sind Leben. (…) 68 Es antwortet ihm Simon Petrus: Herr, zu wem sollten wir gehen? Worte des ewigen Lebens hast Du.

Herr Heilmann, Ihre These lautet: „Essen und Trinken ist die Annahme von Lehre.“ Wie kamen Sie auf die Idee, eine Arbeit zu dieser These zu schreiben?

Jan Heilmann: Ich habe mich mit Mysterien im Johannesevangelium beschäftigt, also mit der Vorstellung des Gott-Essens zum Beispiel. Darauf verweisen ja die Begriffe vom Fleisch-Essen und Blut-Trinken, so ist es zumindest immer angenommen worden. Ich war also mit einer anderen Fragestellung an den Text herangegangen und der hat sich meiner Idee dann entgegengestellt: Die Textanalyse hat mir gezeigt, dass eine solche Vorstellung im Johannesevangelium gar nicht zu finden ist, sondern dass Jesus mit dem Essen seines Fleisches und dem Trinken seines Blutes auf die Aufnahme seiner Lehre hinweist. Jesus ist im Johannesevangelium immerhin das fleischgewordene Wort Gottes.

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