Feminismus: „Manchmal muss man blind sein“


Monia Bichsel, muslimisch (links) und Valérie Rhein, jüdisch © Elisabeth Real für DIE ZEIT (Ausschnitte)
Wie kommen emanzipierte Frauen dazu, religiös zu sein? Wir haben eine Jüdin, eine Muslimin, eine Protestantin und eine Katholikin zum Gespräch gebeten.

Interview: Sarah Jäggi und Aline Wanner|ZEIT ONLINE

DIE ZEIT: Wir sitzen zu sechst um einen Tisch. Sie bezeichnen sich als gläubige Frauen. Beten Sie täglich?

Monia Bichsel: Ja. In unserer Familie beten fast alle. Es ist für mich eine Art Meditation und gibt mir Halt. Ich glaube, man kann das Gebet auch als Therapieform betrachten: Man kann die Sorgen ins Gebet integrieren. Wir Muslime beten fünf Mal am Tag, im Sommer schon um halb vier Uhr am Morgen. Ich stelle aber nicht extra den Wecker, sondern bete, wenn ich aufstehe oder wenn ich es mir einrichten kann.

Sibylle Forrer: Ich komme aus einer Familie, in der Glauben keine große Rolle gespielt hat. Ich hatte aber als Kind das Bedürfnis zu beten, keine Ahnung, warum. Ich nahm das Gebetbuch aus dem Bücherregal und lernte das Unservater auswendig. Bis heute ist mir die ständige Beziehung zu Gott wichtig. So wie ich regelmäßig an meinen Mann oder an meine Eltern denke, führe ich auch mit Gott ein Zwiegespräch.

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