„Angst, den Islam schlecht dastehen zu lassen“


Autorin Sineb El Masrar: Sie wünscht sich mehr Eigeninitiative von Frauen in islamischen Gemeinden (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)
Islam und Frauenrechte seien kein Widerspruch, sagte die Publizistin Sineb El Masrar im Deutschlandfunk. Es gebe aber zu wenige Muslime, die öffentlich für ein anderes Frauen- und Männerbild stritten. Die muslimischen Verbände in Deutschland kritisierte sie scharf.

Sineb El Masrar im Gespräch mit Christiane Florin|Deutschlandfunk

Christiane Florin: Sie werfen den muslimischen Verbänden und ihrem Führungspersonal in Deutschland Unfähigkeit vor. Warum?

Sineb El Masrar: Aus vielerlei Gründen. Sie vermitteln das reiche islamische Erbe den Gläubigen nicht, allen voran nicht den Frauen und den Mädchen nicht im klassischen Islamunterricht und an den Koranschulen. Es gibt Jugendorganisationen, in denen ein sehr einseitiges Islamverständnis verbreitet wird, das durchaus auch islamistische Bezüge hat. Ich meine eher den Reformsalafismus, die Muslimbruderschaftsideologie.

Wir hatten kürzlich den Fall einer jungen Deutsch-Marokkanerin aus Hannover, die einen Polizisten niedergestochen hat. Diese junge Frau hatte sehr oft und lange mit Pierre Vogel zu tun. Vor allem der Zentralrat der Muslime hat genau solchen Predigern wie Pierre Vogel auf „Waymo.de“ eine Plattform gegeben. Das ist problematisch und das muss man thematisieren. Und genau diese Gruppierung muss sich dazu äußern, warum das pädagogisch wertvoll war und ist.

Florin: Schauen die Medien zu unkritisch auf das muslimische Führungspersonal?

El Masrar: Ja, eindeutig. Da fehlen durchaus kritische Fragen. Ich verstehe, dass die Medien Ansprechpartner brauchen. Aber wenn man auf diese Akteure zurückgreift, dann müssen kritische Fragen gestellt werden, weil die Medien Rezipienten haben, die auch Muslime sind. Und auch diese muslimischen Bürger müssen wissen, mit wem sie es zu tun haben.

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