Bis aufs Mark zerstrittene Weltanschauungen


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Nach dem Ende des Kalten Krieges sahen viele eine multipolare Weltordnung anbrechen, mit starken supranationalen Entitäten wie der EU, den G8, den G20, den Vereinten Nationen. Das Gegeneinander zweier bis aufs Mark zerstrittener Weltanschauungen war überwunden – nur um heute wiederzukehren.

Von Alexander Görlach|katholisch.de

Wir sind abermals in einer Ära der Konfrontation zwischen zwei Blöcken. Die westliche Welt, ihr Liberalismus, ihr Humanismus, ihr Christentum werden herausgefordert, angefeindet und bekämpft von einer Macht, die für sich das Ideal eines Gottesstaates zum Leitbild gemacht hat: der islamistische Fundamentalismus. Überall in der islamischen Welt sind militante kriegerische Gruppen entstanden, die Minderheiten verfolgen (Christen, Juden, Jesiden, Homosexuelle, Frauen) und töten. Ihr Hass und ihre Gewalt machen auch nicht Halt vor den eigenen Glaubensgeschwistern, die eine moderatere Auslegung des Islam favorisieren.

Der Politikwissenschaftler Samuel Huntington beschrieb dieses eschatologische Aufeinandertreffen von westlicher und islamischer Welt schon in seinem Bestseller „Der Kampf der Kulturen“ als das Harmagedon des 21. Jahrhunderts. Dem Islam attestierte der Autor, blutige Ränder zu haben: überall, wo er auf Christen und andere Religionen und Weltanschauungen stoße, käme es zum Kampf. Seit 1996, nachdem Huntingtons Buch herauskam, nach dem 11. September 2001, nach den Auseinandersetzungen um die Muhammad-Karikaturen im Jahr 2004 und nun auch wieder im Zuge der Flüchtlinge, die aus der islamischen Welt nach Europa kommen, wird dieser kosmische Kampf wieder heraufbeschworen. Wir wissen, wie der Konflikt zwischen der kommunistischen und der freien Welt immer wieder zu Eskalationen führte und die Menschheit für Jahrzehnte in Stockstarre vor dem atomaren Gau versetzte.

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