Zentralrat der Muslime: „Terror ist eine Todsünde im Islam“


Aiman Mazyek (Bild: Wikimedia Commons/Jakub Szypulka)
Aiman Mazyek (Bild: Wikimedia Commons/Jakub Szypulka)
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, fordert eine neue Diskussionskultur nach den Anschlägen von muslimischen Extremisten. Es müsse auch mehr über soziale Ursachen für Terrorismus gesprochen werden.

Von Astrid Wirtz|Frankfurter Rundschau

Über sein Entsetzen angesichts der jüngsten Anschläge in Brüssel hat Aiman Mazyek keinen Zweifel gelassen. Wie immer, wenn der Terror muslimischer Extremisten Europa ins Visier nimmt, ist er einer der Ersten, die sich mit ihrer Verurteilung zu Wort melden. Und auch das wachsende Unbehagen in der Bevölkerung artikulieren. „Wenn ich die Zeitung aufschlage, bekomme ich selbst Angst vor DEM Islam“, betont der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, dem kleinsten von vier muslimischen Dachverbänden in Deutschland.

Mazyek ist trotzdem derjenige, der im Fokus steht, weil er klar und pointiert formulieren kann. In den schwierigen Zeiten fällt es ihm jedoch schwer, ruhig zu bleiben. Wie gegen den mörderischen Wahnsinn einer fanatisierten Gruppe die friedlich gelebte Religion von Abermillionen Menschen auf der Welt vermitteln? Die Terroristen seien junge Männer mit „Minderwertigkeitsgefühlen“, die glaubten, über andere Macht ausüben zu dürfen, so Mazyek. Geradezu wütend bricht es aus ihm heraus: „Das ist eine Dekonstruktion der Religion.“ Es ginge stattdessen um Macht, Sex und Geld. Dem Ruf nach der immer wieder eingeforderten Reform des Islam kann er deshalb nichts abgewinnen. Es sei nicht zielführend, nach jedem Terroranschlag „monokausal in der Religion die Begründung suchen“, so Mazyek weiter. Die Attentäter von Brüssel seien keine religiösen Menschen gewesen, sie hätten etwa Haschisch-Bars geführt. „Terror ist eine Todsünde im Islam, Terror ist Gotteslästerung“, betonte er.