Wider den religiösen Fundamentalismus

Ein Denkmal Luthers auf dem Wittenberger Marktplatz – mit einem Buch. Der Druck ermöglichte eine weite Verbreitung seiner Schriften. (Hendrik Schmidt / dpa)
Der protestantische Wissenschaftsjournalist Martin Urban will Unruhe stiften. Gern sähe er in den evangelischen Kirchen ein Bollwerk gegen religiösen Fundamentalismus. Doch dafür müssten sie sich ideologischer Selbstkritik stellen.

Martin Urban im Gespräch mit Ernst Rommeney | Deutschlandradio Kultur

Ihn ärgert das menschliche Geschwätz über Gott, erst recht, wenn es behauptet, mit ihm unaufhörlich im Dialog zu sein. Für ihn bleibt das Reden über Gott Spekulation – heute wie in den letzten 2000 Jahren.

In der Schlussphase, in der sich die Protestanten auf das Jubiläum der Reformation vorbereiten, verlangt Martin Urban von den Kirchen Martin Luthers, ihren Fundamentalismus zu überwinden und zur Aufklärung zurückzukehren.

Der Widerstreit von Vernunft und Glaube, Naturgesetz und Wunder, Fakten und Deutungen hat ihn ein Leben lang beschäftigt. Er stammt aus einer evangelischen Theologenfamilie, ist mit einer Religionspädagogin verheiratet, engagierte sich in der Gemeindearbeit und leugnet sein religiöses Bekenntnis nicht.

Doch er gleicht es ab mit naturwissenschaftlicher Erkenntnis – von der Quantenphysik bis zur Hirnforschung. Hat er doch Physik, Chemie und Mathematik studiert und die Wissenschaftsredaktion der „Süddeutschen Zeitung“ (1968-2002) aufgebaut.

Martin Luther habe evangelischen Landen einen Bildungsimpuls gegeben und intellektuelle Aufklärung zum Merkmal der Reformation gemacht. Heute jedoch würden sich Intellektuelle von Kirche und Theologie abwenden, weil Ideologen das Sagen hätten, denn Fundamentalisten seien machtbewusst.

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Soziologe: „Dass Migranten Krankheiten einschleppen, stimmt meist nicht“

foto: regine hendrich „Für Menschen aus stark patriarchalisch geprägten Kulturen ist es oft wichtig, dass der Arzt das gleiche Geschlecht hat. Das hat unsere Studie bestätigt“, sagt der Soziologe Jürgen Pelikan.

Jürgen Pelikan hat die Gesundheitskompetenz von Migranten untersucht. Bildung, soziale und wirtschaftliche Voraussetzungen sind entscheidend.

Von Karin Pollack | derStandard.at

STANDARD: Gibt es einen Konnex zwischen Gesundheit und Kultur?

Pelikan: Kultur ist derzeit immer dann ein Thema, wenn es um die Konfrontation mit einer als fremd erlebten Kultur geht. Wenn es um Gesundheit geht, geht es um Leben. Dazu gehören Ernährung, Arbeit, Sexualität und die Interaktion mit anderen. Unsere Gesellschaft und damit unsere Kultur bestimmen, wie wir leben. Deshalb hängen Gesundheit und Gesellschaft zusammen.

STANDARD: Wie geht es Migranten in unserem Gesundheitssystem?

Pelikan: Menschen, die aus religiös geprägten Agrargesellschaften kommen, müssen sich erst an hiesige Bedingungen gewöhnen. Wir leben in einer Multioptionsgesellschaft. Jeder muss täglich viele Entscheidungen treffen, die Auswirkungen auch auf die Gesundheit haben, zum Beispiel im Supermarkt, wo es gesunde und ungesunde Lebensmittel gibt.

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Pünktlich zum Frühling: Die Sektenlandschaft blüht

Bild: watson.ch/shutterstock
Der neue Religionsmarkt ist ein Puzzle aus Meditations- und Yogalehrern, spirituellen Meistern, Geistheilern, esoterischen Heilsverkündern und Anbietern der Alternativmedizin.

Von Hugo Stamm|watson.ch

Ich und Sekten? Nie und nimmer, denkst du. Wie auch die meisten Menschen. Dann gehst du an die Züspa und lässt dich an einem Verkaufsstand von einem Aussteller blenden, der dich mit seinem Redeschwall schwindlig quasselt.

Und ehe du dich versiehst, trottest du mit einem supergenialen Staubsauger heim, der auch Fusel aufsaugt, die Lichtjahre von deinem Stubenteppich entfernt vor sich hinlümmeln. Auf dem Heimweg kommt dir dann in den Sinn, dass du vor drei Monaten schon einen neuen Staubsauger gekauft hast.

Sekten sind immer für die Anderen

Ja, Sekten sind etwas für andere, glaubst du. Und überhaupt: Gibt es heute noch Sekten? Man liest ja kaum mehr von diesen überspannten religiösen Bewegungen und Kulten (ausser natürlich an dieser Stelle). Wir sind inzwischen doch aufgeklärt, geistig unabhängig, und die Welt säkularisiert sich laufend. Dabei vergisst du, dass du mit einem neuen Staubsauger heimwärts trottest.

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Schöner Wohnen im Vatikan?

Bild: @Kiwi_Gold/twitter
Bild: @Kiwi_Gold/twitter

Kardinal Tarcisio Bertone kommt mit seiner Wohnung nicht aus den Schlagzeilen heraus. Erst war von einer Luxus-Immobilie im Schatten des Petersdoms die Rede. Dann wurde vergangenen November bekannt, dass die Stiftung der vatikanischen Kinderklinik Bambino Gesu Geld für die Renovierung seines 300-Quadratmeter-Appartements beigesteuert hat. Nun wird Bertones Domizil sogar ein Fall für die vatikanische Justiz.

Von Thomas Jansen | katholisch.de

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den früheren Präsidenten der Stiftung des Kinderkrankenhauses Bambino Gesu, Giuseppe Profiti, und deren früheren Schatzmeister Massimo Spina, wie der Vatikan am Donnerstag mitteilte. Die beiden sollen Stiftungsgelder für die Renovierung von Bertones Wohnung zweckentfremdet haben. Laut der italienischen Zeitschrift „L’Espresso“ sollen es 422.000 Euro gewesen sein. Den Angaben zufolge sollte Bertone seine Räume im Gegenzug für Veranstaltungen zur Einwerbung von Spendengeldern zur Verfügung stellen. Bislang habe es jedoch keinen derartigen Termin gegeben. 300.000 Euro hat der frühere Kardinalstaatssekretär nach eigenem Bekunden selbst beigesteuert.

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Beschränktes Denken: Unsere kleine Welt

Vorurteile entstehen im Kopf (imago/blickwinkel)
„Ausländer raus“ rufen die einen, die anderen „Tod den Ungläubigen“ oder „Zerstört das Schweinesystem“. Pegida-Anhänger, Islamisten oder Autonome haben jeweils ihre eigene kleine Welt im Kopf. Ihre Überzeugungen vertreten sie absolut, Diskussionen unerwünscht. Von außen erst einmal schwer nachzuvollziehen. Doch Theorien zu Vorurteilen und Verschwörungstheorien zeigen: Extreme Ansichten entstehen aus ganz normalen psychischen Verarbeitungsprozessen.

Von Volkart Wildermuth | Deutschlandfunk

Die Übergänge sind dabei fließend. Jeder teilt die Welt in „wir“ und „sie“, die meisten glauben erst und suchen dann nach den passenden Fakten. Mit Argumenten alleine lässt sich eine enge Welt nur selten öffnen. Aber die Hirnforschung hat durchaus Wege erforscht, mehr Bewegung ins Denken zu bringen. Merke: alle Menschen haben Vorurteile – es kommt darauf an, was man daraus macht!

Hörtipp: Unsere kleine Welt. Über beschränktes Denken – 3. April – 16:30 Uhr [AUDIO]

„Wir hadern mit der Kirche wie mit einem bockigen Onkel“

Ich habe nie verstanden, wie man den Geruch von Weihrauch eklig finden kann. Heute noch stecke ich auf Reisen meine Nase in jede katholische Kirche, und dann rieche ich Heimat. Ich bin katholisches Pastoralreferenten-Kind.

Von Christiane Lutz | Süddeutsche.de

Nein, das bedeutet nicht, dass mein Vater Priester ist und unartig war, er ist nicht geweiht und darf deshalb Familie und Kinder haben. Trotzdem ist er eine Art Pfarrer in dem, was er tut: Er hält Gottesdienst, unterrichtet Religion und beerdigt am laufenden Band Menschen.

Vom Herzen her fand ich den Beruf immer gut, richtig und spannend. Vom Kopf her aber musste ich in den vergangenen Jahren sehr oft denken: Im Ernst? Katholische Kirche? Der Verein, der seit 2000 Jahren Frauen ganz offiziell wegen ihres Geschlechts benachteiligt? Der Homosexualität für eine Krankheit hält aber gleichzeitig Priester protegiert, die… Ach, fangen wir gar nicht davon an.

Ich bitte meinen Vater zu einem Gespräch über die Kirche. Wir treffen uns im Pfarrhaus von St. Peter und Paul in Weil der Stadt. Mein Vater ist jetzt 64, Ende des Jahres geht er in den Ruhestand. Dem Gespräch hat er ohne Zögern zugestimmt. Vielleicht also hat er schon eine gewisse Egal-Haltung, denke ich mir. Eine, die es ihm erlaubt, ehrlich zu sein.

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„Israel ist Europas wichtigste Verteidigungslinie“

Screengrab Times of Israel
Screengrab Times of Israel
Für Premierminister Benjamin Netanjahu steht fest: Ohne Israel würde sich der IS noch viel weiter ausdehnen. Die Flüchtlingskrise sei nur zu lösen, wenn „man den militanten Islam an der Wurzel packt“.

Von Gil Yaron | DIE WELT

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu empfängt uns in seinem Büro, dem sogenannten Aquarium, und legt gleich los: „Noch bevor wir mit dem Interview beginnen, lassen Sie mich sagen, wie sehr ich Axel Springer schätzte. Mein Vater traf ihn, kurz nachdem mein Bruder bei der Geiselbefreiungsoperation in Entebbe 1976 gefallen war. Sie trafen sich in Berlin in Springers Büro. Er nahm meinen Vater ans Fenster, zeigte auf die Berliner Mauer und sagte ihm: ,Das ist eine Trennlinie. Bis hier: Freiheit. Dort: Sklaverei.'“

Er freue sich, dass Deutschland zum 70. Jubiläum der „Welt“ wiedervereint und frei ist, so Netanjahu weiter. „Aber auf der Welt tobt ein neuer Krieg um Freiheit, um grundlegende Menschenrechte, gegen eine noch viel grausamere Ideologie – den militanten Islamismus. Er will die Welt erobern, viele unterjochen und andere zerstören – darunter meinen Staat. Wir haben wieder eine gemeinsame Mission: sicherzustellen, dass die Freiheit gewinnt.“

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Die Sommerzeit ist überflüssiger als ein Kropf

Bild: Daniel FR, Plenz. Lizenz: Public Domain.
Same procedure as every year: Zu Ostern wurde wieder in ganz Europa die Sommerzeit eingeführt: eine Paradeleistung der europäischen Integrationspolitik. Alle Länder Europas außer Russland verordnen ihren Bürgern zweimal im Jahr erst die Winter- und danach wieder die Sommerzeit: ein Ärgernis, das immer mehr Menschen auf die Palme bringt.

Von Wolfgang J. Koschnik | TELEPOLIS

Der Vorgang, durch den ganz Europa alle halbe Jahr dem Wettergott ins Handwerk pfuscht, eignet sich hervorragend dafür, exemplarisch an einem leicht nachvollziehbaren Beispiel zu zeigen, wie verfahren die europäische Politik ist und wie wenig Chancen bestehen, je aus der Sackgasse je wieder herauszukommen, obwohl es sich bei der Sommerzeit doch politisch eher um eine Marginalie handelt.

Theoretisch könnte man das auch an hochkomplexen politischen Zusammenhängen illustrieren. Aber hochkomplexe Zusammenhänge eignen sich nicht als politisches Lehrstück.

1980 führte Deutschland die Sommerzeit als Nachwirkung der Ölkrise von 1973 ein. Eine pompös proklamierte Maßnahme der Energiepolitik. Zur Begründung hieß es, dass man mit der Regelung durch bessere Nutzung des Tageslichts Energie sparen könne. In der Ölkrise der 1970er Jahre setzte sich die Idee in ganz Europa durch. Es dauerte noch viele Jahre, bis 1996 schließlich alle Sommerzeiten in Europa vereinheitlicht wurden.

Eigentlich hätte man das auch damals schon als Unsinn erkennen können: Wenn es morgens früher hell wird, wird es abends auch früher dunkel. Man braucht nicht unbedingt ein vollständiges Physikstudium, um diese Erkenntnis mit Hilfe einer nicht übermäßig anstrengenden Betätigung des eigenen Kopfes zu Stande zu bringen. Doch der Hang demokratischer Gremien, sich im Wege des Groupthink, des kollektiven Irrsinns, an absurden Schnapsideen festzubeißen, setzt sich immer wieder machtvoll durch. Damals galt als allgemeine Erkenntnis, dass die fossilen Brennstoffe endlich und in wenigen Jahrzehnten erschöpft sein werden. Man suchte also nach neuen Lösungen für ein schwieriges Problem.

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Das Kreuz mit der Feindesliebe

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„Wir sollten versuchen, den Terroristen mit Beten und Liebe zu begegnen. (…) auf den Hass nicht mit Hass zu antworten, das ist die Herausforderung“, sagte Margot Käßmann in einem heiß diskutierten Interview.

Von Anna Diouf | kath.net

„Wir sollten versuchen, den Terroristen mit Beten und Liebe zu begegnen. (…) auf den Hass nicht mit Hass zu antworten, das ist die Herausforderung.“ So Margot Käßmann in einem heiß diskutierten Interview mit der „Bild am Sonntag“.

Sie hat Recht. Zumindest aus christlich-abendländischer Perspektive sind Gebet und Liebe die Rezepte schlechthin gegen Hass, Gewalt und generell gegen alles Böse. Als Christ ist man zur Feindesliebe explizit und „alternativlos“ aufgefordert und kann sich dem nicht entziehen. Aber auch aus nicht christlicher Perspektive ist diese Haltung nachvollziehbar, denn Hass kann niemals Liebe oder Frieden schaffen, sondern nur wiederum Hass vermehren.
Allerdings hat die Sache gleich mehrere gravierende Haken:

Zum einen ist eine Handlung, die nicht aus Liebe erfolgt, nicht zwangsläufig „hasserfüllt“. Frau Käßmann behauptet indirekt, es gäbe nur diese beiden Optionen. Nun kann man sehr wohl auch Gewalt ausüben, ohne zu „hassen“ – etwa, wenn man sich aus Notwehr einem Menschen widersetzt, gegen den man an sich keinen Hass hegt.

Ein weiterer Schwachpunkt der Argumentation ist die nebulöse Verwendung des Wortes „Liebe“. Was ist denn Liebe?

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Ist es eine Theorie? Ist es ein Gesetz? Nein, es ist eine Tatsache

Bild: RDF
Das Wort Theorie hat im umgangssprachlichen und wissenschaftlichen Sinn eine unterschiedliche Bedeutung . Diese Unkenntnis wird nicht nur von den Vertretern einer kreationistischen Weltanschauung ausgenutzt. Richard Dawkins plädiert für ein Umdenken.

Von Richard Dawkins |Richard Dawkins-Foundation

Ich habe einmal versucht, die Besucher einer atheistischen Konferenz in den USA davon zu überzeugen, dass der Aufdruck „In God We Trust“ auf den amerikanischen Geldscheinen ein belangloses kosmetisches Detail ist. Wir sollten nicht länger darüber jammern und unsere Energie lieber bedeutenderen Themen widmen, darunter dem steuerbefreiten Status der Religionsgemeinschaften. Ich wurde vom geschätzten Bürgerrechtler Edwin Kagin entschlossen zurechtgewiesen, der nun leider verstorben ist. Er sagte, dass der Aufdruck wirklich ein wichtiges Thema sei, weil viele Amerikaner, die mit der Landesgeschichte nicht so gut vertraut sind (die Phrase wurde erst im Jahr 1957 ergänzt) auf den Aufdruck „In God We Trust“ als Beleg dafür verweisen, dass Amerika als christliches Land gegründet wurde.

Unsere Angewohnheit, von der „Evolutionstheorie“ zu sprechen, wird gleichermaßen missbraucht, um die Menschen irrezuführen. Sehr viele Leute lassen sich von der Phrase „Nur eine Theorie“ verunsichern. Dieser Essay dient dazu, die Verwirrung aufzuheben. Ich schlage vor, den Begriff „Theorie“ gar nicht mehr zu verwenden, wenn man mit Kreationisten spricht.

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Zurück zur Folter?

Bild. DIE KOLUMNISTEN
Im Zusammenhang mit den Anschlägen von Brüssel kommt es zu einer neuen Diskussion über die Wiedereinführung mittelalterlicher Methoden. Gibt es einen Weg zurück zur Folter?

Von Heinrich Schmitz | DIE KOLUMNISTEN

Er will nicht reden. Der im Fall der Pariser Anschläge „Hauptverdächtige“ Salah Abdeslam will sich nicht zu den Brüsseler Anschlägen äußern. Sein Verteidiger hatte vorab erklärt, sein Mandant habe nichts von den Vorbereitungen für diese Anschläge  gewusst.

Es ist nichts Ungewöhnliches, dass ein Beschuldigter von seinem Recht zu Schweigen Gebrauch machen möchte. Das ist in jedem Rechtsstaat sein gutes Recht und es ist seine eigene Entscheidung. Man mag das bedauern, aber man hat es zu akzeptieren.

Aber muss man das wirklich? Im Zusammenhang mit der Nachricht vom Schweigen Abdeslams kochte in den sozialen Netzwerken eine immer mal wieder auftauchende Debatte auf. Darf „so einer“ wirklich schweigen? Muss man ihn – bei dem vermutet wird, dass er auch zu den Brüsseler Anschlägen, deren Hintermännern und möglicherweise weiteren geplanten Anschlägen  etwas sagen könnte – nicht einfach zum Reden bringen? Muss man da nicht nachhelfen? Mit Wahrheitsdrogen? Mit Waterboarding ? Mit Elektroschocks ? Mit Schlägen, Daumenschrauben, oder vielleicht, indem man seine Familie, seine Mutter einsperrt und die vor seinen Augen ein wenig foltert? Oder wenigstens damit droht? Nun, all diese Ideen stammen nicht von mir, sondern von unterschiedlichen Befürwortern der Aussageerzwingung mittels Folter.

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Wie Neonazi-Skins von Blood & Honour unbemerkt in Hiters Heimat und Vorarlberg feierten

„Wir haben das Unmögliche durchgeführt“—so euphorisch wird das Erinnerungsfoto der ungarischen Skinheads vor Adolf Hitlers Geburtshaus, ihrem selbsternannten „Führer“, Anfang März im Internet kommentiert.

Von Thomas Hoisl|VICE.com

Dabei wurde den rechten Touristen so ein Schnappschuss eh nie wirklich unmöglich gemacht: Schon im letzten August reiste eine Handvoll ungarischer Biker vom rechtsextremen Netzwerk Blood & Honour nach Österreich, um an ausgewählten Kultstätten auf Fotosafari zu gehen. Wie beim letzten Mal posierte man, wohl auch dank sprachlicher Unkenntnis, übrigens stolz neben dem „Nie wieder Faschismus“-Denkmal. Im Unterschied zum Besuch im August rollten die Rechten dieses Jahr aber unbehelligt und völlig unbeobachtet von den österreichischen Behörden an.

Erst ein Bericht des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW) machte kürzlich auf den letzten Besuch der ungarischen Skinheads aufmerksam. Diesmal blieb die Gruppe auf ihrem Besuch in Österreich außerdem nicht nur unter sich. Denn nach dem Zwischenstopp in Braunau ging es weiter nach Vorarlberg und zum eigentlichen Ziel des Wochenendtrips: ein Neonazi-Konzert irgendwo im Ländle, um gemeinsam mit deutschen, schweizerischen und österreichischen Gleichgesinnten einen draufzumachen.

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Reizwort Schächten

Im 2012 überarbeiteten Israelitengesetz wurde die Produktion koscherer Lebensmittel, und damit auch das koschere Schlachten, zum Beispiel explizit als Recht der Religionsgemeinschaft festgehalten. © APAweb / dpa, Christian Charisius
Observante Juden und Muslime folgen den Speisegesetzen ihrer Religion. Im Islam bedeutet das unter anderem den Verzehr von halal geschlachtetem Fleisch, im Judentum gelten die Kaschrut. In beiden Fällen werden Tiere von Hand geschlachtet – und das auch völlig in Übereinstimmung mit dem geltenden österreichischen Recht. Im 2012 überarbeiteten Israelitengesetz wurde die Produktion koscherer Lebensmittel, und damit auch das koschere Schlachten, zum Beispiel explizit als Recht der Religionsgemeinschaft festgehalten.

Von Alexia Weiss | Wiener Zeitung

Umso mehr irritiert es, wenn man dieser Tage Headlines wie diese liest: „Geschächtete Tiere am Würstelstand?“, titelte nun die Wiener Bezirkszeitung. Im Blattinneren folgt ein „Pro & Contra“: ein solcher Würstelstand sei „eine echte Provokation“, ist da zu lesen. Und: „Müssen jetzt sogar unsere Wiener Würstel halal werden? Was kommt als nächstes?“ Die Befürworterin hält dagegen fest: die Flüchtlinge würden sich nicht besser integrieren, wenn man sie zwinge Schweinsschnitzel zu essen.

Bei den Leserkommentaren findet nur die Contra-Argumentation Befürworter. Halal sei zu 100 Prozent abzulehnen, heißt es da, oder es würden nicht Würsteln, sondern „mehr Wohnungen für eigene Bürger gebraucht“. Und: mit solchen Aktionen werde die Gesellschaft mit einem „gewaltigen Keil“ auseinandergetrieben.

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Wie sich das ZDF zum Büttel der Politik der Bundesregierung macht

© ZDF neo Wasserglaslesung vor wehender Fahne: Jan Böhmermann beim Vortrag des Schmähgedichts im „Neo Magazin Royale“ vom 31. März. Bild. Frankfurter Allgemeine
Ein Aprilscherz war es nicht, für das ZDF erfüllte die Parodie nicht die „Ansprüche an Satiresendungen“ – und vermutlich auch nicht den Wünschen der Bundesregierung.

Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Das öffentlich-rechtliche ZDF ist schnell eingeknickt. Offenbar hatte das Magazin „Extra 3“ mit der Parodie des türkischen Präsidenten Erdogan den richtigen Nerv getroffen. Der für seine Empfindlichkeit gegenüber jeder Kritik bekannte türkische Präsident, der gegen zahlreiche Menschen wegen Majestätsbeleidigung prozessiert, Zeitungen und Sender unter staatliche Kontrolle stellt, Journalisten ins Gefängnis sperren will, das oberste Gericht missachtet und überhaupt Opposition mundtot machen will, hat auch gleich aus Protest den deutschen Botschafter einbestellt.

Das hat dem Video allerdings wenig überraschend zur weltweiten Popularität verholfen. Extra 3 legte nach und hatte das Video noch mit türkischen Untertiteln ausgestatte und Erdogan zum „Mitarbeiter des Monats“ ernanntt. Christian Ehring süffisant: „Vielleicht hat Erdogan den Beitrag nicht verstanden?“ Erdogan blieb uneinsichtig. In einem Interview mit dem Sender CNN sagte, man dürfe Kritik nicht „mit Beleidigungen und Diffamierung“ verwechseln. Von sich behauptete er, er sei immer „ein offener Politiker und Präsident“ gewesen.

Die deutsche Regierung schwieg erst einmal dazu, manche Politiker äußerten Kritik am Verhalten des Präsidenten und seiner Einstellung zu Pressefreiheit, Kritik und Satire. Gestern wurde durch Regierungssprecher Seibert erklärt: „Presse- und Meinungsfreiheit sind für die Bundesregierung nicht verhandelbar.“ Er verwies dabei auf eine Stellungnahme nicht der Regierung oder gar der Kanzlerin, sondern der stellvertretenden Regietrungssprecherin Christine Wirtz, die versicherte: „Die Bundesregierung hat ihre Haltung zur Meinungsfreiheit deutlich gemacht: Politische Satiresendungen gehören selbstverständlich zur deutschen Medienlandschaft dazu – und sind von der Presse- und Meinungsfreiheit umfasst.“

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Polens Regierungspartei für fast totales Abtreibungsverbot

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Nach Hirtenwort der Bischöfe hat sich Ministerpräsidentin Szydlo für umfassendes Abtreibungsverbot ausgesprochen – Kaczynski,Vorsitzender der Regierungspartei: Als Katholik stehe er hinter der Lehre, die die Bischöfe verkünden.

kath.net

Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo hat sich für ein beinahe vollständiges Abtreibungsverbot ausgesprochen. Die nationalkonservative Politikerin sagte am Donnerstag in einem Radiointerview, sie unterstütze den Gesetzesvorschlag einer Volksinitiative, der Abtreibungen außer bei Gefahr für das Leben der Frau mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft. Auch der Vorsitzende der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski, unterstützte eine Gesetzesverschärfung.
Das bereits jetzt vergleichsweise lebensbejahende polnische Abtreibungsgesetz erlaubt die Tötung des ungeborenen Kindes bei Missbildung oder unheilbarer Krankheit, bei Gefahr für Leben oder Gesundheit der Frau sowie nach einer Vergewaltigung oder Inzest. Lebensschützer wollen demnächst die erforderlichen 100.000 Unterschriften beisammen haben, um die Volksinitiative beim Unterhaus des Parlaments, dem Sejm, einreichen zu können.

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How the Media Got a Study About Vegetarianism Really, Really Wrong

Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)
Bild: Wikimedia Commons/alfa88papa (CC-BY-SA 3.0)
If you’re the sort of person who believes bacon makes everything better, then a study that made headlines this week claiming a vegetarian diet can kill you was probably a welcome sight. Enough with this nonsense about how eating less meat is better for you, for animals, and for the planet. Vegetarianism is deadly, the headlines read.

By Kaleigh Rogers|MOTHERBOARD

“Long term vegetarian diet changes human DNA raising risk of cancer and heart disease,” the Telegram warned. “Being a long term vegetarian changes your DNA and increases your risk of cancer” according to Cosmo UK. “Being a vegetarian could kill you, science warns,” the New York Post proclaimed.

Except here’s the problem: that’s not what the actual study said. At all.

“In the beginning, we were pretty happy to see our research getting so much attention,” Kaixiong Ye, a biology post-doc at Cornell University and co-author of the study in question, told me. “But over the last few days I have found that most of the news coming out right now [on our study] is wrong. It’s kind of frustrating.”

So what did the study actually find? Ye and his colleagues identified an allele—a gene variant—in some people whose ancestors maintained a primarily vegetarian diet. This allele allows these individuals to produce synthetic versions of omega-3 and omega-6 fatty acid, which are essential for brain function but can be lacking from vegetarian diets.

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Würzburger Missbrauchsfall: Mögliches Opfer meldet sich zu Wort

Bild: WAZ
Bild: WAZ
Unabhängiger Missbrauchsbeauftragte des Bistums, Strafrechtsprofessor Laubenthal, hat nach eigenen Angaben Anhaltspunkte von mehreren Personen auf einen weiteren Fall vorliegen, «der sich möglicherweise auf die gleiche Person bezieht».

kath.net

Zu dem Missbrauchsvorwurf im Bistum Würzburg hat sich am Donnerstag die Beschuldigerin zu Wort gemeldet. «Es ist natürlich nicht schön, als Opfer so dargestellt zu werden, als wäre dieses Geschehen nie gewesen», sagte die 44-Jährige dem Bayerischen Rundfunk: «Das ist unglaublich hart, und ich fühle mich, ehrlich gesagt, auch dadurch erneut missbraucht.» Sie bezog sich damit auf die Ende Dezember 2015 erfolgte Einstellung des kirchlichen Untersuchungsverfahrens.
Die Frau wirft einem hochrangigen Würzburger Priester vor, sie im Jahr 1988 sexuell missbraucht zu haben. Der Fall war am Wochenende durch einen «Spiegel»-Bericht öffentlich geworden. Wie die Frau gegenüber der Würzburger «Main-Post» erklärte, hat sie die Veröffentlichung selbst initiiert. Nun fühle sie sich «befreit».

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Neu freigegebene Dokumente beschreiben Kannibalismus und Kreuzigungen in KZs

Häftlinge im KZ Sachsenhausen (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-78612-0008 / CC-BY-SA)
Häftlinge im KZ Sachsenhausen (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-78612-0008 / CC-BY-SA)
Kannibalismus, Ertränken und Kreuzigung: Das sind nur ein paar der Grauen, von denen britische ehemalige KZ-Gefangene berichtet haben, wie gestern in Großbritannien bekannt geworden ist.

Von VICE News

Die lange unter Verschluss gehaltenen Zeugenberichte gehörten zu einem englisch-deutschen Kompensationsprogramm für Nazi-Opfer von 1964 und 1965 und zeigen auch, wie viele der Gepeinigten darum kämpften, die strengen Bedingungen für eine Entschädigungszahlung zu erfüllen.

Von den 4.206 Personen, die sich um eine Entschädigung bewarben, waren nur 1.015 erfolgreich. Viele mussten Monate und Jahre der Befragung über ihre Erfahrungen über sich ergehen lassen, bevor ihre Anträge schließlich abgelehnt wurden.

Zu den Berichten gehört einer von Harold Le Druillenec, dem einzigen britischen Überlebenden des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, der 10 Monate lang dort gefangen war. Le Druillenec sagte später beim Bergen-Belsen-Prozess aus.

Er schrieb: „Meine gesamte Zeit hier verbrachte ich damit, Leichen in Massengräber zu heben, die ‚externe Arbeiter‘ netterweise für uns gegraben hatten, denn wir hatten keine Kraft mehr für Arbeiten dieser Art, was die Lagerautoritäten glücklicherweise gemerkt haben mussten.“

„Unter den Häftlingen herrschte das Gesetz des Dschungels; nachts tötete man oder man wurde getötet. Am Tage gab es überall Kannibalismus.“

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Freimaurer: Aufklärung in geschlossener Gesellschaft

In dem Tempel der Freimaurer Loge „Zu den ehernen Säulen“ in Dresden (Sachsen) liegt ein Schwert auf der Verfassung der Freimaurer. Die fünf Grundideale der Freimaurerei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. (picture alliance / dpa / Arno Burgi)
Die Freimaurer haben in ihrer Hochzeit, im 18. Jahrhundert, eine neue Form bürgerlicher Öffentlichkeit geschaffen. Sie vereinten Menschen über Standesgrenzen hinaus, diskutierten und verbreiteten Ideen der Aufklärung. Das gefiel natürlich nicht jedem.

Von Gunnar Lammert-Türk | Deutschlandradio Kultur

„So hab‘ ich euch denn schon den Dank,
Den ich gedacht, erwiesen
Und euch mit Tönen rein und schlank
Als Würdige gepriesen.
Was bleibet übrig als der Schall,
Den wir so gerne hören,
Wenn überall, allüberall
Im Stillen wir uns vermehren.“

Wer sind die „Würdigen“, die Goethe in „Dank des Sängers“ preist? Es spricht manches dafür, dass hier die Freimaurer gemeint sind, zu denen auch Goethe zählte. Ihr Ziel: die Selbstvervollkommnung. Mit ihrer Hilfe wollen sie das menschlich Gute in der Welt befördern und zu diesem Zweck bilden sie Gemeinschaften, die sie Logen nennen.

Als ihr Gründungsdatum gilt der 24. Juni 1717. Damals schlossen sich in London vier Logen zur ersten Großloge von England zusammen. Obgleich sie sich vor allem als ethischen Bund verstanden, wollten sie doch eine Art minimalreligiösen Konsens aufstellen. In den sogenannten „Alten Pflichten“, der Konstitution der Großloge, die eine Gründungslegende mit den Regeln der Freimauerer verbindet, schrieb ihr Verfasser, der schottisch-presbyterianische Prediger James Anderson, unter dem Abschnitt „Von Gott und der Religion“:

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A programming language for living cells

MIT biological engineers have devised a programming language that can be used to give new functions to E. coli bacteria. Image: Janet Iwasa
MIT biological engineers have devised a programming language that can be used to give new functions to E. coli bacteria.
Image: Janet Iwasa
MIT biological engineers have created a programming language that allows them to rapidly design complex, DNA-encoded circuits that give new functions to living cells.

By Anne Trafton | MIT News Office

Using this language, anyone can write a program for the function they want, such as detecting and responding to certain environmental conditions. They can then generate a DNA sequence that will achieve it.

“It is literally a programming language for bacteria,” says Christopher Voigt, an MIT professor of biological engineering. “You use a text-based language, just like you’re programming a computer. Then you take that text and you compile it and it turns it into a DNA sequence that you put into the cell, and the circuit runs inside the cell.”

Voigt and colleagues at Boston University and the National Institute of Standards and Technology have used this language, which they describe in the April 1 issue of Science, to build circuits that can detect up to three inputs and respond in different ways. Future applications for this kind of programming include designing bacterial cells that can produce a cancer drug when they detect a tumor, or creating yeast cells that can halt their own fermentation process if too many toxic byproducts build up.

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