„Wir hadern mit der Kirche wie mit einem bockigen Onkel“


Ich habe nie verstanden, wie man den Geruch von Weihrauch eklig finden kann. Heute noch stecke ich auf Reisen meine Nase in jede katholische Kirche, und dann rieche ich Heimat. Ich bin katholisches Pastoralreferenten-Kind.

Von Christiane Lutz | Süddeutsche.de

Nein, das bedeutet nicht, dass mein Vater Priester ist und unartig war, er ist nicht geweiht und darf deshalb Familie und Kinder haben. Trotzdem ist er eine Art Pfarrer in dem, was er tut: Er hält Gottesdienst, unterrichtet Religion und beerdigt am laufenden Band Menschen.

Vom Herzen her fand ich den Beruf immer gut, richtig und spannend. Vom Kopf her aber musste ich in den vergangenen Jahren sehr oft denken: Im Ernst? Katholische Kirche? Der Verein, der seit 2000 Jahren Frauen ganz offiziell wegen ihres Geschlechts benachteiligt? Der Homosexualität für eine Krankheit hält aber gleichzeitig Priester protegiert, die… Ach, fangen wir gar nicht davon an.

Ich bitte meinen Vater zu einem Gespräch über die Kirche. Wir treffen uns im Pfarrhaus von St. Peter und Paul in Weil der Stadt. Mein Vater ist jetzt 64, Ende des Jahres geht er in den Ruhestand. Dem Gespräch hat er ohne Zögern zugestimmt. Vielleicht also hat er schon eine gewisse Egal-Haltung, denke ich mir. Eine, die es ihm erlaubt, ehrlich zu sein.

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