Hilfsapostel Losinger: „Der perfekte Mensch ist eine Gefahr“


Warner vor den Folgen einer entfesselten genetischen Diagnostik: Weihbischof Anton Losinger. Foto: imago/reportandum
Nach fast zwölf Jahren verlässt der Augsburger Weihbischof Anton Losinger den Deutschen Ethikrat. Im Gespräch warnt er vor den Folgen der rasant fortschreitenden Gentechnik.

Von Josef Karg | Augsburger Allgemeine

Herr Losinger, Sie haben im Ethikrat an Stellungnahmen zu wichtigen Themen wie „Wann ist der Mensch tot?“ oder dem Umgang mit Möglichkeiten wie Präimplantationsdiagnostik und ihre Folgen mitgewirkt. Gab es einen Anlass, das Gremium Mitte des vergangenen Jahrzehnts zu gründen?

Losinger: Nein. Aber einen drängenden sachlichen Grund gab es schon. Wir mussten auf globaler Ebene, aber auch in Deutschland und Europa realisieren, dass im Bereich der Biowissenschaften und Gentechnik ein Hype von bislang unbekannter Dimension Platz griff. Da kam und kommt mit hoher Geschwindigkeit und dramatischer Wirkung etwas auf uns zu, was den meisten Menschen noch gar nicht bewusst ist. Ein Beispiel ist die Arbeit des Molekularwissenschaftlers und umstrittenen Gentechnik-Pioniers Craig Venter, dem es im Jahr 2001 erstmals gelang, das menschliche Genom zu entschlüsseln. Damit liegen der Mensch und seine Genetik offen wie ein Buch vor uns. So eine Situation wirft ethische Fragen auf.

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