Protest: „Aggressiver Humanismus“ und seine Grenzen


Zeiten ändern sich. Und mit den Zeiten ändern sich die Protestformen, die eine jeweilige Generation nutzt, um sich Gehör zu verschaffen. Die Generation Smartphone also bedient sich, klar, des Cyber-Protests. Philipp Ruch, dem Gründer des Aktionskollektivs „Zentrum für politische Schönheit“, ist das zu wenig. Nur eine Online-Petition zu unterzeichnen, sagt Ruch, „das nützt nichts“. Und für alle im Publikum des Podiums, die das noch nicht verstanden hatten, wiederholt er es gleich noch mal: „Das nützt nichts.“

Von Jakob Rondthaler | taz.blogs

Welche Form des Aktivismus aber ist die richtige? Was kann, was muss man tun, um sich politisch zu artikulieren? Und vor allem: Was ist eigentlich radikal? Diese Fragen beantwortet Ruch gemeinsam mit Erich Rathfelder, dem taz-Korrespondenten für den Balkan.

Als Lösung hat Ruch sich ein eigenes Konzept erdacht, er nennt es „aggressiven Humanismus“. Und dieses Konzept setzt er mit seinem „Zentrum für politische Schönheit“ um, einem Künstler-Kollektiv, das in den vergangenen Monaten mit medienwirksamen, oft umstrittenen Aktionen auf sich aufmerksam machte: Es klaute anlässlich des 25. Jahrestags des Mauerfalls die Gedenkkreuze an die Mauertoten der deutsch-deutschen Grenze vom Gelände neben dem Reichstag und stellte sie an den Außengrenzen Europas wieder auf. Es exhumierte die Leiche einer aus Syrien geflohenen Frau, die zunächst in Sizilien begraben wurde, und begrub sie auf einem Berliner Friedhof. Und, zuletzt, inszenierte das „Zentrum“ die Verfluchung des Schweizer Publizisten Roger Köppel, der hierzulande der „intellektuelle Vordenker“ der AfD sei, wie Ruch auf dem taz.lab sagt.

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