Schule: Kein Ort für Katechese


Themenbild.
Themenbild.
Mit seiner Kritik am Religionsunterricht in Deutschland hat Kurienerzbischof Georg Gänswein eine Debatte ausgelöst. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage, was Jugendliche am Ende ihrer Schullaufbahn über das Christentum – oder besser: über den Katholizismus – gelernt haben müssten. Die Antworten darauf fallen jedoch ebenso unterschiedlich aus, wie das Wissen darüber, was tatsächlich im Unterricht gelehrt wird.

Von Björn Odenthal | katholisch.de

Gänswein hatte vor gut zwei Wochen im Interview mit der Deutschen Welle bemängelt, junge Leute wüssten nach der Schule „fast gar nichts“ von ihrer Religion. Einige Tage später reagierten die Arbeitsgemeinschaft Katholische Religionspädagogik (AKRK) und der Deutsche Katecheten Verein (DKV) in einer gemeinsamen Stellungnahme auf den Vorwurf: Ja, es gebe ein mangelndes Glaubenszeugnis. Und ja, es existierten auch „Leerstellen“ in der Glaubensverkündigung. Gewehrt haben sich die Verbände jedoch gegen die Schlussfolgerung, dass das Schulfach Religion dafür verantwortlich sei. „Die Hinführung zur Teilnahme am kirchlichen Leben ist nicht primär Aufgabe des Religionsunterrichts“, hieß es in ihrer Mitteilung.

Der Tübinger Religionspädagoge Albert Biesinger geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht von „einer völligen Fehleinschätzung der Situation“ durch Gänswein. In Abiturklausuren, aber auch schon vorher im Unterricht würden sich Schüler mit hochtheologischen Themen wie etwa der Eschatologie auseinandersetzen. „Das ähnelt schon kleinen Seminararbeiten an der Universität“, sagt Biesinger katholisch.de. Wissen werde im Religionsunterricht demnach genug vermittelt. Die Bildungspläne seien voll von Theologie. Das angeeignete Wissen verfalle jedoch wieder, weil der Praxisbezug in den Kirchengemeinden fehle. „Ich selbst habe in Biologie einmal gelernt, wie eine Niere funktioniert, es aber wieder vergessen, weil ich es nie anwenden musste“, so der Theologe.

weiterlesen