„Affäre Schiwago“: Als Kreml und CIA um einen Roman kämpften


Bild: (c) Theiss Verlag
Kaum ein Stück Weltliteratur wurde so abenteuerlich veröffentlicht wie „Doktor Schiwago“. Wie kam die russische Ausgabe mitten im Kalten Krieg zustande? Ein neues Buch zeigt, wie die CIA dabei die Fäden zog.

Von Anne-Catherine Simon | Die Presse.com

Wie viele Wiener erinnern sich noch an die Weltfestspiele der Jugend und Studenten für Frieden und Freundschaft, die im Sommer 1959 in ihrer Stadt stattgefunden haben? Die wenigsten vermutlich. Und noch weniger werden damals wahrgenommen haben, wie die CIA einen damals als ungeheuer brisant geltenden russischen Roman unauffällig unters Volk brachte – genauer, unter sowjetische und osteuropäische Studenten.

Im soeben auf Deutsch erschienenen Buch „Die Affäre Schiwago“ steht so manches darüber. „Washington Times“-Journalist Peter Finn und Literaturwissenschaftlerin Petra Couvée schildern, wie die CIA während des von kommunistischen Jugendorganisationen gesponserten Festivals heimlich Miniaturausgaben des Romans „Doktor Schiwago“ verteilen ließ. Die CIA scheute keinen Aufwand, um das Fest mit kommunismuskritischen Büchern in 14 Sprachen zu infiltrieren. Die Interessierten nutzten dunkle Kinosäle und andere durch Mundpropaganda mitgeteilte Tauschorte, übernahmen die Bücher versteckt in Sackerln aus Wiener Geschäften, verbargen sie auf der Heimreise etwa in der Campingausrüstung, im Bühnenequipment oder in einer Filmrolle. Etliche Exemplare eines Werks warfen russische Emigranten sogar in die Fenster sowjetischer Busse, als die Delegation mit dem jungen Balletttänzer Rudolf Nurejew und vielen anderen russischen Künstlern durch Wien fuhr: Dieses Werk war „Doktor Schiwago“ von Boris Pasternak.

weiterlesen

1 Comment

Kommentare sind geschlossen.