Sicherheitsrisiken wegen Funklöchern bei der Bahn

© Reuters Wie gut erreichbar sind Deutschlands Lokführer wirklich?
Funklöcher auf Bahnstrecken sind ein Risiko für Fahrgäste. Und offenbar ist dieses Risiko größer als gedacht. Auf rund 250 Streckenabschnitten sind die Lokführer einem Bericht zufolge nur schwer erreichbar.

Frankfurter Allgemeine

Das Zugfunk- und Notrufsystem der Deutschen Bahn hat anscheinend nennenswerte Lücken. Dabei stellen Funklöcher ein Risiko für Reisende dar. Und dieses Risiko ist offenbar größer als bisher bekannt, wie ein aktueller Bericht zeigt: „Die Verfügbarkeit des Zugfunknetzes ist nach Auskunft der DB Netz AG auf etwa 250 Abschnitten eingeschränkt“, heißt es nach Informationen der Süddeutschen Zeitung in einer aktuellen Antwort des Bundesverkehrsministeriums an den Bundestag. „Störungen können z.B. durch Frequenzüberlagerung der örtlichen öffentlichen Mobilfunksender verursacht werden“. Selbst einzelne größere Bahnhöfe sollen von den Funklöchern betroffen sein.

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Pottwale: Kopf als Rammbock

Pottwale besitzen einen auffällig großen, massigen Kopf. © Gabriel Barathieu/ CC-by-sa 3.0
Stoßfeste Doppelfunktion: Der ölgefüllte Vorderkopf der Pottwale dient nicht nur als Sonar, er fungiert bei den Männchen auch als Rammbock. Wie die Wale diese beiden scheinbar konträren Funktionen – einerseits sensibel, andererseits rabiat – miteinander vereinen, haben nun Forscher herausgefunden. Wie sich zeigt, verhindert eine raffinierte Konstruktion des Kopfinneren, dass bei der Wucht der Stöße Risse und Brüche im Schädel auftreten.“

scinexx

Schon seit dem 19. Jahrhundert gibt es Berichte von Fischern, dass Pottwale ihre Schiffe angegriffen und durch Rammstöße beschädigt oder gar versenkt haben sollen. Auch der Roman „Moby Dick“ von Hermann Melville war von diesen Geschichten inspiriert. Auf den ersten Blick erscheinen sie auch plausibel, denn der Vorderkopf der Walmännchen ist extrem vergrößert und reicht bis zu eineinhalb Metern über ihre Schnauzenspitze hinaus.

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Franz bekräftigt Nein zur Homo-Ehe

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Der Papst präsentiert seine Schlussfolgerungen aus der Familiensynode. Wiederverheirateten kommt er entgegen, gleichgeschlechtliche Ehen lehnt er weiter ab.

Süddeutsche.de

Die Erwartungen an das mehr als 200 Seiten starke Papier sind hoch. „Amoris Laetitia – über die Liebe in der Familie“ heißt der Text, den Papst Franziskus an diesem Freitag im Vatikan vorgestellt hat. Darin: Die Schlussfolgerungen des Pontifex aus zwei Bischofssynoden zu den Themen Ehe und Familie.

Bei der weltweiten Umfrage unter Katholiken, die den Synoden im Jahr 2013 vorangegangen war, waren die strittigen Themen deutlich geworden: Viele Gläubige forderten einen anderen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen, außerdem entspann sich eine Debatte über die Position von Frauen in der Kirche und über die Rolle katholischer Laien insgesamt.

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Dodo Laun und die drei Einfallstore des Bösen

weihbischof-andreas-launAbsichtliche Tötung eines unschuldigen Menschen verlangt nach Strafe! Darin hat sogar der unklug und tollpatschig formulierende US-Präsidentschafts-bewerber Trump Recht.

Von Andreas Laun | kath.net

Eine gute Nachricht: Kardinal Dominik Duka von Prag ist bei dem Pro-Life-Marsch 2016 mitgegangen! Ebenso der emeritierte Mons. František Radkovský (Pilsen). Wirklich eine große Freude. Ein großes Zeichen „na zivot“ (= prolife) der Bischöfe! Vielleicht waren die beiden Bischöfe in Prag motiviert von den slowakischen Bischöfen, die in Bratislava 2015 in großer Zahl „dabei“ waren? Wie auch immer, Kardinal Duka war jedenfalls bei „seinen Leuten“ und hat ein großes Zeichen gesetzt! Dafür kann man ihm und Emeritus František nur danken, und natürlich allen, die organisiert haben und mitgegangen sind!

In den USA, so hört man, gehen fast alle Bischöfe mit! In Europa scheint es endlich anzufangen. Nach meiner Kenntnis sind bisher nur wenige mitgegangen, aber aus persönlicher Erfahrung kann ich nennen: Weihbischof von Budapest Laszlo Biró, Erzbischof Johannes Graupner von Olmütz, Bischof Rudolf Vorderholzer von Regensburg. Aber es ist schön zu sehen, wie die Bischöfe mehr und mehr öffentlich Zeugnis für das Leben ablegen – am besten in ihrem bischöflichen Talar, damit die Menschen sehen, wer mitten unter ihnen ist! In Zukunft werden sicher noch mehr Bischöfe mitgehen, ihnen allen ist jetzt schon zu danken im Namen des Volkes Gottes!

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Türke. Aber trotzdem intelligent.

Türke. Aber trotzdem intelligent. Von Selçuk Cara
„Der Blick über die Welt hinaus ist der einzige, der die Welt versteht.“ Dieses Zitat von Richard Wagner, dessen Partien der Autor singt, gilt auch für das Buch „Türke aber trotzdem intelligent“ von Selcuk Cara.

Von Werner Felten | MiGAZIN

Mancher deutsch-Deutsche würde Caras Titel gern mit einem Fragezeichen versehen, der von der deutschen Mehrheitsgesellschaft zu Minderwertigkeitskomplexen erzogene türkische Deutsche mit einem Ausrufezeichen. Cara setzt sein Satzzeichen nach 196 Seiten, voll von Anekdoten aus seiner Kindheit, Besuchen beim Großvater in der Türkei, Auseinandersetzungen mit Neonazis, Ausbildung als Opernsänger und Filmemacher.

Immer wieder lässt er sein Wissen über die deutsche Geschichte und Kultur aufblitzen und spart dabei nicht mit Zitaten aus dem Schatzkästlein des deutschen Bildungsguts. All das nützt ihm aber nichts bei der Zollkontrolle an deutschen Flughäfen, wo er bei der Vorlage seines türkischen Passes immer wieder die Fragen beantworten soll, ob er auch deutsch sprechen könne.

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Wird der Schah-Paragraf jetzt zum Böhmermann-Paragrafen?

Spott unter der Gürtellinie: Satiriker Jan Böhmermann (Foto: Quelle: ZDF neo)
Gegen den Spaßmacher wird ermittelt, weil er Erdoğan zu nahe trat. Der entsprechende Paragraf kam schon oft zum Einsatz. Eine Rechtsgeschichte der Beleidigung.

Von Heribert Prantl | Süddeutsche.de

Bei Straßen und Plätzen ist es üblich, dass sie mit Namen bedacht werden; sie heißen Adenauer-Allee oder Enzianstraße. Bei Paragrafen ist das eher unüblich. Da wird nicht lang nach Namen gesucht; über Strafparagrafen steht praktischerweise nur das, was dann näher ausgeführt wird. Paragraf 211 heißt „Mord“, der 223 „Körperverletzung“.

Paragraf 103 hat auch eine solche Überschrift. Sie lautet: „Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten“. Aber dieser Paragraf ist nicht nur unter diesem sperrigen Titel, sondern unter der griffigen Bezeichnung „Schah-Paragraf“ bekannt – nach dem Staatsoberhaupt, das sich in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts besonders oft beleidigt fühlte und dann, wie es hier notwendig ist, „ein Strafverlangen“ erhob.

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Disruptive Zeiten bei Künstlicher Intelligenz

Neuere KI-Techniken wie Deep Learning sorgen seit einiger Zeit immer wieder für Aufsehen. Ryan Adams, Informatik-Professor und Gründer eines an Twitter verkauften Start-ups, erklärt, warum es plötzlich so schnell vorangeht.

Von Nanette Byrnes | Technolgy Review

Ryan Adams, Informatik-Professor in Harvard und Co-Moderator des Maschinenlernen-Podcasts Talking Machines, weiß, dass sein Timing perfekt war: Im vergangenen Sommer wurde sein Start-up Whetlab nur 15 Monate nach der Gründung von Twitter gekauft.

Mit der Whetlab-Technologie lassen sich einige der schwierigsten Aspekte beim Aufbau von großen Maschinenlern-Systemen automatisieren. Entwickelt wurde sie zur Unterstützung bei anspruchsvollen Aufgaben wie visueller Objekterkennung oder Sprachverarbeitung. Das Werkzeug wird von einigen Harvard-Forschern bereits eingesetzt, bei Anwendungen von biomedizinischen Robotern bis zu Chemie-Problemen. Auch Netflix nutzte eine frühe Open-Source-Version davon, um mit Deep Learning zu experimentieren.

An der Harvard University hat sich Adams inzwischen beurlauben lassen. Im Interview spricht er über das explodierende Interesse an Maschinenlernen.

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Öffentliche Schulen und Religion: Vom Kruzifix bis zum Händedruck

Ein Bundesgerichtsurteil von 1990 hält fest, dass das Kruzifix gegen die religiöse Neutralität der öffentlichen Schule verstösst. (Bild: imago)
Der von zwei Buben aus religiösen Gründen verweigerte Händedruck hat nicht nur im Kanton Baselland, sondern in der ganzen Schweiz hohe Wellen geschlagen. Auch die oberste Etage der Politik beschäftigte sich mit dem Vorfall. Bundesrätin Simonetta Sommaruga stellte klar: «Dass ein Kind der Lehrperson die Hand nicht gibt, das geht nicht.»

Von Valerie Zaslawski | Neue Zürcher Zeitung

Seit Gründung des Bundesstaates 1848 ist die Schweiz zwar ein säkulares Land. Der Umgang mit religiöser Vielfalt ist aber gerade für öffentliche Schulen nicht immer einfach. Nicht selten kommt es zu Konflikten, die auf Religion zurückzuführen sind.

Der Händedruck ist dabei nur das jüngste Beispiel in einer langen Reihe von Vorfällen, bei denen der Islam oft, aber nicht immer im Fokus stand. Eine Übersicht ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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Totenfund in der rätselhaften „Ebene der Tonkrüge“

2.500 Jahre alte menschliche Überreste, gefunden in der Ebene der Tonkrüge in Laos. © ANU
Lager für die Toten? Archäologen haben erstmals menschliche Überreste in der geheimnisvollen „Ebene der Tonkrüge“ in Laos entdeckt. Zwischen den riesenhaften Steingefäßen stießen sie auf zahlreiche 2.500 Jahre alte Knochen. Diese wurden zum größten Teil erst nach der Verwesung der Toten beerdigt – was darauf hindeuten könnte, dass die mysteriösen Riesenbehälter der Vorbereitung der Toten dienten.

scinexx

Die „Ebene der Tonkrüge“ in Laos gehört zu den Rätseln der Archäologie. Denn in diesem ausgedehnten Gebiet gibt es knapp 90 Orte, an denen riesenhafte Steingefäße in der Landschaft herumstehen. Diese mehr als tausend Gefäße stammen aus der Zeit zwischen 600 vor und 500 nach Christus. Doch wer sie schuf und wozu diese bis zu drei Meter hohen, aus Stein gehauenen Behältnisse dienen, ist bisher unbekannt.

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Buhrufe bei Echo-Verleihung an Frei.Wild

Beim Echo wurden nicht nur Helene Fischer, Sarah Connor und Andreas Bourani gekürt, sondern auch die umstrittene Band Frei.Wild. 2013 war sie noch von der Nominierungsliste gestrichen worden.

DIE WELT

Schlagerstar Helene Fischer (31) ist die große Gewinnerin der 25. Echo-Verleihung. Gleich vier Preise gewann die 31-Jährige am Donnerstagabend bei der Gala in Berlin. Der Rapper Sido, der ebenfalls für vier Echos nominiert war, ging leer aus. Als beste nationale Künstler in der Kategorie Rock/Pop wurden Sarah Connor („Muttersprache“) und Andreas Bourani („Hey“) geehrt.

Fischer siegte mit „Weihnachten“ beim Album des Jahres, einer der Königsdisziplinen des deutschen Musikpreises. Weitere Echos holte sie in den Kategorien Crossover, Live-Act National und Musik-DVD/Blu-Ray. Gleich drei Echos gingen an Joris („Herz über Kopf“): Er siegte als Newcomer National und erhielt zudem den Kritikerpreis und den Radio-Echo.

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„Wir sind Kirche“ hofft auf Ende des Rigorismus in der Sexualethik

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ hofft, dass Papst Franziskus mit seinem für Freitag erwarteten Lehrschreiben neues Vertrauen in die katholische Kirche bei sexualethischen Fragen aufbaut.

Von Wiebke Rannenberg | evangelisch.de

„Der Papst will, dass die Kirche in der Sexualethik ihre Sprachfähigkeit und Glaubwürdigkeit wiedergewinnt“, sagte der Sprecher der Reformkatholiken, Christian Weisner, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in München. Er gehe davon aus, dass Franziskus „den Rigorismus und die Fixierung der katholischen Lehre auf Sexualgebote und Sünde auflösen will“.

Doch darauf dürfe das Papstwort nicht beschränkt werden, sagte Weisner. Er erwarte, dass Franziskus sich auch dazu äußern werde, wie und wo Familie in all ihren unterschiedlichen Modellen gelebt werden kann. Mit Blick auf die großen Nöte für Familien, besonders auch der Flüchtlinge in aller Welt, müsse es vor allem darum gehen, „wie Kinder in Sicherheit und Geborgenheit großgezogen werden können“.

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NSU und Verfassungsschutz: Wann wusste der Verfassungsschutz Bescheid?

Uwe Mundlos (l.) und Beate Zschäpe sollen bei einem V-Mann gearbeitet haben. Foto: dpa
Egal, ob der Verfassungsschutz erst jetzt erfahren hat, dass einer seiner V-Leute Zschäpe und Mundlos in seinem Betrieb beschäftigt hat, oder ob er es schon länger weiß: Akzeptabel ist keine Version.

Von Christian Bommarius | Frankfurter Rundschau

Wenn der Verfassungsschutz alles weiß, aber nichts unternimmt, ist er eine Gefahr. Wenn er nichts weiß und nichts unternimmt, ist er eine Fehlinvestition. Es ist möglich, dass der Bundesverfassungsschutz erst jetzt erfahren hat, dass einer ihrer V-Leute, ein Neonazi in Zwickau, die mutmaßlichen NSU-Mörder Beate Zschäpe und Uwe Mundlos in seinem Betrieb beschäftigt hat, als die ersten der zehn Morde der Terrorgruppe stattgefunden haben. Es ist auch möglich, dass das Bundesamt das schon früher erfahren, aber dem zuständigen sächsischen Landesamt für Verfassungsschutz nicht verraten hat. Ganz gleich, welche Version sich am Ende als die wahrscheinlichste durchsetzen wird – akzeptabel ist keine.

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Sonnensystem: Wie könnte Planet 9 aussehen?

Planet IX, Bild: Credit California Institute of Techonology
Planet IX, Bild: Credit California Institute of Techonology
Die Fahndung läuft: Während weltweit Astronomen fieberhaft nach dem möglichen neunten Planeten unseres Sonnensystems suchen, haben Forscher mehr über dessen Aussehen herausgefunden. Ihren Simulationen nach müsste Planet 9 ein Eisriese sein, der nur wenig kleiner ist als der Neptun. Er könnte zudem 37 Kelvin wärmer sein als seine kosmische Umgebung – und daher im fernen Infrarotbereich sichtbar werden.

scinexx

Im Januar 2016 sorgte die Meldung eines möglichen neunten Planeten im Sonnensystem für eine Sensation. Demnach könnte es weit jenseits des Neptun noch einen weiteren Planeten von etwa der zehnfachen Erdmasse geben. Seine Umlaufbahn ist, sollte er tatsächlich existieren, stark exzentrisch und reicht bis zu 700 astronomische Einheiten weit ins All hinaus

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Islamismus-Kritiker mit Macheten ermordet

Er kritisierte laut und deutlich den radikalen Islamismus in seinem Land. Dafür wurde der Blogger Nazimuddin Samad auf offener Straße ermordet. Es ist nicht der erste Fall dieser Art in Bangladesch.

Von Sophie Mühlmann | DIE WELT

Nazimuddin Samad schrieb, was er dachte. Der Student und engagierte Blogger aus Bangladesch hatte seine Kritik an religiösem Extremismus nie versteckt. „Ich habe keine Religion“ prangte ganz offen unter seinem Facebook-Profil. Das war sein Todesurteil. Gegen 21 Uhr am Mittwochabend hatten drei Unbekannte den 28-Jährigen auf offener Straße in Stücke gehackt.

Samad war auf dem Heimweg von der Jagannath-Universität gewesen, wo er Jura studierte. An einer belebten Kreuzung im alten Teil der Hauptstadt Dhaka hatten sie ihm mit einem Motorrad den Weg abgeschnitten und waren dann mit Macheten auf ihn losgegangen. Zuletzt, um sicher zu gehen, dass er wirklich tot war, hatten sie ihm in den Kopf geschossen. Augenzeugen berichteten später, die Angreifer hätten bei alledem laut „Allahu Akbar!“ (Allah ist groß) skandiert. Die Polizei hat noch keine Verdächtigen, und bisher hat sich auch noch keine bestimmte islamistische Gruppe zu der Tat bekannt. Doch die Blogger, die in Bangladesch gegen den Fanatismus anschreiben, haben viele Feinde.

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Muss man als Humanist auch Pazifist sein?

Friede

Ich war längere Zeit Mitglied in einer Friedensorganisation. Vor kurzem bin ich ausgetreten. Nein, nicht deshalb, weil ich weniger am Frieden interessiert sei, sondern viel eher aufgrund der Vorgehensweise der pazifistischen Bewegung.

Von Dennis Riehle | Richard Dawkins-Foundation

Denn nicht erst seit Margot Käßmann diskutiert Deutschland darüber, wie weit Friedenspolitik gehen kann und darf. Auf einer Isomatte mit den Taliban, das verstörte doch zahlreiche Bürger. Und auch, als sich die Botschafterin der EKD für das Reformationsjubiläum nun in ähnlicher Weise zum Umgang mit den Terroristen des „Islamischen Staates“ äußerte.

Für mich persönlich war es aber nicht Käßmann mit ihren doch eigenwilligen Vorstellungen, die mich daran zweifeln ließ, ob der uneingeschränkte und bedingungslose Pazifismus tatsächlich so realisierbar ist, wie es sich manche Visionäre vorstellen. In der Organisation, der ich angehörte, war das Thema der Waffenexporte zum zentralen Aspekt vieler Kampagnen geworden. Dass Aktionen dabei mit nicht weniger kriegerischen Symbolen betrieben wurden als das Verhalten derjenigen war, gegen die man protestierte, war letztlich unerheblich. Hauptsache Provokation, Antimilitarismus ohne Wenn und Aber. Es waren wieder die Extreme, die man heute an so vielen Stellen als die Geheimrezepte verkaufen will. Und doch sind sie schlussendlich nicht nur populistisch, sondern vor allem kaum praxistauglich. Denn sie schaffen wiederum neue Feindbilder – eigentlich das, was überhaupt nicht im Sinne derer sein darf, die sich für einen nachhaltigen Frieden einsetzen wollen.

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NSU-Prozess: Uwe Mundlos soll für V-Mann gearbeitet haben

Hat Uwe Mundlos für einen V-Mann des Verfassungsschutzes gearbeitet? (Foto: dpa)
Unter falschem Namen hat der NSU-Täter angeblich als Bauleiter bei einer Abrissfirma gejobbt. Doch an der Geschichte gibt es Zweifel.

Von Annette Ramelsberger | Süddeutsche.de

Die mutmaßlichen NSU-Terroristen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt lebten 13 Jahre im Untergrund – bis sie und ihre Terrorzelle NSU im November 2011 aufflogen. Das ist bekannt. Was sich jedoch so abgeschottet und geheimnisvoll anhört, stellt sich immer mehr als halböffentliche Veranstaltung dar: Nicht nur, dass eine ganze Reihe von Neonazis aus Chemnitz und Jena den dreien bei ihrer Flucht vor der Polizei geholfen haben und dies auch dem Verfassungsschutz durch mehrere Quellen bekannt wurde. Nun soll der NSU-Täter Uwe Mundlos möglicherweise sogar in der Firma eines V-Manns des Bundesverfassungsschutzes gearbeitet haben.

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Bingen: Hakenkreuze nach Brandanschlag auf Flüchtlingsunterkunft entdeckt

Hakenkreuze auf dem Kellereingang eines von Zuwanderern bewohnten Hauses: Bei dem Brand im Untergeschoss wurden mehrere Menschen verletzt © Frank Rumpenhorst/DPA
Der Brandanschlag auf einen von Flüchtlingen, Deutschen und Saisonarbeitern bewohnten Gasthof, hat offenbar einen fremdenfeindlichen Hintergrund. Am Tatort finden sich Hakenkreuz-Schmierereien.

stern.de

Beim Brand in einem auch von Flüchtlingen bewohnten Gasthof im rheinland-pfälzischen Bingen sind mehrere Menschen verletzt worden. Vier Bewohner und zwei Feuerwehrleute erlitten leichte Rauchvergiftungen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in Mainz mit. Am Gebäude seien drei vermutlich frisch aufgemalte Hakenkreuze entdeckt worden. Die Brandursache war zunächst noch unklar. Bei einem Feuer im bayerischen Neutraubling wurden ebenfalls neun Flüchtlinge verletzt.

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Mit Wikipedia gegen den Kapitalismus

Paul Mason, geboren 1960, ist ein englischer Fernsehjournalist. Am 11. April erscheint im Suhrkamp Verlag sein Buch „Postkapitalismus“. (Foto: imago/El Mundo)
Der Journalist Paul Mason ruft den „Postkapitalismus“ aus und feiert das Internet. Kann die Linke mit digitalen Mitteln wiederauferstehen?

Von Jens Bisky | Süddeutsche.de

Selbstverständlich wird der Kapitalismus eines Tages nicht mehr sein. Ob man sich dann wehmütig an ihn erinnern oder kleine Kinder mit ihm erschrecken wird, vermag derzeit keiner zu sagen. Unbekannt auch, wo es zuerst haken wird: bei den individuellen Eigentumsrechten, bei der Koordinierung über Märkte oder doch bei der Akkumulation des Kapitals, das im Streben nach künftigem Gewinn investiert wird. Vielleicht ist es auch mit all dem auf einen Schlag vorbei. Wer weiß? Wissen kann man, dass die Krise, die spätestens 2008 begann, nicht enden will. Der Spätkapitalismus hat nicht mehr nur die guten alten Legitimationsprobleme, vielmehr scheinen seine Eliten von der Aufgabe überfordert, ihn am Laufen zu halten.

Dass die gegenwärtige Krise zugleich der Beginn vom Ende des Kapitalismus ist, Beginn des Übergangs zum Postkapitalismus, das behauptet der Journalist Paul Mason in einem Buch, das auf Deutsch den Untertitel „Grundrisse einer kommenden Ökonomie“ trägt. Im Englischen – „A Guide to Our Future“ – schwingt die Erinnerung an Karl Marx nicht mit, aber im Buch selber spielt sie eine große Rolle. Die Unbefangenheit, mit der Mason Traditionsbestände linker Theorie aktualisiert, hat etwas Sympathisches. Die Zerschlagung der Gewerkschaften unter Margaret Thatcher prägte ihn ebenso wie der Umstand, dass die Linken spätestens seit den Achtzigerjahren keine Geschichte, kein Versprechen mehr anzubieten hatten.

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Migrantenorganisationen warnen vor türkischem „Friedensmarsch“

Ein Bündnis von Migrantenorganisationen protestiert gegen die für Sonntag in mehreren deutschen Großstädten geplanten türkischen Demonstrationen.

evangelisch.de

Die Organisation „Avrupa Yeni Türkler Komitesi“ (AYTK, Europäisches Neues Türken-Komitee) rufe zwar zu einem „Friedensmarsch für die Türkei und die EU“ auf, wolle aber eigentlich für die nationalistisch-islamistische Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan demonstrieren und liberal-demokratische Kräfte einschüchtern, warnte das Bündnis von sieben Organisationen am Donnerstag.

Nationalistische Ziele

Hinter AYTK verberge sich eine der regierenden türkischen AKP-Führung nahestehende, nationalistisch orientierte Organisation, erklärte das Bündnis. An der Mobilisierung zu den Demonstrationen sei neben der AKP-Auslandsorganisation UETD (Union of European Turkish Democrats) auch der deutsche Ableger der türkischen Religionsbehörde Ditib mit Sitz in Köln, beteiligt. Die Ditib dementierte indes vehement eine Beteiligung. Mit den Demonstrationen habe man nichts zu tun, sagte Generalsekretär Bekir Alboga.

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Erbgut im Menschen: Wir sind Neandertalerin

Neues Model eines Neandertalers (Mann und Frau) im Neandertal-Museum, Neandertal, Düsseldorf, Deutschland. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Der moderne Mensch trägt Spuren des Neandertaler-Genoms in sich. Jetzt haben Forscher darin eine klaffende Lücke bemerkt: Es sind nur Gene von Frauen zu finden, keine von Neandertaler-Männern. Warum?

Von Frank Patalong | SpON

Es gibt Gene, die nur von Männern an ihren männlichen Nachwuchs weitergegeben werden können: Es ist das Y-Chromosom, das sich nur in den männlichen Genen findet, das Männlein und Weiblein scheidet. Während Frauen ihre Gene dem Nachwuchs beider Geschlechter spendieren, werden Eigenschaften auf dem Y-Chromosom nur auf der männlichen Linie vererbt.

Bisher hatte niemand bemerkt, dass die Gene des modernen Europäers zwar 2,5 bis vier Prozent Neandertaler-Erbe enthält, aber keinerlei Erbgut aus dem Y-Chromosom. In uns stecken also nur weibliche Neandertaler-Gene.

Was das bedeutet, sei klar, schreibt ein internationales Forscherteam nun im „American Journal of Human Genetics“: Es gab zwar Nachwuchs aus Verbindungen zwischen Neandertalern und modernen Menschen – aber darunter keinerlei Männer.

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