Mit Wikipedia gegen den Kapitalismus


Paul Mason, geboren 1960, ist ein englischer Fernsehjournalist. Am 11. April erscheint im Suhrkamp Verlag sein Buch „Postkapitalismus“. (Foto: imago/El Mundo)
Der Journalist Paul Mason ruft den „Postkapitalismus“ aus und feiert das Internet. Kann die Linke mit digitalen Mitteln wiederauferstehen?

Von Jens Bisky | Süddeutsche.de

Selbstverständlich wird der Kapitalismus eines Tages nicht mehr sein. Ob man sich dann wehmütig an ihn erinnern oder kleine Kinder mit ihm erschrecken wird, vermag derzeit keiner zu sagen. Unbekannt auch, wo es zuerst haken wird: bei den individuellen Eigentumsrechten, bei der Koordinierung über Märkte oder doch bei der Akkumulation des Kapitals, das im Streben nach künftigem Gewinn investiert wird. Vielleicht ist es auch mit all dem auf einen Schlag vorbei. Wer weiß? Wissen kann man, dass die Krise, die spätestens 2008 begann, nicht enden will. Der Spätkapitalismus hat nicht mehr nur die guten alten Legitimationsprobleme, vielmehr scheinen seine Eliten von der Aufgabe überfordert, ihn am Laufen zu halten.

Dass die gegenwärtige Krise zugleich der Beginn vom Ende des Kapitalismus ist, Beginn des Übergangs zum Postkapitalismus, das behauptet der Journalist Paul Mason in einem Buch, das auf Deutsch den Untertitel „Grundrisse einer kommenden Ökonomie“ trägt. Im Englischen – „A Guide to Our Future“ – schwingt die Erinnerung an Karl Marx nicht mit, aber im Buch selber spielt sie eine große Rolle. Die Unbefangenheit, mit der Mason Traditionsbestände linker Theorie aktualisiert, hat etwas Sympathisches. Die Zerschlagung der Gewerkschaften unter Margaret Thatcher prägte ihn ebenso wie der Umstand, dass die Linken spätestens seit den Achtzigerjahren keine Geschichte, kein Versprechen mehr anzubieten hatten.

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