Mit Schweineblut für Deutschland

Rechtsextreme haben ein altes Thema wieder für sich entdeckt: das Schächten. Mit einer obskuren Kampagne wollen sie Fleisch, das koscher und halal ist, aus den Tiefkühltheken verdrängen.

Von Elke Wittich | Jungle World

Betont unauffällig, aber zielstrebig zur Fleischtheke des Supermarkts gehen, dort eine Packung mit Schweinefleisch herausnehmen und sie dann in ein anderes Fach legen – was aussieht wie eine nicht sehr spannende Mutprobe von höchstens Zehnjährigen, nennt sich Halal Challenge und ist eine derzeit unter Rechten ungeheuer beliebte Freizeitbeschäftigung.

Die Idee hinter der Kampagne, die auf Facebook mittlerweile knapp 9 000 Fans hat, ist erschütternd simpel: Zwischen verpacktes Fleisch geschächteter Tiere wird Schweinefleisch platziert. Möglicherweise dachten die Initiatoren – zu den ersten Unterstützern gehörte der »Blog Dittmer«, der unter anderem von Melanie Dittmer, der Macherin von Bogida, betrieben wird –, dass das Halal-Fleisch dadurch kontaminiert werde, oder vielleicht glaubten sie auch nur, Muslime seien nicht in der Lage, die Packungen mit Schweinefleisch einfach wieder zur Seite zu legen. Die Vorfreude war jedenfalls riesengroß, und rasch fanden sich Leute, die Videos und Fotos von sich veröffentlichten, auf denen zu sehen ist, wie sie verstohlen eingeschweißte Grillwürstchen von einem Kühlregal ins andere schaffen.

Selbstverständlich ist die Halal Challenge aber nicht bloß ein verkniffener, unterdurchschnittlich lustiger Streich, um Muslime und Juden zu ärgern. Unter dem Deckmäntelchen des Tierschutzes wurden in Nazigruppen auf Facebook in den vergangenen Monaten immer wieder blutrünstige Bilder und Videos von Schächtungen veröffentlicht. Zu sehen waren meistens amateurhaft wirkende Schlachtungen, die unter freiem Himmel und äußerst unhygienischen Bedingungen stattfanden. In den Begleittexten hieß es – in aller Regel unter Verwendung sehr vieler Ausrufezeichen –, dass Schächtungen Tierquälerei und ein »mittel­alterliches Ritual« respektive »Wahnsinn« seien, der im modernen Europa nichts zu suchen habe. Der Verkauf von Fleisch geschächteter Tiere müsse sofort verboten werden.

weiterlesen

Advertisements

Streitgespräch: Das Kreuz mit der Kirche

Bild: tilly
Bild: tilly
Während der Glaube vielen Menschen Kraft gibt, hadern andere mit den großen Konfessionen und ihrer Lehre. Dem aufgeklärten Menschen könne die Religion keine befriedigenden Antworten bieten, kritisiert die Pullacher Kulturwissenschaftlerin Hannah Stegmayer im Gespräch mit dem Unterschleißheimer Pfarrer Johannes Streitberger

interview Von Irmengard Gnau und Udo Watter | Süddeutsche.de

Können die Kirchen die Menschen heute noch erreichen? Darüber diskutieren Hannah Stegmayer, Kulturamtsleiterin in Pullach, Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin, geboren 1960 in Brannenburg, und Johannes Streitberger, katholischer Priester, Leiter des künftigen Pfarrverbands Unterschleißheim, geboren 1961 in Triftern, gelernter Zahntechniker und Erzieher.

SZ: Herr Streitberger, Sie haben einmal gesagt, wir lebten heute in einer kirchenfeindlichen Gesellschaft. Inwieweit ist sie das und inwiefern ist vielleicht auch die Kirche feindlich eingestellt gegenüber der säkularisierten Gesellschaft?

Johannes Streitberger: Schwierige Frage. Als Priester und Seelsorger erlebe ich tagtäglich kirchenfeindliche Argumente, das sind die Kirchensteuer, die Frauenordination, der Zölibat – im Endeffekt immer die gleichen Dinge. Natürlich gibt es auch positive Rückmeldungen, aber unterm Strich gesehen, glaube ich, dass Religion in Deutschland generell, in der Wertigkeit nicht gerade vorne dran steht. Natürlich, es wäre tragisch, wenn es hier keine spirituellen Menschen gäbe, aber es ist eine zunehmende Minderheit.

SZ: Woran liegt das?

Streitberger: Da gibt es viele Gründe. Zum einen Desinteresse, zum anderen ist auch wenig Substanz da. Wenn vor den Hochfesten Umfragen stattfinden, ist inhaltlich ganz wenig da. Das merke ich auch bei meiner Arbeit an der katholischen Fachakademie für Sozialpädagogik, wo ich angehende Erzieher unterrichte. Da gibt es viele Ungetaufte, Angehörige anderer Religionen oder auch einen, der sich zum Atheisten erklärt, aber nicht definieren kann, was ein Atheist ist. Das ist in Lateinamerika zum Beispiel eine ganz andere Baustelle.

weiterlesen

 

Als die Aufklärung begann

aufklärung_1
Wie eine Zeit nach der Aufklärung sich die Zeit vor der Aufklärung vorstellte: Wanderer am Weltrand in einem populärwissenschaftlichen Werk von 1888.
In einem Doppelband des «Grundrisses der Geschichte der Philosophie» wird die Geistesbewegung der Aufklärung in Mittel-, Nord- und Osteuropa in einem eindrucksvollen Panorama vor Augen geführt.

Von Ulrich Kronauer | Neue Zürcher Zeitung

Im Schwabe-Verlag in Basel erscheint, in solides Leinen gewandet, das philosophiehistorische Standardwerk in deutscher Sprache, der «Grundriss der Geschichte der Philosophie». Es knüpft schon mit dem Titel an die Tradition des im 19. Jahrhundert von Friedrich Ueberweg realisierten Projekts einer Darstellung der gesamten Philosophiegeschichte an. Von dem neuen, von Helmut Holzhey herausgegebenen «Grundriss», der auf vierzig Bände angelegt ist und der damit alle bisherigen Auflagen und Bearbeitungen des «Ueberweg» an Umfang weit übertrifft, ist mehr als ein Viertel erschienen. Der Philosophie des 18. Jahrhunderts ist eine eigene Abteilung gewidmet, die fünf Bände umfasst und inzwischen vollständig vorliegt.

Vernunft und Toleranz

Helmut Holzhey und Vilem Mudroch haben den fünften Band dieser Abteilung herausgegeben, der aus zwei umfangreichen Halbbänden besteht und in dem die Philosophie in Mittel-, Nord- und Osteuropa behandelt wird oder, genauer, in dem noch bis 1806 formell bestehenden Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, in der Schweiz, in Skandinavien, Polen, dem Königreich Ungarn und Russland.

weiterlesen

 

The Boss: Bruce Springsteen sagt aus Protest Konzert ab

Der US-Sänger Bruce Springsteen bei einem Deutschland-Konzert in München im Mai 2013.Foto: Lukas Barth/dpa
Der Rocksänger will damit ein Zeichen gegen ein Gesetz im US-Bundesstaat North Carolina setzen.

Von Sven Lemkemeyer | DER TAGESSPIEGEL

Er galt schon immer als politischer Künstler, untersagte dem späteren republikanischen US-Präsidenten Ronald Reagan 1984 in seinem Wahlkampf seinen weltbekannten Song „Born in the USA“ zu verwenden, unterstützte die Präsidentschaftskampagne von Barack Obama und machte sich stets für Minderheiten stark. Jetzt hat Rocklegende Bruce Springsteen aus Protest gegen ein Gesetz zur Toilettenbenutzung durch Transgender ein Konzert im US-Bundesstaat North Carolina kurzfristig abgesagt. Dieses Gesetz sei der Versuch, die Fortschritte der USA bei den Menschenrechten für alle seine Bürger „wieder rückgängig zu machen“, erklärte der 66-Jährige am Freitagabend (Ortszeit) in einem Statement auf seiner Homepage.

weiterlesen

Erzbischof von Canterbury stammt aus Affäre

Der Erzbischof von Canterbury. / Bild: REUTERS
Justin Welbys Vater war in Wahrheit der Sekretär des ehemaligen britischen Premiers Winston Churchill. Das Ergebnis des DNA-Tests kam völlig überraschend.

Die Presse.com

Der Erzbischof von Canterbury hat bekannt gegeben, dass er der uneheliche Sohn eines Privatsekretärs von Premierminister Winston Churchill ist. In einer ungewöhnlichen Erklärung teilte Justin Welby am Freitag mit, dass er im vergangenen Monat herausgefunden habe, dass sein biologischer Vater nicht wie angenommen Gavin Welby ist, sondern der verstorbene Sir Anthony Montague Browne.

„Dies ist eine völlige Überraschung“, erklärte Welby. Das Oberhaupt der Anglikanischen Kirche bestätigte damit einen Bericht, der am Samstag im „Daily Telegraph“ erschien. Die Zeitung schrieb in dem Artikel, sie habe Hinweise darauf gefunden, dass Welby von Montague Browne und nicht von dem 1977 verstorbenen Whisky-Händler Gavin Welby abstammte. Es habe die Informationen mit dem Erzbischof diskutiert, der daraufhin beschlossen habe, einen DNA-Test zu machen.

weiterlesen

CDU: Keine Mehrheit für Islam-Vertrag in Niedersachsen

Im Mittelpunkt soll die Integration stehen. Gebetsräume an Schulen lehnt die Union ab.

NWZ Online

Im Streit um den geplanten Islam-Vertrag zwischen dem Land Niedersachsen und Muslim-Verbänden warnt CDU-Fraktionschef Björn Thümler (Berne) vor einer überstürzten Unterzeichnung. „Sorgfalt muss vor Eile gehen“, betont Thümler, der noch „erheblichen Nachbesserungsbedarf“ sieht. „Die Bürger verstehen den Vertrag nicht. Eine überwiegende Mehrheit würde sich jetzt dagegen aussprechen“, vermutet der CDU-Politiker, der sich in seiner Kritik bestätigt fühlt.

„Der Islam-Vertrag enthält nur Rechte und keine Pflichten“ für Muslime, kritisiert Thümler. Im Mittelpunkt müsse das Ziel der Integration stehen. „Muslime müssen sich dazu verpflichten“, fordert Thümler auch eine „klare Distanzierung“ zu Islamisten und Salafisten. Ebenso gelte es in Moscheen hinzuschauen, „wo salafistische Tendenzen zu beobachten sind“.

weiterlesen

Österreich enteignet Besitzerin von Hitlers Geburtshaus

© dpa Seit 2011 steht Hitlers Geburtshaus leer. Heute steht zwar ein Gedenkstein davor. Eine Bildungsstätte oder ähnliches gab es hier aber nie.
Jahrelang quälten die Österreicher sich mit dem heruntergekommenen Haus in Braunau. Jetzt ist eine Entscheidung gefallen: Die Besitzerin wird enteignet.

Frankfurter Allgemeine

Die Besitzerin von Adolf Hitlers Geburtshaus im österreichischen Braunau soll nach jahrelangem Streit über dessen Nutzung enteignet werden. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ unter Berufung auf einen Gesetzentwurf aus dem österreichischen Innenministerium, der dem Magazin vorliegt.

Die Behörde will mit diesem Schritt demnach die „Pflege, Förderung oder Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts“ oder ein „bejahendes Gedenken an den Nationalsozialismus“ unterbinden. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte dem „Spiegel“ die Enteignungspläne. Dies sei die einzige Möglichkeit, „eine Nutzung dieses Gebäudes im Sinne einer nationalsozialistischen Wiederbetätigung auszuschließen“.

weiterlesen

Das ganze Ausmaß der Zerstörung von Palmyra

 Ein Foto zeigt den Baaltempel von Palmyra im April 2014 - heute ist das historische Bauwerk nur noch ein Schatten seiner selbst: Von dem Tempel steht nur noch der Torbogen. Die Terrormiliz IS hatte den Baaltempel im August 2015 gesprengt - vorher stand er seit fast 2000 Jahren im Sand der syrischen Wüste. © Joseph Eid/AFP

Ein Foto zeigt den Baaltempel von Palmyra im April 2014 – heute ist das historische Bauwerk nur noch ein Schatten seiner selbst: Von dem Tempel steht nur noch der Torbogen. Die Terrormiliz IS hatte den Baaltempel im August 2015 gesprengt – vorher stand er seit fast 2000 Jahren im Sand der syrischen Wüste.
© Joseph Eid/AFP
Die antike Wüstenstadt Palmyra ist eine der wichtigsten Kulturstätten der Welt – heute liegt sie in Trümmern. Es ist das Ergebnis von zehn Monaten IS-Terrorherrschaft. Die stern-Fotostrecke zeigt Palmyra nach der Befreiung – mit tiefen Narben, die wohl nie ganz verheilen werden.

Galerie – stern.de

 

EKD: Potsdamer Garnisonkirche fördern – Landessynode diskutiert kontrovers

Bild: Potsdam ohne Garnisonskirche/FB
Bild: Potsdam ohne Garnisonskirche/FB

Großer Zuspruch und große Bedenken: Der geplante Wiederaufbau des Turms der Potsdamer Garnisonkirche sorgt auch in der evangelischen Kirche weiter für Debatten. Darlehen in Millionenhöhe stehen in Aussicht. Ob sie beschlossen werden, ist noch offen.

evangelisch.de

Für den Wiederaufbau des Turms der 1945 zerstörten und 1968 abgerissenen Potsdamer Garnisonkirche stehen inzwischen mehr als vier Millionen Euro kirchliche Kredite in Aussicht. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wolle voraussichtlich 1,5 Millionen Euro als Darlehen zur Verfügung stellen, sagte die Vorsitzende des bundesweiten EKD-Kirchenparlaments, Irmgard Schwaetzer, am Freitag in Berlin bei der Frühjahrstagung der Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Die Landessynode will zum Abschluss ihrer Beratungen in Berlin am Samstag in geheimer Abstimmung auch über ein zinsfreies Darlehen der Landeskirche in Höhe von 3,25 Millionen Euro für die Garnisonkirche entscheiden. In dem Antrag der Kirchenleitung an die Synode heißt es unter anderem, die Baukosten für einen nutzbaren Turm lägen bei einem vorläufigen Verzicht auf Turmhaube und Zierelemente statt bei rund 38 nur noch bei rund 26 Millionen Euro. Dafür müssten noch knapp acht Millionen Euro eingeworben werden. Dazu könne die Landeskirche einen Anteil als Darlehen beisteuern.

weiterlesen

Rebecca Harms gegen Volksabstimmungen zu EU-Themen

EU und Ukraine. Karte: TP. Vorlage: Public Domain.
Die Europaparlaments-Fraktionschefin Rebecca Harms pflegt enge Verbindungen zur ukrainischen Euromaidan-Bewegung, die im Februar 2014 in Kiew die Staatsführung stürzte, was zur Abspaltung der Krim und zum Bürgerkrieg im Osten des Landes führte (vgl. Grüne Falken und eurokritische Tauben und Rebecca Harms darf nicht nach Russland). Entsprechend enttäuscht ist sie vom Ausgang des Referendums über das Assoziationsabkommen der EU mit der Ukraine, das im November 2013 Stein des Konfliktanstoßes war.

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte die Politikerin, Volksabstimmungen wie in den Niederlanden gefährdeten die Europäische Union „in ihrem Bestand“ und sie sei dagegen, dass EU-Mitgliedsstaaten über Fragen abstimmen lassen, die ihrer Ansicht nach eine Angelegenheit der EU sind.

Außerdem bezweifelte sie die Aussagekraft der Volksmeinungsäußerung mit dem Argument, auch wenn etwa zwei Drittel der Teilnehmer mit mit „Nein“ stimmten und die Mindestbeteiligung in Höhe von 30 Prozent überschritten wurde, hätten sich auf alle Niederländer umgerechnet nur 18 Prozent gegen das Ukraineabkommen ausgesprochen, während es „alle Regierungen der Mitgliedsstaaten und deren Parlamente unterstützten“.

Zöge man das von Harms herangezogene Argument bei Parlamentswahlen heran, blieben allerdings nicht nur die Regierungen der EU-Mitgliedsländer ohne volksgenehmigte Mehrheiten – im EU-Parlament, an dessen Wahl sich 2014 nur noch 43,09 Prozent der Wahlberechtigten beteiligten, wäre nicht einmal theoretisch eine Mehrheitsbildung möglich. Die EU-tragenden Fraktionen – Christdemokraten, Sozialdemokraten, Grüne und Liberale – hätten nach dieser Rechnung nur eine noch deutlich kleinere Minderheit hinter sich, weil viele Bürger für explizit EU-kritische Parteien wie die britische UKIP oder das italienische M5S stimmten.

weiterlesen

Frauen dürfen erstmals wichtigen Tempel in Indien betreten

Der Hauptschrein von Shani. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Nach einem Hunderte Jahre alten Zutrittsverbot dürfen Frauen jetzt in den für Hindus wichtigen Tempel Shani Shingnapur in Indien gehen. Vorausgegangen waren Proteste der Gruppe Bhumata Ranragini (Kriegerinnen von Mutter Erde), die ein Ende der Diskriminierung forderte.

evangelisch.de

„Das ist ein Sieg für die Gleichberechtigung der Geschlechter“, sagte die Anführerin Trupti Desai am Freitag.

Der Shani-Tempel im westindischen Bundesstaat Maharashtra gehörte zu den wenigen hinduistischen Tempeln in Indien, zu deren innersten Heiligtümern Frauen keinen Zugang hatten. In der vergangenen Woche entschied ein Gericht in Mumbai, diese Praxis verstoße gegen das fundamentale Recht der Frauen, in Tempeln zu beten.

weiterlesen

Was der Christenmord in Lahore über den globalen Dschihad aussagt

Bild: RFD
Wir können nicht so tun, als ob der Extremismus, der den dschihadistischen Terror weltweit antreibt, nichts mit dem Islam zu tun hätte.

Von Maajid Nawaz | Richard Dawkins-Foundation

Am Abend des Ostersonntags tötete ein Selbstmordanschlag mindestens 72 Menschen im dicht gedrängten Gulshan-e-Iqbal-Stadtpark im pakistanischen Lahore und verletzte 300 weitere. Viele der Opfer waren Kinder. Eine Splittergruppe der Taliban namens Jamaat-ul-Ahrar hat die Verantwortung für den Bombenanschlag übernommen, der pakistanische Christen ohne Vorwarnung in den Tod riss. Man geht davon aus, dass die Terrorgruppe auch für einige frühere Angriffe verantwortlich ist, darunter die Enthauptung von 23 paramilitärischen Soldaten am 24. Februar. Ein Sprecher der Gruppe, Ehsanullah Ehsan, sagte, seine Organisation wolle die Botschaft verbreiten, dass Jamaat-ul-Ahrar „in Lahore angekommen“ sei. Er drohte daraufhin mit weiteren Gräueltaten.

Der Anschlag vom 27. März 2016 ist die dritte Geiselnahme Pakistans durch Dschihadisten alleine im Monat März. Alles nur in Pakistan, nur im März. Man muss diese Ereignisse im Zusammenhang mit dem Aufstand des globalen Dschihads verstehen, dem wir ausgesetzt sind: Beispiellos in seinem Ausmaß, vielfältig in seinem Führungspersonal, zersplittert in seiner Strategie und dennoch inspirierend in seiner Hauptbotschaft und populär genug in seiner Anziehungskraft, um Massen in Bewegung setzen zu können.

weiterlesen

Wir haben Türken in Istanbul das Böhmermann-Gedicht vorgelesen

Screenshot: youtube
Screenshot: youtube
Was hältst du von den Zeilen „Sackdoof, feige und verklemmt ist Erdoğan der Präsident“? Mehmet sitzt im Café Kronotrop auf der Holzstufe und schaut einen an, als sei man ein hundefleischfressender Marsmensch.

Von Çiğdem Akyol | VICE.com

Der 21-jährige mit den langen schwarzen Haaren und einem langen Ohrring zieht an seiner Zigarette und kommentiert knapp: „So dummes Zeugs hat nicht einmal Erdoğan verdient.“ Damit ist das Gespräch beendet. Seine Freundin macht sich nicht einmal die Mühe, überhaupt irgendetwas zu sagen.

Seit rund zwei Wochen diskutiert die Bundesrepublik das Verständnis des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan von Meinungsfreiheit und den Unterschied zwischen Satire und Schmähkritik. Angefangen hatte alles mit einem Satire-Beitrag des NDR-Magazins extra 3, der sich kritisch mit Verletzungen der Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei sowie mit dem Vorgehen türkischer Sicherheitskräfte gegen Kurden im Südosten des Landes auseinandergesetzt hatte. Ankara hatte wegen des extra 3-Beitrags, der mit einem in „Erdowie, Erdowo, Erdoğan“ umbenannten Nena-Song unbenannten Song unterlegt wurde, den deutschen Botschafter einbestellt und eine Löschung verlangt. Dies war aber zurückgewiesen worden.

weiterlesen

Die Ehre eines Henkers

Die Illustration zeigt, wie Frantz Schmidt 1584 eine angebliche Ehebrecherin hinrichtet. Repro aus Hermann Knapp „Das Lochgefängnis“
In seinem Tagebuch beschreibt Meister Frantz, wie er im 16. Jahrhundert in Nürnberg fast 400 Menschen hinrichtete. Mit seinen Aufzeichnungen kämpfte der Scharfrichter um die Wiederherstellung seines Rufs.

Von Florian Welle | Süddeutsche.de

Johann Martin Friedrich von Endter wollte seine Mitmenschen aufklären. Um zu zeigen, wie grausam einst Recht gesprochen wurde, schickte sich der Nürnberger Jurist um die Wende zum 19. Jahrhundert an, eine höchst ungewöhnliche Schrift herauszugeben: das Tagebuch des „Meister Frantzen Nachrichter“. Darin hat Frantz Schmidt, der einstige Nürnberger Henker, den man in der Reichsstadt Nachrichter nannte, sein langes Berufsleben geflissentlich dokumentiert. Freilich handelt es sich bei der Schrift nicht um ein Tagebuch im heutigen Sinne: „Ich“ sagt Meister Frantz, der um 1554 in Hof geboren wurde, nur in wenigen Fällen.

Außergewöhnliche 45 Jahre lang übte der Scharfrichter seine Tätigkeit aus: von 1573 bis zu seiner Pensionierung 1618. Dabei beförderte er nach eigener Zählung knapp 400 Menschen vom Leben zum Tode, noch sehr viel mehr Delinquenten peitschte er aus. Als das Tagebuch, in dem jeder Fall „fleißig beschriben, deßgleichen auch zu lesen“ ist, 1801 erschien, weckte es allerdings weniger das Interesse der Justiz. Dafür stürzten sich umso eifriger die Romantiker mit ihrer blumenblaublühenden Fantasie darauf.

weiterlesen

 

Behinderung: „Weggesperrt wird nur in Extremsituationen“

Es gibt diese Fälle, doch sie seien „superselten“: Vom Heimpersonal eingesperrte Kinder mit geistiger Behinderung. Die bayerische Diakonie räumt die Maßnahmen ein, betont aber auch ihren Ausnahmecharakter. Sie sind erlaubt, wenn die Eltern zustimmen.

Frankfurter Allgemeine

Die Wellen in den Medien schlagen hoch, die Öffentlichkeit gibt sich empört. Seit der Bayerische Rundfunk darüber berichtet hat, dass in Heimen im Freistaat geistig behinderte Mädchen und Jungen wiederholt weggesperrt werden, ist das Thema in vieler Munde. Doch bei nüchterner Betrachtung zeigt sich, dass in den allermeisten Fällen gegen das Vorgehen der Mitarbeiter zumindest rechtlich nichts einzuwenden ist.

Die Nutzung sogenannter Time-out-Räume ist erlaubt, sofern die Eltern der Kinder dieser letzten Eskalationsstufe zugestimmt haben. So hat es auch der Bundesgerichtshof entschieden. Betroffen sind den Heimträgern zufolge vor allem Kinder mit Unruhezuständen und aggressiven Tendenzen.

weiterlesen

Stille Rivalität zwischen Erdoğan und Davutoğlu

foto: reuters/umit bektas Offiziell stehen Premier Ahmet Davutoğlu (Mi.) und Präsident Tayyip Erdoğan (re.) Seite an Seite. Hinter den Kulissen jedoch gärt es.
Der EU-Flüchtlingsdeal mit der Türkei missfällt dem Staatschef: „Sie versuchen, unser Volk mit Lügen zu beunruhigen“

Von Markus Bernath | derStandard.at

Das Abkommen funktioniert, freut sich Ahmet Davutoğlu, der türkische Regierungschef. Völlig falsch, sagt Staatschef Tayyip Erdogan. Wenn die EU ihre Zusagen nicht einhält, ist es vorbei mit dem Flüchtlingsabkommen. „Es gab Versprechen, aber bisher ist nichts daraus geworden“, polterte der Präsident in einer Rede vor türkischen Polizisten. „Sie versuchen, unser Volk mit Lügen zu beunruhigen“, sagte er über die Europäer.

Das Abkommen zwischen der EU und der Türkei vom vergangenen März über die Rücknahme illegaler Migranten von den griechischen Inseln gilt als das vielleicht politisch bedeutendste Projekt der Europäer mit Ankara seit dem Beginn der Beitrittsverhandlungen vor mehr als zehn Jahren. Es könnte ein „game changer“ sein, ein Ereignis, das die Spielregeln mit dem bisher schwierigen Partner im Südosten ändert. Eben deshalb zeigt sich nun am Flüchtlingsabkommen die Rivalität zwischen Erdoğan und Davutoğlu, zwischen dem alles bestimmenden Präsidenten und dem Premier, seinem früheren Außenminister, den er nach der Wahl ins höchste Staatsamt als Statthalter aussuchte.

weiterlesen

EU droht USA und Kanada mit Visumpflicht

Bild: http://www.access.de
Dass beide Staaten Bürgern bestimmter östlicher EU-Länder noch immer Visa vorschrieben, sei inakzeptabel, so die EU-Kommission. Die Pflicht solle bis 12. April fallen – sonst gebe es Gegenmaßnahmen.

Die Presse.com

Die EU-Kommission droht den Vereinigten Staaten und Kanada mit Visumpflicht, sollten diese nicht auch allen EU-Bürgern eine visafreie Einreise erlauben. Wenn bis 12. April, also kommenden Dienstag, nicht volle gegenseitige Visumfreiheit herrsche, sei die Kommission verpflichtet, eine auf zwölf Monate befristete Suspendierung der Visumfreiheit für solche Drittstaaten (gemeint sind die USA und Kanada) vorzuschlagen, sagte eine Kommissionssprecherin am Freitag in Brüssel.

weiterlesen

Haftstrafe für Peter Fitzek: Der Mann, der sich „König von Deutschland“ nennen lässt

Peter Fitzek bei einem seiner zahlreichen Gerichtstermine: Der „König von Deutschland“ inszeniert sich nur zu gerne © Peter Endig/DPA
Peter Fitzek ist gelernter Koch, ehemaliger Videothekenbesitzer und Karatelehrer. Seine wahre Berufung fand der 50-Jährige allerdings erst spät: Oberster Souverän des Königreichs Deutschland – will er sein.

Von Finn Rütten |stern.de

Peter Fitzek muss ins Gefängnis – zumindest wenn es nach dem Amtsgericht Dessau-Roßlau geht. Dieses verurteilte den notorisch unbelehrbaren Verkehrssünder zu 15 Monaten Haft. Fitzek legte Berufung ein, fühlt er sich doch ohnehin zu Unrecht angeklagt. Das Gericht wirft ihm Fahren ohne Führerschein in mehreren Fällen vor -zwei weitere noch nicht rechtskräftige Verurteilungen in gleicher Sache hatte er bereits gesammelt. Doch Fitzek gab schon mehrfach zu Protokoll: alles Mumpitz. Schließlich habe er ja einen Führerschein, nur eben keinen der Bundesrepublik Deutschland, die er obendrein nicht anerkennt. Vielmehr besitze er einen des „Königreich Deutschland“, dessen Souverän er sei. Die von ihm selbstgebauten Dokumente aber will die BRD nicht anerkennen.

weiterlesen

Deutsche Bischöfe würdigen „realistischen Blick“ des Papstes

Papst Franziskus (Bild: AP)
Papst Franziskus (Bild: AP)
Meist positive Reaktionen ruft das päpstliche Schreiben zur Familie bei deutschen Katholiken hervor. Dessen Botschaft: Keine Vorgaben zu Geschiedenen und Homosexuellen, aber die Aufforderung, ausnahmslos alle Gläubigen in die Kirche zu integrieren

evangelisch.de

In seinem nachsynodalen Schreiben „Amoris laetitia“ (Die Freude der Liebe) hat Papst Franziskus konkrete Vorgaben für eine Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion vermieden. Er fordert die katholische Kirche aber zu mehr Realismus im Umgang mit Familien auf. In dem am Freitag im Vatikan veröffentlichten Schreiben wendet er sich gegen eine „kalte Schreibtisch-Moral“ und warnt davor, „nur moralische Gesetze anzuwenden, als seien es Felsblöcke, die man auf das Leben von Menschen wirft“. Generell müsse den Gläubigen mehr Raum für Gewissensentscheidungen gegeben werden.

Homosexuelle Lebensweisen anerkennen

Mit Blick auf Homosexuelle fordert der Papst die Katholiken in dem 188 Seiten langen Schreiben dazu auf, solche Lebensweisen anzuerkennen, die den Partnern Stabilität und Halt geben. Die Kirche müsse ihnen eine „respektvolle Begleitung“ gewährleisten. Eine Gleichstellung mit der Ehe schloss er jedoch aus.

weiterlesen

Astronomers Discover the Biggest Structure in the Known Universe

Image: antifan real/FUTURISM
As if staring up at the night sky didn’t make us feel small already, astronomers have recently announced the discovery of the BOSS Great Wall, a group of superclusters that span roughly 1 billion light-years across and represents the largest structure ever found in space.

FUTURISM

The BOSS Great Wall, which sounds aptly named for its size but actually stands for the Baryon Oscillation Spectroscopic Survey, is a string of superclusters connected by gases lying roughly 4.5 to 6.5 billion light-years away from Earth. Thanks to gravity, these superclusters stay connected and swirl together through the void of space.

read more