Kirche schließt Friedhof wegen Wachsleichen

Bild: Meidenportal Univie.ac.at
Künftig können nur noch Urnen auf dem Friedhof bestattet werden. Das Problem gibt es immer wieder und seit Jahrhunderten.

Hamburger Abendblatt

Die evangelische Kirchengemeinde in Friesoythe bei Cloppenburg hat ihren Friedhof für Erdbestattungen geschlossen, weil die Leichen aufgrund des hohen Grundwasserspiegels nicht richtig verwesen können. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber wir wollen bei dem Problem auch nicht wegschauen“, sagte Pastorin Nicole Ochs-Schultz am Montag dem Evangelischen Pressedienst.

Künftig seien auf dem Friedhof mit mehr als 700 Gräbern nur noch Urnenbeisetzungen möglich. Nur in besonderen Ausnahmefällen sei in Familiengräbern eine Sargbestattung mit einem sogenannten Grabhöhlensystem möglich, sagte die Pastorin. Alternativ könnten die Toten auf dem katholischen Friedhof bestattet werden.

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„Panama Papers“: Hirn aus, Empörung an

Das erste Opfer von Panama-Leaks: Islands Ministerpräsident Sigmundur Davið Gunnlaugsson. picture alliance
Kaum wurden die „Panama Papers“ veröffentlicht, wurden sie instrumentalisiert. Ideologen fühlen sich in ihrer Weltanschauung bestätigt. Bei der Empörung geht es eigentlich um etwas ganz Anderes

Von Alexander Grau | Cicero

Ideologien sind bequem. Sie unterteilen die Welt in gut und böse, in gerecht und ungerecht, in oben und unten. Das erspart das Denken und bestätigt einen darin, den Überblick zu behalten in einer komplexen Welt. Vor allem aber geben Ideologien das gute Gefühl, es schon immer gewusst zu haben und moralisch auf der richtigen Seite zu stehen. Deshalb sind wir für sie so anfällig.

Wie mächtig Ideologien sind, kann man in diesen Tagen studieren: bei der Diskussion um die so genannten „Panama Papers“.

Allein schon der Name: „Panama Papers“. Da gruselt es den Rechtschaffenen gewaltig. Das klingt geradezu nach dunklen Geschäften, nach unlauteren Machenschaften und schmierigen Betrügereien. Überhaupt: Liegt Panama nicht in Mittelamerika? Vor dem geistigen Auge des durchschnittlichen Nordeuropäers entsteht da umgehend ein düsteres Bild von Korruption und halbseidenen Mafiosi.

Und dann auch noch Begriffe wie „Briefkastenunternehmen“ und „Offshore-Firmen“. Da weiß der normale Giro-Konten-Besitzer, was er davon zu halten hat. Klingt alles ziemlich kriminell.

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„Fundamentalisten gewinnen in der evangelischen Kirche immer mehr Einfluss“

Nicht nur in den USA, sondern auch unter deutschen Protestanten werden wortgläubige Konservative mächtiger, warnt der Wissenschaftsjournalist Martin Urban.

Interview von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Viele Menschen in unserer Gesellschaft haben Angst vor dem Einfluss von Islamisten. Andere warnen vor Evangelikalen in der US-Politik. Der Physiker und Wissenschaftsjournalist Martin Urban warnt in seinem neuen Buch vor einer weiteren, bedenklichen Entwicklung. Es geht um die deutsche evangelische Kirche, die im kommenden Jahr 500 Jahre Reformation feiert.

SZ: Sie sehen einen zunehmenden Fundamentalismus in der evangelischen Kirche in Deutschland. Woher rührt Ihre Sorge?

Martin Urban: Die Fundamentalisten gewinnen innerhalb der evangelischen Kirche immer mehr an Einfluss. Mit Fundamentalisten meine ich jene, die die Bibel wörtlich nehmen und deshalb zum Beispiel die Homosexualität und die Evolutionstheorie ablehnen oder die Prügelstrafe für Kinder für richtig halten.

Die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) und evangelische Theologen haben sich in diesen Fragen doch wiederholt relativ liberal gezeigt.

Es findet ein heimlicher Kampf um die Vorherrschaft statt zwischen den aufgeklärten Liberalen in der EKD und den Fundamentalisten. Die Fundamentalisten schaffen es zunehmend auf hohe Posten wie Bischofsstühle. Neben den traditionell Konservativen wie in Bayern und in Württemberg wurde jüngst in Sachsen erstmals ein bekennender Evangelikaler zum Landesbischof gewählt. Mit Michael Diener, dem Vorsitzenden der Evangelischen Allianz – dem Dachverband der Evangelikalen – sitzt seit letztem Jahr ein Fundamentalist sogar im Rat der EKD. Der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, der ihn dort hin brachte, sagt, er erwarte sich viel von den Evangelikalen.

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Neandertaler: Infiziert mit Krankheiten unserer Vorfahren?

Verhängnisvolle Erreger: Aus Afrika brachte der Homo sapiens Krankheiten mit, die das Immunsystem des Neandertalers nicht kannte. © Nachosan/ CC-by-sa 3.0
Krankmachendes Mitbringsel: Als der Mensch nach Europa und Asien kam, brachte er wahrscheinlich auch schon Erreger von Infektionskrankheiten mit in die neue Heimat – zum Leidwesen seiner Verwandten. Bis dato unbekannte Bakterien wie Helicobacter pylori könnten den Neandertalern zum Verhängnis geworden sein, wie genetische Untersuchungen nahelegen. Womöglich waren die neuen Krankheiten sogar einer der Gründe für ihr Aussterben.

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Das nach geologischen Maßstäben relativ plötzliche Verschwinden der Neandertaler vor rund 35.000 bis 40.000 Jahren gibt Anthropologen bis heute Rätsel auf. Die inzwischen ausgestorbenen Verwandten des modernen Menschen wurden damals nahezu vollkommen durch den aus Afrika einwandernden Homo sapiens verdrängt.

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Hallervorden: „Erdogan, zeig mich an!“

Bild: Hoplaaaa u.a./gemeinfrei
Der Kabarettist macht die Auseinandersetzung mit Böhmermanns Schmähgedicht und der deutsch-türkischen Krise vollends zur Posse

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Dieter Hallervorden will Bundeskanzlerin Merkel die Entscheidung erleichtern. Nachdem sich bereits Springer-Chef Mathias Döpfner mit dem Satiriker Böhmermann solidarisch erklärt hat und die juristischen Folgen mit tragen will, hat sich nun auch Hallervorden mit einem eigenen Lied eingereiht: „Jetzt erst recht!“, meint er.

Das dürfte die Entscheidung, die heute auf oberster Ebene der Bundesregierung getroffen werden soll, zumindest auch atmosphärisch beeinflussen, denn der Streisand-Effekt ist zumindest hierzulande jedem bekannt, auch wenn er Erdogan egal zu sein scheint. Die türkische Regierung hatte gestern ihren Wunsch nach Strafverfolgung wegen Beleidigung des türkischen Präsidenten durch das Schmähgedicht Böhmermanns eingereicht. Nach § 103 StGB kann die Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten bestraft werden, einem Verfahren muss die Bundesregierung aber zustimmen.

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Bundestrojaner scheitert an Whatsapp und Macs

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  • Einem Medienbericht zufolge scheitert der Bundestrojaner an aktuellen Geräten und populärer Software.
  • Zuvor war das Schnüffelprogramm dafür kritisiert worden, zu viel zu können.
  • Ermittler und Kriminalbeamte halten die Software in der aktuellen Form für nahezu unbrauchbar.

Süddeutsche.de

Mit dem Bundestrojaner sollen deutsche Ermittler neuerdings Computer, Tablets und Handys von Verdächtigen überwachen. Doch die Software zur sogenannten Quellen-Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) ist offenbar nicht auf die digitale Realität des Jahres 2016 eingestellt, sondern auf die des Jahres 2009. Damals wurde Whatsapp gegründet, und der Siegeszug der mobilen Messenger begann.

Das Programm funktioniere nur auf Windows, berichtet die Welt. Zudem sei es nicht für Smartphones und Tablets geeignet, die immer mehr Menschen statt eines Desktop-PCs oder Laptops nutzen. Auch für Messenger wie Whatsapp oder Telegram sei das Programm unbrauchbar. Dabei wäre der Einsatz aus Sicht der Ermittler genau bei diesen Diensten sinnvoll, da immer mehr Menschen Chatprogramme mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nutzen. In diesen Fällen bleibt der Zugriff an der Quelle, also auf dem Gerät selbst, die einzige Möglichkeit, Chats mitzulesen. Kürzlich stellte Whatsapp komplett auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung um.

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Einzelgängerischer Jupiter-Cousin entdeckt

2MASS J1119–1137 liegt mit seiner Masse zwischen großem Gasriese und kleinem Braunen Zwerg. © NASA
Planet oder Brauner Zwerg? Astronomen haben in unserer kosmischen Nachbarschaft einen möglichen Gasriesen entdeckt, der aber ganz allein durchs All fliegt. Der Himmelskörper ist vier bis acht Mal massereicher als Jupiter und erst rund zehn Millionen Jahre jung. Es könnte sich daher um den zweithellsten bekannten Einzelgänger-Planeten handeln oder aber um einen jungen Braunen Zwerg.

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Auf den ersten Blick scheint der Unterschied klar: Planeten sind klein, eher kühl und umkreisen einen Stern, Sterne und Braune Zwerge geben dagegen Hitze ab und sind oft Einzelgänger. Doch die Grenze zwischen Planet und Braunem Zwerg ist extrem schwammig, wie Astronomen in den letzten Jahren feststellen mussten. So gibt es eiskalte Braune Zwerge, Zwitter zwischen Planeten und Sternen und Einzelgänger-Planeten, die ohne einen Stern allein durchs All wandern.

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Mehr Freisinn für Republik und Religionen!

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Die Republik irrlichtert gegenüber Religionen, insbesondere dem Islam. Ein klarer liberaler Kurs setzt nicht auf eine „christlich-jüdische Leitkultur“, sondern auf den Kompass eines liberal-republikanischen Ethos. Religionsfreiheit im Rechtsstaat und öffentliche Religionskritik gehören als zivilisatorische Errungenschaft zusammen.

Von Christopher Gohl | The European

Die Angst vor dem Islam erregt die Gemüter derer, die eine angeblich „christlich-jüdische Tradition“ verteidigen. Im Takt eines Kulturkampfes zündeln hitzköpfige Aufwiegler mit Ängsten vor „dem Islam“. Rastlose Groß-Rauner wie Peter Sloterdijk nutzen die Konfusion, um das Land intellektuell nach rechts zu ruckeln. Und die im Bundestag vertretenen Parteien reagieren hilflos. Ihnen fehlt der selbstbewusste Kompass der inneren Liberalität.

Während die Merkel-CDU im Durchhalte-Duktus verkündet, der Islam gehöre zu Deutschland, profiliert sich die zahnlose Seehofer-CSU gegen Merkel mit rechten Parolen statt besseren Argumenten. Der Koalitionskellner SPD sucht noch nach erkennbar sozialdemokratischen Antworten, die Grünen stecken im Reflex des unbedingten Toleranzgebots gegenüber Migranten fest. Und die Linke vermutet hinter dem Islamismus zuverlässig das Werk des neoliberalen Westens selbst. Alle starren sie zusammen mit fasziniertem Ekel auf die AfD. Deren grimmiges Programm der Verteidigung des Abendlandes kanalisiert und kapitalisiert die Ängste vor muslimischen Männern am erfolgreichsten.

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Judenmission: Sollen Christen Juden zu ihrem Glauben bekehren?

Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb
Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb
Sollten Christen im Hinblick auf den Holocaust Juden missionieren dürfen? Auf diese Frage gibt es bisher keine klare Antwort. Das stößt bei Juden auf Kritik. Die evangelische Kirche will bis 2017 eine eindeutige Antwort finden.

Von Wiebke Rannenberg | MiGAZIN

Die Forderung des Präsidenten des Zentralrats der Juden war deutlich: Die Frage, ob Christen Juden zu ihrem Glauben bekehren sollen, werde in der Erklärung „Martin Luther und die Juden“ von der Synode „leider sehr vage“ behandelt, sagte Josef Schuster im November 2015 vor dem höchsten evangelischen Kirchenparlament und verlangte eine „klare Absage“ an die Judenmission. Er sei zuversichtlich, „dass Sie bis 2017 noch nachbessern werden“.

Die Präses der Synode, Irmgard Schwaetzer, kündigte daraufhin an, die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wolle bis zum 500. Reformationsjubiläum 2017 ihre Haltung zur umstrittenen Judenmission klären. Nun sind alle Synodalen für den 16. April zu einem Studientag nach Hannover eingeladen, diskutiert wird hinter verschlossenen Türen. Ob daraus bis zur Synode im November ein konsensfähiger Antrag wird, ist nicht sicher. Denn über die Judenmission wird in der evangelischen und auch der katholischen Kirche schon seit Jahrhunderten diskutiert, nach dem Holocaust wieder aufgenommen auf Kirchentagen der 60er Jahre.

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AfD-Vize Gauland für Zusammenarbeit mit dem Front National

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Gauland.Foto: dpa
Alexander Gauland denkt über eine neue Fraktion im Europaparlament nach. An der soll auch der rechtsextreme Front National aus Frankreich beteiligt sein.
 

DER TAGSSPIEGEL

AfD-Vizechef Alexander Gauland erwägt den Beitritt seiner Partei zu einer neuen Europafraktion unter Beteiligung der rechtsextremen französischen Front National (FN). „Man muss den FN ja nicht lieben“, sagte Gauland der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Aber es kann der Moment kommen, in dem man sagen muss, wir können mit dem FN zusammenwirken, auch wenn wir nicht mit allem einverstanden sind, wofür er steht.“

Er wäre jedenfalls für eine solche Zusammenarbeit, sollte sich in naher Zukunft eine neue Europafraktion aus EU-kritischen Parteien gründen. Angesprochen auf einen AfD-Bundesvorstandsbeschluss vom November 2013, laut dem „Kontakte von Funktionsträgern der AfD zu ausländischen Parteien mit dem Bundesvorstand abzustimmen sind“, sagte Gauland: „Das hat sich weitgehend entkrampft.“

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NSU-Komplex: Polizei ist sich keiner Schuld bewusst

Die drei Affen – nichts gesagt, nichts gehört, nichts gesehen © Creative Tools @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Warum haben Sicherheitsbehörden im NSU-Komplex bisher kaum zur Aufklärung beigetragen? Warum gibt es kaum Änderungen in der Sicherheitsarchitektur? Reaktionen von Polizeivertretern auf Reformbestrebungen zeigen: es mangelt an Fehlerkultur.

Von Ekrem Şenol | MiGAZIN

In seinem Abschlussbericht hat der NSU Untersuchungsausschuss des Bundestages den Sicherheitsbehörden eine lange Serie aus „Fehlern, Versäumnissen, Fehleinschätzungen“ bescheinigt. Als Folge forderte der Ausschuss weitreichende Reformen in der Sicherheitsarchitektur. Der NSU-Komplex sei in seiner Art und Dimension ein derart abschreckendes Beispiel, dass er in der Polizeiausbildung gelehrt werden müsse, um eine „Fehlerkultur“ zu etablieren. Knapp drei Jahre sind seit dem vergangen. Von einer Fehlerkultur ist man nach wie vor weit entfernt.

Zwar versprachen Politiker auf Bundes- und Landesebene umfangreiche Reformen, die Sicherheitsbehörden gelobten Besserung, doch getan hat sich kaum etwas. Nach wie vor sträubt sich die Polizei mit Händen und Füßen gegen jedwede Änderung, wie Reaktionen auf einen Antrag der niedersächsischen Landesregierung zeigen.

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DNA-Baustein im Kometeneis nachgewiesen

UV-Bestrahlung von Kometeneis (links) liefert Ribose – den Zuckerbaustein der DNA. © L. Le Sergeant d’Hendecourt (CNRS)
Kosmische Lebensbringer: Kometen könnten die entscheidenden Bausteine der Erbmoleküle RNA und DNA auf die Erde gebracht haben. Denn wie ein Experiment belegt, entstehen unter sehr kalten Temperaturen, niedrigem Druck und UV-Bestrahlung im Kometeneis die Zucker, aus denen die Erbmoleküle aufgebaut sind: Ribosen. Dieses Ergebnis liefert ein weiteres Indiz dafür, dass Kometen und Meteoriten die ersten Lebensbausteine auf die Erde gebracht haben könnten, so die Forscher im Fachmagazin „Science“.

scinexx

Schon länger gibt es die Vermutung, dass Einschläge von Kometen und Meteoriten Wasser und wichtige Lebensbausteine auf die junge Erde brachten. Indiz dafür ist der Nachweis von DNA-Basen in Meteoritenproben, von Alkohol und anderen organischen Verbindungen im Kometen Lovejoy und nicht zuletzt die Tatsache, dass selbst intakte DNA einen Aufenthalt im Weltraum überstehen kann.

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Wie Mehrsprachigkeit unser Gehirn verändert

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Wer mehrere Sprachen spricht, hat nicht nur bei der Kommunikation Vorteile. Multilinguale Menschen sind sozial kompetenter und ihr Gehirn arbeitet effizienter. Im Alter haben sie zudem einen Vorteil.

Von Fanny Jiménez | DIE WELT

Der Junge zögert einen Moment. Der Erwachsene, der ihm gegenübersitzt, hat ihn gebeten, das kleine Auto vom Tisch zu nehmen – aber welches meint er bloß? Das kleinste der drei Autos, die dort stehen, kann der Erwachsene nämlich gar nicht sehen. Es ist aus seiner Perspektive versteckt hinter einer kleinen Wand.

Der Junge ist vier, und die Entscheidung fällt ihm nicht leicht. Am Ende aber nimmt er das mittelgroße Auto – also jenes, das der Erwachsene ihm gegenüber wohl für das kleine hält.

Was in diesem Experiment der Psychologin Katherine Kinzler von der University of Chicago getestet wird, ist die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Dieser schwierige Perspektivenwechsel, so das gerade veröffentlichte Ergebnis, gelingt manchen Kindern besser als anderen – und zwar jenen, die mehrsprachig aufwachsen.

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Bewusstseinsschärfung statt direkte Problemlösung

Der Physiker und Technikphilosoph Klaus Kornwachs (geb. 1947) lehrte und lehrt an verschiedenen deutschen und internationalen Universitäten und ist heutzutage vor allem publizistisch und als Berater tätig. Bekannte Werke von ihm sind die „Philosophie für Ingenieure“, die „Strukturen technologischen Wissens“ und eine Schrift zur Theorie der Offenen Systeme. 2013 erschien sein Buch „Philosophie der Technik – Eine Einführung“. Er glaubt, dass „vermutlich gar nichts“ passieren würde, „wenn wir durch einen Zufallsgenerator einfach ein Drittel der wissenschaftlichen Publikationen streichen“.

Von Reinhard Jellen | TELEPOLIS

Herr Kornwachs, haben Technik und Wissenschaft Probleme erzeugt, die sie selbst gar nicht mehr lösen können – und kann die Philosophie bei ihrer Lösung helfen?

Klaus Kornwachs: Zunächst einmal geht es um das Verhältnis von Wissenschaft und Technik: Technik hat mit Handeln und Wissenschaft mit Wissen zu tun, aber die Grenzen zwischen Wissenschaft und Technik verschwinden immer mehr.

Nun wurden Probleme geschaffen, die Folgen bestimmter Technologien (also nicht ursprünglich gesellschaftlicher Natur) sind, die aber nachher, wie sich herausstellt, eine erhebliche gesellschaftliche Wirkung besitzen. Diese gesellschaftliche Wirkung kann wiederum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung sein.

Wenn wir nun im Zusammenhang mit der ganzen Umwelt- und Klimaproblematik oder der Veränderung der Strukturen in der Gesellschaft und Arbeitswelt an die Philosophie denken: Natürlich kann die Philosophie einerseits Wissenschaften und die Auswirkungen der Technik analysieren, andererseits ist Philosophie selbst keine Wissenschaft. Wissenschaft, hat Heidegger einmal gesagt, denkt nicht.

Das heißt, die Wissenschaft selbst – denken wir aktuell zum Beispiel an die Theorien zur Nutzung von Big Data – hat nicht ihren Problem-Fokus in den strukturellen und geistigen Veränderungen, die sie bewirkt. Diesen Fragen kann sich wiederum die Philosophie stellen. Sie kann wahrscheinlich nicht direkt zu einer Problemlösung beitragen, aber sie kann die Fragen und das Bewusstsein schärfen und trägt damit mittelbar zur Lösung bei.

Die technologische Entwicklung hat mittlerweile Folgen, welche den Menschen Tausende von Jahren betreffen können. Wie hat sich diese Verselbständigung von Wissenschaft und Technik ergeben?

Klaus Kornwachs: Dass Wissenschaft und Technik sich verselbstständigt hätten, ist selbst schon eine philosophische oder gesellschaftstheoretische These, der ich in dieser Form widersprechen möchte: Haben sich Wissenschaft und Technik tatsächlich verselbstständigt oder haben wir nicht zugelassen, also Institutionen und Regeln geschaffen, dass sie das tun können? Seit dem Aufstieg der wissenschaftlichen Methode bei Galilei hält man etwas fest, analysiert es und gibt sich dadurch Regeln, wie man wissenschaftlich vorgeht.

Dies sind nicht nur methodische Regeln, sondern auch institutionelle Regeln, die dann der Stabilisierung des Wissenschaftssystems dienen. Dies wird zum Teil als Verselbständigung interpretiert. Wenn heute in der Wissenschaft gilt, veröffentliche oder gehe unter, dann wird das als reiner Zwang und Verselbständigung interpretiert – aber dabei wird unterschlagen, dass Menschen dafür verantwortlich sind, dass diese und keine anderen Regeln durchgesetzt worden sind. Regeln und das, was Menschen wollen – all das kann sich wandeln.

Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass ab einem gewissen Punkt sogar eine Sättigung in Sachen Wissenschaft eintreten könnte, denn wirklich ganz neue Erkenntnisse zu gewinnen, wird immer aufwändiger. Was würde denn passieren, wenn wir durch einen Zufallsgenerator einfach ein Drittel der wissenschaftlichen Publikationen streichen würden? Vermutlich gar nichts.

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Evangelische Jugend in Bayern: Keine“Leitkultur“ im Integrationsgesetz

In einem neuen bayerischen Integrationsgesetz soll nicht der Begriff „Leitkultur“ verwendet werden. Das fordert die evangelische Jugend in Bayern in ihrer Stellungnahme zum geplanten Gesetz.

evangelisch.de

Eine Leitkultur sei nicht bestimmbar, unterliege einem ständigen Wandel und sei politisch schwer vermittelbar, heißt es in einem Papier, das an das bayerische Sozialministerium ging. Die Jugend hält es für angemessener, in dem Gesetz auf Grund- und Freiheitsrechte als die Grundlage der Gesellschaft zu verweisen.

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US-Fassung des Korans könnte den Islam entgiften

Koran

Amerika war schon immer der Ort, wo Religionen ihre fanatischen Klauen verloren haben. Jetzt gibt es dort eine Koran-Übersetzung mit moderner Kommentierung – das könnte viele Extremisten zivilisieren.

Von Hannes Stein | DIE WELT

Die älteste Synagoge für Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle steht – wie könnte es anders sein – in San Francisco. Sie wurde 1977 von drei orthodoxen, schwulen Juden gegründet, die beschlossen hatten, ihre Neigung nicht mehr voreinander oder vor der Welt zu verstecken.

Die Synagoge heißt Scha’ar Sahaw, was auf gut Deutsch Golden Gate bedeutet, und wer sich dort am Morgen des Sabbat einfindet, kann einer freundlichen, lesbischen Rabbinerin dabei zuhören, wie sie über das Gebot der Nächstenliebe (3. Mose 19, 18) predigt.

Die Synagoge Scha’ar Sahaw liegt an einer belebten Kreuzung, nämlich dort, wo Dolores Street und die Sechzehnte Straße aufeinandertreffen. Genau gegenüber erblickt der Besucher den Glockenturm von Mission Dolores, dem katholischen Gotteshaus, aus dem heraus San Francisco einst gegründet wurde und gewachsen ist.

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Die Spaghetti-Kirche ist clever!

Hinweisschild der „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters“ mit den Zeiten der sogenannten Nudelmesse in Templin; aufgenommen im November 2014 (picture alliance / dpa)
In Brandenburg gibt es Streit um die „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters“. Dabei verhält diese sich doch clever, meint Arno Orzessek. Denn die Anhänger der Spaghetti-Kirche füllen die Religionsfreiheit mit neuem Leben.

Von Arno Orzessek | Deutschlandradio Kultur

Die Sache ist kompliziert, also interessant – und Gott sei Dank witzig. 2012 hat das Finanzamt Templin der „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters“ be­scheinigt, tat­säch­lich „kirchliche Zwecke“ zu fördern, und darum Steuerfreiheit gewährt.

Die Pastafari der Spaghetti-Kirche sehen sich selbst jedoch gar nicht als Religions-, son­dern als Welt­an­schau­ungs­gemein­schaft. Und richten ihren Überbau am erdverbundenen „Manifest des Evolutionären Humanismus“ aus, das der Philo­soph Mi­chael Schmidt-Salomon verfasst hat.

Das erste der „Zehn Angebote des evolu­tio­nären Hu­manis­mus“ lautet: „Diene weder fremden noch heimischen ‚Göttern‘, sondern dem großen Ideal der Et­hik.“

Allerdings fordern die Pastafari Gleichbehandlung mit Religionsgemeinschaften im Sinne des An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­setzes und wollen in Templin auch künftig per Beschilderung zur „Nu­del­mes­se“ bei Teigwaren und Bier ein­laden.

Was wiederum das bierernste Kulturministerium Brandenburg nicht dul­den will. Die Spaghetti-Kir­che sei eben kei­ne Re­li­gi­onsgemeinschaft – drum weg mit den Schildern, die das christliche Fisch-Symbol mit Nudelbeilage zeigen.

Das Ministerium klammert sich also an die Differenz von Religion und Weltanschauung, die säku­la­re Spa­ghetti-Kir­che setzt dagegen auf gleiches Recht für beide.

Klar, im Zweifel lässt sich die Differenz rasch herbeidefinieren – und zwar so: Jede Re­li­gion un­ter­stellt eine trans­zendente Wirk­lich­keit, Welt­an­schauungen beschränken sich auf innerweltliche Un­ter­stel­lungen.

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Syrer gesteht Brandstiftung in Binger Flüchtlingshotel

Es war kein fremdenfeindlicher Brandanschlag am Donnerstagmorgen in Bingen: Ein in dem Hotel untergebrachter Syrer gestand, das Feuer gelegt zu haben. Die an die Wand gesprühten Hakenkreuze habe er angebracht, um eine falsche Spur zu legen, teilten die Staatsanwaltschaft und das Polizeipräsidium am Sonntag in Mainz mit. Bei dem Brand waren vier Bewohner und zwei Feuerwehrleute leicht verletzt worden.

evangelisch.de

Als Motiv gab der 26-jährige Flüchtling der Polizei zufolge die beengten Wohnverhältnisse in der Unterkunft an sowie die fehlende Zukunftsperspektive. Er habe auf die Situation aufmerksam machen wollen, dabei aber die Dimension des Brandausbruchs unterschätzt, zitierte ihn die Polizei. Das Amtsgericht erließ einen Haftbefehl wegen schwerer Brandstiftung. Der geständige Tatverdächtige wurde in ein Gefängnis eingeliefert.

Anwohner des in Brand gesteckten Hotels in Bingen-Sponsheim hatten Hinweise auf ihn gegeben. Der Syrer habe die Tat zunächst bestritten, dann aber doch gestanden, alleine im Keller den Brand gelegt zu haben. Am Donnerstag waren die Rettungskräfte um kurz nach drei Uhr morgens zu dem brennenden Gebäude gerufen worden. Starke Rauchentwicklung behinderte nach Angaben der Polizei die mehrstündigen Löscharbeiten. Zwei der vier verletzten Bewohner waren in ein Krankenhaus gebracht worden.

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Bistum Fulda Verdacht auf sexuellen Missbrauch: Katholischer Pfarrer suspendiert

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Im hessischen Kalbach ist ein Pfarrer suspendiert worden. Das Bistum Fulda bestätigte einen Medienbericht, dem es zufolge in der Karwoche „zu Handlungen mit Jugendlichen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum“ gekommen sei.

stern.de

Ein katholischer Pfarrer ist im hessischen Kalbach wegen eines Missbrauchsverdachts suspendiert worden. In der Karwoche sei es in der Pfarrei „zu Handlungen mit Jugendlichen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum gekommen“, teilte Gerhard Stanke vom Bistum Fulda in einer schriftlichen Erklärung mit. Der Generalvikar bestätigte damit einen Bericht von „Osthessen News“. Der Pfarrer habe sich bei der Staatsanwaltschaft Fulda selbst angezeigt. Er habe sich krankgemeldet und sei vom Bistum beurlaubt worden. Der 36-Jährige habe seinen Verzicht auf sein Amt in der Gemeinde St. Kilian erklärt.

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What Trump said about punishing women who seek abortions was just part of the GOP’s actual agenda

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In psychological terms, Donald Trump is living proof of the validity of some Freudian theories about certain men’s feelings of inadequacy. In political terms, Trump is the Republican Party’s Id. Mainstream Republicans are panicked by Trump not because of the substance of what he says, but because he uses a bullhorn to broadcast what they’d prefer to dogwhistle. Trump’s recent comment about imprisoning women who have abortions was just the latest example.

By Laurence Lewis | DAILY KOS

Given the strong backlash, it was no surprise that Trump immediately backtracked, ultimately taking five positions in five days. It’s long been clear that Trump neither knows nor cares about most political policies, and is running mostly out of sheer narcissism. His only real convictions seem to be revealed in his endless spew of bigotry.

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