Islam und Emanzipation: Mein Kopftuch, meine freie Entscheidung


Gabriele Boos-Niazy trägt aus freier Entscheidung ein Kopftuch (Deutschlandfunk/ Gabriele Boos-Niazy – privat)
Gabriele Boos-Niazy ist vor rund 30 Jahren zum Islam konvertiert. Lange hat sie damit gerungen, das Kopftuch zu tragen. Jetzt trägt sie es selbstbewusst. Sie engagiert sich im Aktionsbündnisses muslimischer Frauen und sagt: Wir sind emanzipiert, wir müssen nicht dauernd darüber reden – und wir wollen uns nicht von Alice Schwarzer belehren lassen.

Gabriele Boos-Niazy im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Christiane Florin: Sie sind katholisch aufgewachsen und jetzt sitzen Sie vor mir als Muslimin mit Kopftuch.

Gabriele Boos-Niazy: Ja, wenn mir das einer gesagt hätte, hätte ich wahrscheinlich auch gesagt: ‚in echt jetzt, wie kommt das?‘ Die Auseinandersetzung mit Religion, die hat früher angefangen, so mit 15, 16. Bestimmte Dinge in der katholischen Kirche – ich bin auf dem Land aufgewachsen, in der Stadt wäre das vielleicht auch nochmal anders gewesen – bestimmte Dogmen, die habe ich nicht verstanden. Erbsünde, Sakramente, die Taufe, warum ist das notwendig? Im Umfeld habe ich nicht die entsprechenden Antworten gefunden. Ich habe dann, das weiß ich noch, einmal ein Gespräch mit dem Pastor ausgemacht, um mit ihm über die Dreifaltigkeit, über die Trinität zu sprechen, und zu ihm gesagt: ‚Jetzt erklären Sie mir das doch bitte so, dass ich das verstehen kann.‘ Aber ich konnte es nicht verstehen. Am Ende ist es dann immer ein Geheimnis des Glaubens, und das war für mich irgendwie unbefriedigend. Dann hatte ich eigentlich damit abgeschlossen.

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