Medien: „Vom Thema Vertrauen und Glaubwürdigkeit ist nur Gerede übriggeblieben“


Bild: wikimedia.org/CC-2.5/MarkusAngermeier
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Harmlose Leitartikel, Nachrichtensendungen, die auf die Verlautbarungen der Bundesregierungen warten bevor sie berichten, Hausbesuche bei Hasskommentatoren als einzig reflexives Element im deutschen Journalismus: Der ehemalige FAZ-Journalist Stefan Schulz hat sich intensiv mit der Berichterstattung in Deutschland auseinandergesetzt.

Von Marcus Klöckner | TELEPOLIS

Seinen Einblick und seine Einschätzungen in Sachen Journalismus und Medien hat der Soziologe und Publizist im aktuellen Buch „Redaktionsschluss“ zusammengefasst. Mit einem analytischen Blick geht er darin auch der Frage nach, welche Folgen der „digitale Wandel“ für unsererGesellschaft mit sich bringt. Im Interview mit Telepolis legt er unter anderem da, warum vom Thema Vertrauen und Glaubwürdigkeit im Hinblick auf die Medien nichts übriggeblieben ist – „außer Gerede“.

In Ihrem Buch sprechen Sie von einem „Journalismus, der allen Hindernissen und Hürden ausweicht und die Debatte damit aufweicht…“ Was meinen Sie damit?

Stefan Schulz: Journalisten geben sich für gewöhnlich zwei Aufgaben. Sie dokumentieren als Chronisten und sie diskutieren in Debatten. Seit jedoch die Redaktionen schrumpfen und die Glaubwürdigkeitswerte der Medienhäuser noch schneller sinken als die finanziellen Umsätze, nimmt sich der Journalismus von seinen bekannten, angeblich bewährten Formaten gefangen.

Haben Sie Beispiele dafür, wie Journalismus heutzutage Debatten ausweicht und aufweicht?

Stefan Schulz: Ob in der Eurokrise mit Griechenland oder in der Flüchtlingskrise mit der Türkei warten beispielsweise die Nachrichtenredaktionen des ZDF erst auf die Verlautbarung der Bundesregierung, ehe sie dem Zuschauer vermitteln, was – aus deutscher Sicht – vor sich geht. Die Frage, ob das erste Thema der Abendnachrichten auch eins sein darf, das gerade nicht von der Bundesregierung als wichtig bewertet wird, traut man sich in Mainz nicht zu stellen. Zeitungen wie die F.A.Z. kultivieren ihre Seite-1 mit längst bekannter Topmeldung, harmlosem Leitartikel und beliebiger Glosse auf eine Weise, die nur noch den Rentner als scheues Gewohnheitstier im Blick hat.

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