Erdogan saß selbst wegen Gedicht im Gefängnis

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Der türkische Staatspräsident Erdogan wurde 1998 wegen Volksverhetzung zu zehn Monaten Haft verurteilt – ausgerechnet wegen dem Vortrag eines Gedichtes.

Von Yannic Hertel | Frankfurter Rundschau

Jan Böhmermanns Schmähgedicht ist zu einer ausgewachsenen Staatsaffäre geworden, welche die Medienlandschaft beschäftigt und die Bundesregierung vor unangenehme Fragen stellt.

Dabei saß der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, welcher am vergangenen Montag Strafantrag gegen Böhmermann stellte, selbst einmal im Gefängnis – und zwar wegen Volksverhetzung. Im Jahr 1998, Erdogan war gerade in die islamistische „Tugendpartei“ eingetreten, zitierte er bei einer Rede aus einem religiösen Gedicht: „Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ Für diese Aussagen wurde er zu zehn Monaten Haft verurteilt, ebenfalls wurde ein lebenslanges Politikverbot über ihn verhängt.

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Vitamin C und die Mär vom Skorbut

Das Gold der Region: Zitronen aus Sorrent (Jan-Christoph Kitzler)
Skorbut raffte einst zahlreiche Matrosen dahin. Die Seeleute hatten über Monate von Pökelfleisch, Schiffszwieback und Rum gelebt. Der Mangel an Vitamin C habe die Krankheit ausgelöst, hieß es damals. Diese These sei widerlegt worden, sagt Lebensmittelchemiker Udo Pollmer – und er stößt das berühmte Vitamin vom Thron.

Von Udo Pollmer | Deutschlandradio Kultur

Der NDR hat sich des Essens auf Rädern angenommen. Er ließ ein paar Menüs auf Vitamin C untersuchen – und wurde nicht mal beim Gemüse fündig. Weil die Speisen lange warm gehalten werden müssen, geht das empfindliche Vitamin flöten. Letztlich ist der Befund belanglos, denn die Kunden trinken auch mal Saft oder essen Salami. Säfte werden durch Vitamin C-Zusätze haltbar und Wurst bekommt so ihre stabile rote Farbe. Jahr für Jahr werden weit über 100.000 Tonnen Vitamin C verkauft. Da wirkt die Warnung des NDR vor einem drohenden Mangel etwas deplatziert.

Spannender ist die Frage: Wie lebenswichtig ist das lebenswichtige Vitamin wirklich? Die meisten kennen ja das Heldenepos: Einst erkrankten auf den Schiffen reihenweise Matrosen an Skorbut und nicht wenige verstarben daran, weil sie über Monate keinen frischen Salat serviert bekamen, sondern nur Pökelfleisch, Schiffszwieback und Rum. Das änderte sich 1747, als der britische Kapitän James Lind Zitrusfrüchte als Heilmittel empfahl. Prompt sei die Krankheit aus der christlichen Seefahrt verschwunden. Dass die Ursache ein Mangel an Vitamin C war, gilt heute als gesichertes Wissen.

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Great Barrier Reef: Entsetzen über wahres Ausmaß der Korallenbleiche

Foto: AFP Korallenbleiche wird vor allem durch Hitzestress verursacht. Die Temperaturen am größten Korallenriff der Welt sind in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen
Foto: AFP Korallenbleiche wird vor allem durch Hitzestress verursacht. Die Temperaturen am größten Korallenriff der Welt sind in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen
Australien droht eine bislang beispiellose Umweltkatastrophe: Was Forscher jetzt am Great Barrier Reef dokumentiert haben, bezeichnen sie als schlimmste Korallenbleiche der Geschichte.

DIE WELT

Die Korallenbleiche am größten Korallenriff der Welt vor Australiens Nordostküste ist viel dramatischer als bisher angenommen. Forscher haben dort nun die „schlimmste Korallenbleiche der Geschichte“ dokumentiert.

„Wir haben 4000 Kilometer in den unberührtesten Regionen des Great Barrier Reefs überflogen und nur vier Riffe gesehen, die keine Korallenbleiche aufwiesen“, berichtete Meeresbiologe Terry Hughes. Das Ausmaß der Bleiche im nördlichen Teil des größten Korallenriffs der Welt sei gewaltig. „Dies wird das Great Barrier Riff auf immer verändern“, sagte der Forscher von der James-Cook-Universität in Townsville dem australischen Rundfunksender ABC weiter.

Die Wissenschaftler nahmen mehr als 500 einzelne Riffe zwischen Cairns in Nordaustralien und Papua-Neuguinea aus der Luft in Augenschein. Auch die widerstandsfähigsten Korallen seien betroffen gewesen.

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Müllhalde Ozean

Plastikmüll am Roten Meer bei Port Safaga. Bild: Vberger. Public Domain
Auch wenn er fortgespült wird, ist er nicht weg: Kunststoffabfall, der sich massenhaft auf dem Erdball verteilt, wird zur ernsten Gefahr für Mensch und Tier

Von Susanne Aigner | TELEPOLIS

Plastik ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Es findet sich in Kleidung, Kosmetika, in Lebensmitteln, Mineralwasser und im Bier. Nach Schätzungen des Bundesumweltamtes (UBA) landen bis zu 30 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle jährlich in den Ozeanen, allein in Europa sind es bis 5,7 Millionen Tonnen. Der wachsende Müll schädigt zunehmend die Gesundheit der Ökosysteme.

Ob leere Plastikflaschen, alte Fischernetze oder Tüten – zu den tausenden Tonnen Plastik, die täglich vom Festland ins Meer gespült werden, kommen Verpackungen, Besteck und ähnliches, das die Touristen an den Stränden zurücklassen. Auch von Schiffen wird Plastikmüll über Bord geworfen. Glaubt man einer Studie des UBA von 2014, werden jährlich rund 300 Millionen Tonnen Kunststoffe hergestellt. Sechs bis zehn Prozent davon landen nach Gebrauch in den Weltmeeren.

Der Einsatz von Kosmetika spielt bei der Verschmutzung eine bedeutende Rolle. So schätzt das UBA allein in Deutschland die Verwendung von Polyethylen in Kosmetik auf etwa 500 Tonnen Mikroplastik jährlich. Als Pulver oder als Granulat reinigt und glättet es die Hautschicht. Zudem kommt es als Schleif-, Binde- und Füllmittel sowie als Filmbildner vor. Mit dem bloßen Auge kaum erkennbar, finden sich die Partikel in Reinigungscremes und Zahnpasta – vor allem in Form von Polyethylen. Auch in Shampoo- und Badeprodukten verteilen sich die Plastikkügelchen in der Flüssigkeit. Mit dem Abwasser gelangen sie in lokale Kläranlagen und von da aus weitgehend ungefiltert ins Meer.

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Viele Nudeln bei erster Trauung in Spaghettimonster-Kirche

Karen Martyn traute das Brautpaar / Bild: APA/AFP/MARTY MELVILLE
Neuseeland hat als erstes Land der als Kirchenparodie gegründeten Bewegung die Erlaubnis zur Ausstellung von Heiratsurkunden erteilt.

Die Presse.com

Mit viel Witz, Wein und Bier hat die „Kirche des Fliegenden Spaghetti-Monsters“ in Neuseeland erstmals eine amtlich gültige Trauung vollzogen. Marianna Young und Toby Ricketts gaben sich bei strahlendem Sonnenschein auf einem kleinen Schiff in Araroa bei Christchurch am Samstag das Ja-Wort. Neuseeland ist das erste Land, das der als Kirchenparodie gegründeten Bewegung die Erlaubnis zur Ausstellung rechtsgültiger Heiratsurkunden erteilt hatte. Die Spaghettimonster-Kirche legt viel Wert auf Nudeln und Piraten.

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Feindbild Islam? Eine besorgniserregende Entwicklung

Bild: Reuters
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Die religiösen Institutionen in den muslimischen Ländern sind überwiegend dafür verantwortlich, dass der Islam als Religion ein derart negatives Bild in der Öffentlichkeit abgibt.

Von Efgani Dönmez | nachrichten.at

Statt sich auf die Seite der Aufgeklärten zu schlagen, welche sich für Gerechtigkeit, Demokratie und Gleichbehandlung von Mann und Frau einsetzen (eine der Kernaussagen des koranischen Islams), unterstützen diese Engstirnigen im besten Fall durch Nichtstun gerade jene, die diese Werte und Haltungen mit Füßen treten.

Die religiösen Institutionen der Türkei über Saudi-Arabien bis hin zu Ägypten haben Ableger in ganz Europa – auch in Österreich. Statt die Freiheit der Wissenschaft und Lehre sowie das Recht der freien Meinungsäußerung in Österreich dafür zu nutzen, einen innerislamischen progressiven Diskurs in Gang zu setzen, damit den islamistischen Gruppierungen der Wind aus den Segeln genommen wird, wird jegliche Kritik aus diesen Kreisen im Keim erstickt.

Die wenigen aufgeklärten Stimmen werden denunziert, ausgegrenzt und bedroht. Geistige Brandstifter biedern sich als Feuerlöscher an und agieren im Gewand des Multikulti-Botschafters gesponsert mit saudischem Geld für den interreligösen Dialog.

Insbesondere unsere Politiker müssen den Unterschied zwischen Islam als Religion und dem politischen Islam als Urheber der Gewalt erkennen.

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Dodo Thierse: Friedenspotenzial der Religionen nutzen

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Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat dazu aufgerufen, das Friedenspotenzial von Religionen stärker zu nutzen. Derzeit sei es üblich, stets die Gefährlichkeit von Religionen zu betonen, erklärte Thierse am Freitagabend in Berlin. „Das nenne ich Verwechslung von Religion mit Ideologisierung“, so der SPD-Politiker.

katholisch.de

Wer so denke, vergesse, dass nichtreligiöse Ideologien im vergangenen Jahrhundert in Europa viel Gewalt und Terror begründet hätten. Thierse betonte: „Wenn Religion Teil des Problems ist, muss sie auch Teil der Lösung sein“. Er äußerte sich bei einer Veranstaltung zum Thema „Friedensethische Grundsätze und politische Verantwortung im 21. Jahrhundert“, die von der Arbeitsgemeinschaft Christinnen und Christen in der SPD organisiert wurde.

Den Ländern gehe etwas von ihrer kulturellen DNA verloren

Der Leiter des Bereichs Weltkirche und Migration der Deutschen Bischofskonferenz, Ulrich Pöner, verwies auf die zurückgehende Zahl der Christen in den Ländern des Nahen Ostens durch Verfolgung und Flucht. Diesen Ländern gehe damit nicht nur etwas von ihrer kulturellen DNA verloren, so Pöner. Diese Entwicklung habe auch Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen. Zudem könne „der Konsens in unserem Land zwischen Christen, Muslimen, Juden und Atheisten gefährden“, warnte Pöner.

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Pharmakonzerne umgehen Steuern in Milliardenhöhe

Geld und Pillen
Geld und Pillen (CC-by-sa/3.0/en by Ragesoss)
Steuersparen ist, siehe Panama Papers, en vogue. Besonders Big Pharma dreht mit am großen Steuerrad, sehr zum Missfallen der Sozialversicherungen

Von Günther Strobl | derStandard.at

Es ist ein Sturm, der regelmäßig durch die sozialen Netzwerke tost, wenn Taktiken multinationaler Konzerne zur Steuerminimierung ruchbar werden – ein Sturm der Entrüstung. Besonders pikant wird es, wenn Unternehmen involviert sind, die ihre riesigen Gewinne zu einem guten Teil Zahlungen öffentlicher Stellen verdanken. Dazu zählt Big Pharma.

Die Branche profitiert zumindest in Kontinentaleuropa von den Pflichtbeiträgen der Sozialversicherungen und von Steuermitteln. Die Wut auf Unternehmen wie Merck, Eli Lilly, Bristol-Myers-Squibb oder AbbVie steigt nicht nur in Europa. Die Pharmaindustrie steht auch in den USA immer mehr in der Kritik.

Für viele dort gilt Pfizer als Synonym für moralisch fragwürdiges Agieren. Der US-Konzern hat die amerikanischen Behörden wiederholt vor den Kopf gestoßen, zuletzt 2015. Der Pharmariese, der das Potenzmittel Viagra herstellt, gab im November bekannt, mit dem Botox-Produzenten Allergan zu fusionieren. Dass man damit die Steuern mindern und die Butter aufs Brot der Aktionäre, sprich den Shareholder-Value, mehren wollte, hat die Konzernspitze erst gar nicht bestritten.

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IS-Propagandamaterial bei Fahrern des EU-Parlaments entdeckt

Europa

EU-Abgeordnete wurden nach SPIEGEL-Informationen mitunter von Kriminellen durch Brüssel und Straßburg chauffiert. Bei zwei Parlamentsfahrern wurde Propaganda der Terrormiliz IS gefunden.

SpON

Eine neue Sicherheitslücke beunruhigt das Präsidium des Europäischen Parlaments: Bei zwei Mitarbeitern des Fahrdienstes wurden CDs mit Progagandamaterial der Terrormiliz „Islamischen Staat“ (IS) gefunden.

Ein Fall habe sich in Straßburg, der andere in Brüssel ereignet, sagen mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen übereinstimmend dem SPIEGEL. Die beiden Angestellten eines privaten Fahrdienstes wurden entlassen, die Polizei ermittelt.

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Studie: Wer sich sozial engagiert, lebt und stirbt zufriedener

Gute Nachricht für alle, die ehrenamtlich aktiv sind: Wer sich sozial engagiert, lebt und stirbt zufriedener. Das ergab eine Studie der Berliner Humboldt-Universität.

kath.net

Dazu werteten Wissenschaftler des Instituts für Psychologie die Daten von 2.910 verstorbenen Personen aus, die vor ihrem Tod bis zu 27-mal an einer jährlich durchgeführten Befragung teilgenommen hatten. Laut einer Mitteilung der Universität zeigen die Ergebnisse, dass sowohl ein sozial aktives Leben als auch das Verfolgen sozialer Ziele mit einem höheren Wohlbefinden in der letzten Lebensphase in Verbindung stehen. Der Zusammenhang bestehe unabhängig von Faktoren wie dem Gesundheitszustand, Behinderungen, dem sozio-ökonomischen Status und dem Bildungsstand. Einer der Autoren, Prof. Denis Gerstorf, erklärte: „Menschen mit sozialer Orientierung sind daran interessiert, anderen zu helfen, und engagieren sich in sozialen und politischen Initiativen. Offensichtlich ist dies auch und gerade am Ende des Lebens für das eigene Wohlbefinden von Bedeutung.“ Wie Gerstorf auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea mitteilte, wurde bei der Untersuchung nicht speziell erhoben, ob sich die betreffenden Personen ehrenamtlich in der Kirche betätigten.

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Berliner Kopftuch-Entscheidung: Wie wollen wir in diesem Land miteinander leben?

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Der Kampf um das Kopftuch für fromme muslimische Lehrerinnen ist mit dem Urteil des Berliner Arbeitsgerichts nicht zu Ende. Der Protest der Klägerin zielt ohnehin auf eine grundsätzliche Frage.

Von Regina Mönch | Frankfurter Allgemeine

Es gilt als ausgemacht, dass der Kampf um das Kopftuch für fromme muslimische Lehrerinnen an staatlichen Schulen mit dem Richterspruch vom Donnerstag im Berliner Arbeitsgericht nicht zu Ende ist. Im Vorraum des Gerichtssaales wurde das bereits diskutiert, nachdem die Klage abgewiesen worden war. Im nächsten Schritt geht es nicht nur um eine (wahrscheinliche) Berufung, sondern um das Neutralitätsgesetz an sich. Das hat Berlin gerade erst wieder im Parlament bestätigt, was nicht nur Moscheegemeinden missfällt.

Im vergangenen Sommer ließ sich eine muslimische Bloggerin als Heldin feiern, weil sie einen kurzen medialen Aufreger provozierte, als sie dem Bezirksamt Neukölln unterstellte, man habe sie wegen ihres Kopftuches für ein Referendariat abgelehnt. Nur stimmte das nicht, und es hat einige Tage gedauert, bis das Empörungskarussell gestoppt wurde, weil endlich einmal jemand nachfragte. Man hatte der angehenden Juristin nur bedeutet, sie würde „keine hoheitlichen Aufgaben“ wahrnehmen, der Bürger dürfe sich auch in Neukölln auf staatliche Neutralität verlassen.

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Genugtuung in Ankara

Bild: FB
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Regierungsnahe türkische Medien loben die Entscheidung von Kanzlerin Merkel, den Weg freizumachen für ein Verfahren gegen den Satiriker Jan Böhmermann.

Von Frank Nordhausen | Frankfurter Rundschau

In der Türkei meldeten Onlinemedien die Entscheidung der Bundeskanzlerin als „Breaking News“, eine offizielle Reaktion des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan oder der Regierung in Ankara wurde aber zunächst nicht publiziert. Man darf jedoch annehmen, dass die türkischen Staatslenker die deutsche Entscheidung mit derselben Genugtuung zur Kenntnis nahmen wie regierungsnahe Medien.

Die Beleidigung Erdogans bleibe nicht ungestraft, formulierte etwa die Onlineseite der auflagenstarken Zeitung „Sabah“, in der Erdogans Schwiegersohn Berat Albayrak die Regie führt – als sei bereits ein Urteil ergangen. Das Erdogan-treue Boulevardblatt „Star“ schrieb, die Entscheidung Merkels sei ein „großer Schock“ für Böhmermann.

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Die Erde gerät ins Taumeln

Die blauen Flächen markieren diejenigen Gebiete, bei denen – wegen der Eisschmelze – ein Rückgang der Masse stattfindet. Die roten Gebiete markieren diejenigen Gebiete, bei denen ein Anstieg der Masse stattfindet. Aufgrund dieser Masseverschiebung wandert die eigentlich stabile Lage des geographischen Nordpols. Bild: NASA/JPL-Caltech
Die massive Eisschmelze am Nordpol lässt die Erde buchstäblich wackeln und verschiebt den Nordpol

Von Patrick Spät | TELEPOLIS

Die Nachricht klingt wie aus einem B-Movie: Am Nordpol schmelzen gigantische Eismassen, wodurch die Erde ins Taumeln gerät und sich der Nordpol verschiebt. Die Nachricht stammt allerdings nicht aus Hollywood, sondern aus einer neuen Studie, die im April 2016 in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht wurde.

Seit Beginn der Wetteraufzeichnung (im Jahr 1880) stieg die globale Durchschnittstemperatur um 0,85 Grad Celsius. Selbst dann, wenn wir heute sämtliche Kohlekraftwerke, Autos, Flugzeuge und Containerschiffe der Welt für immer abschalten würden, befinden sich gegenwärtig noch dermaßen viele Treibhausgase in der Atmosphäre, dass die globale Durchschnittstemperatur sich nochmals um 1,5 Grad Celsius erhöhen wird. Gemessen an den derzeitigen Emissionswerten rechnen Wetterexperten jedoch bis zum Jahr 2100 mit einem weiteren Temperaturanstieg zwischen 2,0 und schlimmstenfalls 5,4 Grad Celsius.

Die Auswirkungen sind fatal und nehmen statistisch exponentiell zu: Extreme Wetterlagen treten immer häufiger auf, seien es Orkane, Wirbelstürme, Kälte- und Hitzewellen oder Dürreperioden. Seit 1900 ist der Meeresspiegel um 19 Zentimeter gestiegen. Noch ist die Antarktis flächenmäßig größer als Europa, aber sie schmilzt mit hohem Tempo: Zwischen 1981 und 2016 ist ihre Masse um mehr als 8 Prozent zurückgegangen. Würde die gesamte Eismasse der Antarktis schmelzen, könnte der Meeresspiegel rechnerisch um bis zu 58 Meter steigen.

Noch rasanter nimmt das Eis der nördlichen Arktis ab, hier schmelzen jedes Jahr zwischen 200 und 350 Milliarden Tonnen Eis. (Zum Vergleich: Im Bodensee befinden sich rund 48 Milliarden Tonnen Wasser.) Katastrophal sind dabei auch die unberechenbaren Schneeballeffekte: Durch die globale Schmelze werden große Mengen Methan freigesetzt, die sich in den Permafrostböden befinden und die den Treibhauseffekt exponentiell beschleunigen. Die Nachrichtenbilder ertrinkender Eisbären deuten schon an, was der Erde blüht, wenn die Abgase und damit die Meeresspiegel weiter steigen.

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Auf dem Nachttisch

Bild: DIE KOLUMNISTEN.de
…nannte Kurt Tucholsky eine Rubrik, die er in den 1920er Jahren für die „Weltbühne“ schrieb. Ob nun eine Monographie über John Heartfield, Gedichte von Walter Mehring, Studien über das „Geschlechtsleben in Melanesien“, katholische Moralbroschüren oder wohl im Suff geschriebene deutsch-französische Wörterbücher, den lombardischen Leser interessierte auch das, was sonst wenig öffentliche Beachtung fand, aber sie doch verdient hatte.
Ich lese zwar nie im Liegen, aber auch bei mir sammelt sich Gedrucktes, das ich nicht wegwerfen kann und das es verdient hätte, eine breitere Öffentlichkeit zu finden. Also, Tucho zu Ehren, bauen wir am Nachttisch an…

Von Wolfgang Brosche | DIE KOLUMNISTEN

Kennen Sie „Cleopatra“?

Ich meine nicht die berühmt-berüchtigte ägyptische Königin, sondern den monumentalen Film gleichen Namens, in dem die veilchenäugige Liz Taylor ihre üppigen Formen im ToddAO-Format ausbreiten durfte. Jenen Film, der 1964 als der teuerste aller Zeiten galt – nach heutigen Maßstäben würde er 300 Millionen Dollar kosten – und der deshalb die Produktionsfirma  Twentieth Century Fox fast in den Ruin trieb. Er wurde zu einer Zeit  gedreht, in der es noch keine computergenerierten Bilder gab und nahezu alle Schauplätze in echter Größe nachgebaut, tausende an Komparsen engagiert und ganze Seeschlachten mit richtigen Schiffen nachgestellt wurden. (Nur die überbordenden Stadtansichten Roms wurden von Genies auf Glas gemalt und unsichtbar ins Bild eingefügt – davon erzähle ich vielleicht ein anderes Mal!)

Vor fünfzig Jahren floppte „Cleopatra“, der Film,  an den Kinokassen einerseits weil die Welle der Antikepen, die er krönen sollte, abebbte und anderseits weil es ihm zwar nicht an optischer Pracht fehlte, aber dafür an erzählerischer Konsequenz, deren Mangel die Zuschauer durch geschichtliche und kulturhistorische Kenntnisse ergänzen mußten. Das große Publikum, das straff erzählte Geschichten gewohnt ist, die sich nicht verzetteln, war weder episch ausdauernd noch genügend ästhetisch gebildet, um den Film mit Wonne zu goutieren.

Wenn man heutzutage die über vierstündige integrale Fassung auf DVD anschaut – der Roughcut soll sogar sechs Stunden lang gewesen sein – dann beeindruckt eben nicht die im Film erzählte Geschichte  – auf die das Hollywoodkino sonst den allergrößten Wert legt – sondern es überwältigen die Tableaux, in denen der Film schwelgt. Die Üppigkeit der Diva Liz Taylor findet ihre Entsprechung in der detailstrotzenden Pracht von Sälen, Tempeln und Gemächern, in denen lebende Bilder stattfinden. Im Sinne eines Narrativs  statisch, aber optisch überwältigend.
„Cleopatra“ von Joseph L. Mankiewicz bezieht  seine Kraft nicht so sehr aus den erzählten Intrigen, Machtträumen und den Liebesgeschichten der Königin mit Julius Cäsar und Marcus Antonius, sondern aus einer malerischen Augenlust  des 19. Jahrhunderts. Er setzt noch einmal eine damals eigentlich schon ausgestorbene Tradition des frühen Stummfilms fort.

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15-jährige Messerstecherin unter Terrorverdacht

Bild: Reuters
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Ende Februar stach eine 15-Jährige in Hannover mit einem Messer auf einen Polizisten ein und verletzte ihn schwer. Nun erwirkt die Bundesanwaltschaft einen neuen Haftbefehl gegen das Mädchen.

DIE WELT

Im Fall des Messerangriffs einer 15-jährigen Deutsch-Marokkanerin auf einen Bundespolizisten in Hannover erhärten sich die Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen und einen neuen Haftbefehl gegen das Mädchen erwirkt, wie am Freitag mitgeteilt wurde.

Die Beschuldigte sei dringend verdächtig, den Mann bei einer Kontrolle am Hauptbahnhof mit einem Gemüsemesser lebensgefährlich verletzt zu haben, weil sie ihn als Repräsentanten der ihr verhassten Bundesrepublik töten wollte. Das Mädchen habe zuvor Kontakt zu Kämpfern des Islamischen Staats (IS) in Syrien gehabt. Das Mädchen hatte dem 34-Jährigen urplötzlich das Messer in den Hals gerammt.

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Doch nicht so sichere Herkunftsstaaten

Abgelehnte Asylbewerber steigen am Baden-Airport in Rheinmünster (Baden-Württemberg) im Rahmen einer landesweiten…Foto: dpa
Algerien, Marokko, Tunesien als sichere Herkunftsstaaten? Viele Experten und das US-Außenministerium sehen das anders. Das sollte der Bundesregierung noch einmal zu denken geben. Ein Kommentar.

Von Stephan-Andreas Casdorff | DER TAGESSPIEGEL

Algerien, Marokko, Tunesien – sichere Herkunftsstaaten? Für die Bundesregierung ja, weswegen sie alle Flüchtlinge aus diesen Ländern zurückschicken will. Für fast alle anderen Experten bis hin zum US-Außenministerium nein. Da wird von Folterfällen berichtet, von Frauendiskriminierung, Korruption, Misshandlungen in Gefängnissen… Kurz: Menschenrechte werden mit Füßen getreten. Von der Meinungsfreiheit zu schweigen. Ist aber ein Land sicherer Herkunftsstaat, hat das logischerweise Auswirkungen auf die Asylverfahren. Vermutlich zumindest auf das Tempo der vorgeschriebenen individuellen Prüfung des Antrags auf Schutz. Algerien, Marokko, Tunesien – die Anforderungen des Bundesverfassungsgerichts an einen sicheren Herkunftsstaat erfüllen sie nicht. Das sollte der Regierung doch noch einmal zu denken geben.

Das heikle Thema Judenmission

Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb
Synagoge in Berlin. Themenbild Bild: bb

Auf die Frage, ob Christen Juden missionieren sollen, will die evangelische Kirche bis zum Reformationsjubiläum 2017 eine eindeutige Antwort finden. Am 16. April gibt es eine erste Diskussion, dabei wird es auch um einzelne Wörter gehen.

Von Wiebke Rannenberg | evangelisch.de

Die Forderung des Präsidenten des Zentralrats der Juden war deutlich: Die Frage, ob Christen Juden zu ihrem Glauben bekehren sollen, werde in der Erklärung „Martin Luther und die Juden“ von der Synode „leider sehr vage“ behandelt, sagte Josef Schuster im November 2015 vor dem höchsten evangelischen Kirchenparlament und verlangte eine „klare Absage“ an die Judenmission. Er sei zuversichtlich, „dass Sie bis 2017 noch nachbessern werden“.

Die Präses der Synode, Irmgard Schwaetzer, kündigte daraufhin an, die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wolle bis zum 500. Reformationsjubiläum 2017 ihre Haltung zur umstrittenen Judenmission klären. Nun sind alle Synodalen für den 16. April zu einem Studientag nach Hannover eingeladen, diskutiert wird hinter verschlossenen Türen. Ob daraus bis zur Synode im November ein konsensfähiger Antrag wird, ist nicht sicher. Denn über die Judenmission wird in der evangelischen und auch der katholischen Kirche schon seit Jahrhunderten diskutiert, nach dem Holocaust wieder aufgenommen auf Kirchentagen der 60er Jahre.

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Scientists Are Gearing Up for a Fight Over How Much to Limit Global Warming

Christiana Figueres, executive secretary of the UN Framework Convention on Climate Change. Photo: UNclimatechange/Flickr
Christiana Figueres, executive secretary of the UN Framework Convention on Climate Change. Photo: UNclimatechange/Flickr
Speaking in London on Monday, UN climate chief Christiana Figueres confirmed her commitment to limiting global temperature rise to below 1.5°C. To achieve this, she noted that total emissions would have to fall by almost double what would be required to achieve a 2.0°C limit, a goal that some already say is unrealistic.

By Stephen Buranyi | MOTHERBOARD

She called the new target a “moonshot.”

Now, the UN’s Intergovernmental Panel on Climate Change is preparing to study it. On Thursday, the IPCC announced that it will produce a report on keeping global temperature rise below 1.5°C, as requested by governments attending the COP21 conference in Paris in December. There, they agreed to the goal of holding warming “well below 2.0°C” and to “pursue efforts to limit the temperature increase to 1.5°C.” For many countries faced with the threat of drought and sea level rise, the half-degree target is a major victory.

The report will task scientists with determining the exact carbon emission cuts necessary for countries to meet that extremely ambitious goal.

Many scientists have been critical of such aspirational targets, arguing that countries aren’t likely to agree on the needed emission reductions—current emissions targets are already insufficient for even a 2.0°C limit—and the plans rely on the use advanced carbon capture and storage technology to remove existing carbon from the atmosphere.

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‚Hälfte der europäischen Frauen wird Hijab tragen‘

Bild: Reuters
Bild: Reuters
Syrisch-orthodoxer Bischof in der Schweiz warnt Europa: „In 20, 30 Jahren wird es in Europa eine muslimische Mehrheit geben“. Muslime wachsen schnell. Diese würden eines Tages die Macht übernehmen und mit der Verfolgung beginnen

kath.net

„In 20, 30 Jahren wird es in Europa eine muslimische Mehrheit geben. Die Hälfte der europäischen Frauen wird dann einen Hijab tragen.“ Diese düstere Prognose prophezeit Dionysos Isa Gürbüz, der syrisch-orthodoxe Bischof in der Schweiz, in einem Interview mit dem „Tages-Anzeiger“. Zum Schicksal der Christen im Nahen Osten meinte der Bischof dann: „Was heute Tausende von Terrorgruppen von IS, Taliban oder ­al-Qaida anrichten, ist die Verlängerung des Genozids von 1915. Was uns heute widerfährt, hat vor 1300 Jahren begonnen.“ Für sehr naiv sieht der Bischof den Glauben, dass sich die Millionen von Flüchtlingen, die jetzt über die Türkei nach Europa kämen, alle anpassen und mit den Christen in Europa in Frieden zusammenleben ­werden. Unter den Flüchtlingen gebe es Terroristen.

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Watch the Saudi Ambassador to the UN Explain Why Atheists Are Deemed Terrorists in His Country

Image: Friendly Atheist
It was two years ago when Saudi Arabia passed new laws saying atheists were considered enemies of the state, equivalent to violent terrorists. It didn’t make sense then, and it still doesn’t today.

By Hemant Mehta | Friendly Atheist

So when Al Jazeera America’s Mehdi Hasan had a chance to interview Saudi ambassador to the UN Abdallah al-Mouallimi, he attempted to get an answer as to why atheism and other “thought-crimes” were such a problem.

A transcript of the exchange is below.

Spoiler: al-Mouallimi uses the word “subversive” six times. I guess he’s afraid the atheists might start making sense.

HASAN: When you look at the human rights situation in Saudi Arabia, for example, some would say there are some bizarre rulings. Why is advocating atheism in Saudi Arabia now considered to be a terrorist offense? How do you explain that?

AL-MOUALLIMI: Well, because in Saudi Arabia, we are a unique country. We are the birthplace of Islam. We are the country that hosts the two holiest sites for Muslims in Mecca and Medina. We are the country that is based on Islamic principles and so forth. We are a country that is homogeneous in accepting Islam by the entire population. Any calls that challenge Islamic rule or Islamic ideology is considered subversive in Saudi Arabia and would be subversive and could lead to chaos.

HASAN: But terrorism?!

AL-MOUALLIMI: Well…

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