Vitamin C und die Mär vom Skorbut


Das Gold der Region: Zitronen aus Sorrent (Jan-Christoph Kitzler)
Skorbut raffte einst zahlreiche Matrosen dahin. Die Seeleute hatten über Monate von Pökelfleisch, Schiffszwieback und Rum gelebt. Der Mangel an Vitamin C habe die Krankheit ausgelöst, hieß es damals. Diese These sei widerlegt worden, sagt Lebensmittelchemiker Udo Pollmer – und er stößt das berühmte Vitamin vom Thron.

Von Udo Pollmer | Deutschlandradio Kultur

Der NDR hat sich des Essens auf Rädern angenommen. Er ließ ein paar Menüs auf Vitamin C untersuchen – und wurde nicht mal beim Gemüse fündig. Weil die Speisen lange warm gehalten werden müssen, geht das empfindliche Vitamin flöten. Letztlich ist der Befund belanglos, denn die Kunden trinken auch mal Saft oder essen Salami. Säfte werden durch Vitamin C-Zusätze haltbar und Wurst bekommt so ihre stabile rote Farbe. Jahr für Jahr werden weit über 100.000 Tonnen Vitamin C verkauft. Da wirkt die Warnung des NDR vor einem drohenden Mangel etwas deplatziert.

Spannender ist die Frage: Wie lebenswichtig ist das lebenswichtige Vitamin wirklich? Die meisten kennen ja das Heldenepos: Einst erkrankten auf den Schiffen reihenweise Matrosen an Skorbut und nicht wenige verstarben daran, weil sie über Monate keinen frischen Salat serviert bekamen, sondern nur Pökelfleisch, Schiffszwieback und Rum. Das änderte sich 1747, als der britische Kapitän James Lind Zitrusfrüchte als Heilmittel empfahl. Prompt sei die Krankheit aus der christlichen Seefahrt verschwunden. Dass die Ursache ein Mangel an Vitamin C war, gilt heute als gesichertes Wissen.

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