Handbuch zu Genetik und Naturschutz

Der Wildtierökologe Gernot Segelbacher informiert über Möglichkeiten und Grenzen neuer Analysemethoden

Rudolf-Werner Dreier | Universität Freiburg i.Br.

Die Scheu vor dem Einsatz genetischer Methoden im Naturschutz abbauen: Dies ist das Ziel eines neuen Handbuchs, das der Wildtierökologe Prof. Dr. Gernot Segelbacher von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit herausgegeben hat. Zugleich stellen die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dar, welche Möglichkeiten diese Methoden bieten und wo deren Grenzen liegen. Damit richtet sich das Handbuch an Praktikerinnen und Praktiker in Naturschutzorganisationen und Behörden sowie an Entscheidungsträgerinnen und -träger in Politik und Gesellschaft. „Genetische beziehungsweise molekulare Methoden entwickeln sich in den vergangenen Jahren in rasantem Tempo“, sagt Segelbacher. „Sie bieten große Möglichkeiten und wecken Erwartungen, stoßen aber auch auf Unverständnis und führen zu Verunsicherung. Doch gerade im Naturschutz sind genetische Methoden für viele Fragen besonders gut geeignet, für andere ergänzen sie herkömmliche Untersuchungen.“

Bei seiner Forschung an der Universität Freiburg sammelt Segelbacher Daten von Wildtieren wie Auerhühnern, Birkhühnern und Siebenschläfern mit dem Ziel, diese vor dem Aussterben zu retten. Aus Proben von Federn, Kot und Eierschalen kann er im Labor den genetischen Fingerabdruck der einzelnen Individuen erstellen. In seinem Beitrag zum Handbuch zeigt er beispielhaft, wie es möglich ist, die Anzahl von Individuen einer Tierart in einem Gebiet mittels Kotproben zu identifizieren oder den Austausch von Individuen zwischen den Flächen eines Biotopverbundes festzustellen. Derartige Befunde liefern wichtige Informationen für Naturschutz und Raumplanung: Sie geben Aufschluss über die Verbreitung bedrohter Tierarten und zeigen, welche Flächen geschützt werden müssen und wo Korridore und Wildbrücken über Straßen oder Bahnstrecken nötig sind, damit ein genetischer Austausch zwischen mehreren Verbreitungsgebieten stattfinden kann.

Artikel über Gernot Segelbachers Forschung im Magazin uni’wissen:
http://www.pr2.uni-freiburg.de/publikationen/uniwissen/uniwissen-2014-1/#/24

Videointerview mit Gernot Segelbacher auf dem Forschungsportal Surprising Science:
http://www.pr.uni-freiburg.de/pm/surprisingscience/festtage/artenschutz-segelbacher

Originalpublikation:
Holderegger, R./Segelbacher, G. (Hrsg.) (2016): Naturschutzgenetik. Ein Handbuch für die Praxis. Bern.

Kontakt:
Prof. Dr. Gernot Segelbacher
Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-3798
E-Mail: gernot.segelbacher@wildlife.uni-freiburg.de


Religiotie: „Nur Unwissende halten dämonische Kräfte für Märchen“

Bild: Bill Flavell, FB
Bild: Bill Flavell, FB
Ist der Glaube an dämonische Kräfte ein Hirngespinst? Nein, sagt der Kölner Prälat Helmut Moll. Er ist der Beauftragte des Erzbistums Köln für Selig- und Heiligsprechungen, aber auch Experte für Exorzismus und hat vor kurzem Vorträge bei dem „Grundkurs Exorzismus“ in Rom gehalten. Im Interview mit katholisch.de spricht Moll über Missverständnisse, die durch Filme entstehen, und über die spirituellen Quellen für den Exorzismus: die Austreibungen, die Jesus laut den Evangelien vorgenommen hat.

Von Agathe Lukassek | katholisch.de

Frage: Prälat Moll, die meisten Menschen verknüpfen mit dem Wort Exorzismus Bilder aus Horrorfilmen mit verzerrten Gesichtern der „Besessenen“ und brutalen Austreibungen. Wie nahe kommen solche Filme der Realität?

Moll: Die Horrorfilme spiegeln in der Regel subjektive Wunschbilder wider. Mit der Realität des Exorzismus als Befreiungsdienst haben sie wenig zu tun. Dessen liturgische Form ist viel nüchterner, und zudem spiritueller. Denn Jesus Christus ist doch gekommen, „um die Werke des Teufels zu zerstören“, wie es im Ersten Johannesbrief heißt.

Frage: Sie referierten vor kurzem in Rom beim elften wissenschaftlichen Austausch von Exorzismus-Experten über die kirchlichen Kriterien zur Feststellung dämonischer Besessenheit. Welche sind das?

Moll: Das Rituale Romanum von 1999 bestätigt die seit Jahrhunderten durch die Praxis bewährten Kriterien: Vom Teufel besessene Menschen können etwa mit einigen Worten in fremden Sprache sprechen beziehungsweise sie verstehen. Sie können auch weit zurückliegende und geheimnisvolle Ereignisse offenlegen wie der Mann in der Synagoge von Kafarnaum zu Beginn des Markusevangeliums. Außerdem können sie über ihre Natur hinausgehende Kräfte entfalten, wie es der Besessene von Gerasa (Markus 5,1-20) beziehungsweise Gadara (Matthäus 8,28-34) konnte.

Das vierte Kriterium überstrahlt die ersten drei: Solche Personen lehnen vor allem den allmächtigen Gott, den Namen Jesu, die Jungfrau Maria, die Heiligen und die Kirche heftig ab. Das Sprichwort stimmt: Der Teufel fürchtet nichts mehr als das Weihwasser.

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Über Sinn und Unsinn eines Begriffs: Wie tot ist der Faschismus?

Häftlinge im KZ Sachsenhausen (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-78612-0008 / CC-BY-SA)
Häftlinge im KZ Sachsenhausen (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-78612-0008 / CC-BY-SA)
Ob Putin oder Trump, Erdogan oder Orban, Xi oder Abe – in der Auseinandersetzung mit den neoautoritären Tendenzen der Gegenwart fällt regelmässig der Begriff «Faschismus». Was taugt er zur Analyse?

Von Ulrich M. Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Der amerikanische Senator John McCain beschimpft Viktor Orban als «neofaschistischen Diktator», ein Warschauer Korrespondent der ARD nennt die Sprache von Jaroslaw Kaczynski «faschistisch», die «Zeit» titelt: «Donald Trump hetzt wie ein Faschist». Immer wieder taucht der «Faschismus» im öffentlichen Diskurs als Superlativ der Ablehnung auf – auch in Bezug auf den Islamismus und den Putinismus. Allerdings fragt sich, ob solche Vergleiche überhaupt einen Erkenntnisgewinn bringen. Bis heute hat sich nicht einmal die Geschichtswissenschaft auf eine verbindliche Definition des Faschismus einigen können. Umso weniger taugt der «Faschismus» als analytische Kategorie für Gegenwartsphänomene.

Überholte Totalitarismustheorie

Im deutschsprachigen Raum denkt man bei «Faschismus» reflexartig an Hitlers «Machtergreifung» im Jahr 1933 und vergisst dabei vier Dinge: Erstens war Mussolini zu diesem Zeitpunkt bereits seit elf Jahren an der Macht, zweitens etablierten sich im Europa der Zwischenkriegszeit von Portugal bis Estland zahlreiche rechtsautoritäre Regime, drittens ist die Vokabel «Machtergreifung» selbst Bestandteil von Hitlers Rhetorik, weil sich die Nationalsozialisten nicht als Gewinner eines bürgerlich-demokratischen Prozesses, sondern als Revolutionäre verstehen wollten. Viertens ist umstritten, ob der deutsche Nationalsozialismus wegen der Singularität des Holocausts überhaupt zum Phänomen der europäischen «Faschismen» gezählt werden kann.

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Mummenschanz: Grabtuch von Turin und Schweißtuch von Oviedo von derselben Person

Eine spanische Studie hat die beiden Tücher mit forensischen und geometrischen Methoden verglichen. Die Zahl der Übereinstimmungen liegt deutlich über dem erforderlichen Minimum bei gerichtsmedizinischen Untersuchungen.

kath.net

Das Grabtuch von Turin und das Schweißtuch von Oviedo stammen so gut wie sicher vom Leichnam derselben Person. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Dr. Juan Manuel Miñarro von der Universität Sevilla. Die Untersuchung war Teil eines Projektes das vom Centro Español de Sindonologia, dem Spanischen Zentrum für Sindonologie, unterstützt worden ist.
Bei der Untersuchung wurden Methoden der Forensik und der Geometrie angewendet. Das Ergebnis beweise nicht, dass Jesus Christus die Person war, von der die beiden Tücher stammen, man könne aber „unbestreitbar nachweisen“, dass sie vom Leichnam einer Person stammen, sagt Miñarro.

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ALMA spürt Dunkle Galaxie auf

Die von ALMA aufgenommene Gravitationslinse SDP.81 besteht aus einer großen Galaxie im Vordergrund (blau), die das Licht einer fernen Galaxie (rot) verzerrt. © Y. Hezaveh, Stanford Univ.; ALMA (NRAO/ESO/NAOJ); NASA/ESA Hubble Space Telescope
Dunkle Begleiter: Astronomen haben eine Methode entwickelt, mit der sich von Dunkler Materie dominierte Galaxien besser aufspüren lassen als bisher. In Aufnahmen des ALMA-Teleskope entdeckten sie eine Dunkle Galaxie anhand subtiler Verzerrungen am Rand einer Graviationslinse. Dieser Fund könnte helfen zu erklären, warum in vielen Galaxien bisher weit weniger Masse gefunden wurde als den Modellen nach vorhanden sein müsste.

scinexx

Galaxien wie unsere Milchstraße müssten eigentlich deutlich mehr Materie enthalten, als bisher durch Sterne und die umgebenden Zwerggalaxien nachweisbar sind. Schon länger vermutet man daher, dass sich diese fehlende Masse vor allem im Halo der Galaxien als Dunkle Materie versteckt – beispielsweise in Form der sogenannten Dunklen Galaxien – Zwerggalaxien, die nur wenig Sterne, aber umso mehr Dunkle Materie enthalten.

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400 Tote im Mittelmeer befürchtet

Bilder wie diese zeigen sich der italienischen Küstenwache zuletzt wieder häufiger. / Bild: APA/AFP/STR
Ein Boot ist auf dem Weg nach Italien gekentert, heißt es in italienischen Medien. Nur wenige Menschen konnten gerettet werden.

Die Presse.com

Nach einem Bootsunglück im Mittelmeer werden mehr als 400 Menschen vermisst. Die Schutzsuchenden aus Somalia, Äthiopien und Eritrea waren in vier Schlauchbooten von Ägypten in Richtung Italien unterwegs, berichteten italienische Medien unter Berufung auf arabischsprachige Quellen. Nur 29 Menschen konnten demnach gerettet werden.

Nachdem Mazedonien die Grenze zu Griechenland geschlossen hatte, gilt die Route über den Westbalkan für Flüchtlinge als unüberwindbar. Dementprechend weichen viele wieder auf weitaus gefährlichere Bootsstrecke über das Mittelmeer aus.

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Zentralrat der Muslime vergleicht AfD mit Hitlers NSDAP

Aiman_MazyekDie AfD will nach einem Medienbericht in ihrem ersten Parteiprogramm den Islam als unvereinbar mit dem Grundgesetz darstellen. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland vergleicht die rechtskonservative Partei nun mit der NSDAP von Adolf Hitler.

evangelisch.de

Mit der AfD gebe „es zum ersten Mal seit Hitler-Deutschland eine Partei, die erneut eine ganze Religionsgemeinschaft diskreditiert und sie existenziell bedroht“, sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek am Montag auf NDR Info. Die AfD schwimme auf einer Welle der Islamfeindlichkeit. Deshalb sei Aufklärung jetzt das Wichtigste.

Falsch sei es hingegen, den Muslimen immer wieder zu signalisieren, dass sie am Erstarken dieser Partei eine Mitschuld trügen. „Bestimmt gibt es den einen oder anderen Stichwortgeber – auch auf der muslimischen Seite“, räumte Mazyek ein. Aber wenn die Diskussion so geführt werde, „haben wir vielleicht in ein paar Jahren eine Republik, in der ich eigentlich nicht mehr leben will“.

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Steinzeitliche Phallus-Bildnisse: Doch kein Menschenwerk

3D-Scans offenbarten: Die vermeintlichen Fruchtbarkeitsbilder in der Mäanderhöhle sind doch kein Menschenwerk © Andreas Pastoors
Widerlegte Sensation: Die vermeintlich ältesten Belege von steinzeitlichen Höhlenbildern in Deutschland sind doch kein Werk unserer Vorfahren. Stattdessen sind die Ritzungen wohl auf natürliche Weise entstanden, wie Forscher nun berichten. Sie haben die 2005 in der Nähe von Bamberg entdeckten Linien erneut untersucht und stellten fest: An der Entstehung der als Fruchtbarkeitsbilder interpretierten Zeichnungen waren keine menschlichen Werkzeuge beteiligt.

scinexx

Unsere Vorfahren begannen schon vor mehr als 40.000 Jahren damit, einfache Bilder und Symbole an Höhlenwände zu ritzen und zu malen. Wissenschaftler entdeckten die bisher ältesten Höhlengemälde vor einigen Jahren im Norden Spaniens. Zu den frühesten Belegen solcher Zeichnungen in Deutschland gehören nach bisheriger Annahme hingegen weitaus jüngere Kunstwerke: etwa 14.000 bis 16.000 Jahre alte Ritzungen in der Mäanderhöhle bei Bamberg.

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Kirchenvertreter und Politiker diskutieren den Fall Böhmermann

Bild: FB
Bild: FB
Die Schmähkritik des Satirikers Jan Böhmermann hat unter Kirchenvertretern und Politikern vielfältige Diskussionen ausgelöst.

kath.net

Zum Hintergrund: Böhmermann hatte Ende März in seiner ZDF-Sendung „Neo Magazin Royale“ über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gesagt, dass er übel rieche, Mädchen schlage, Sex mit Ziegen habe, Kinderpornos schaue und zudem „schwul, pervers, verlaust und zoophil“ sei. Seine Aussagen leitete er mit der Bemerkung ein, dass das, was er jetzt sagen werde, Schmähkritik sei und somit nicht erlaubt sei. Erdogan forderte daraufhin die Strafverfolgung Böhmermanns auf der Grundlage des Paragrafen 103, der die Beleidigung eines ausländischen Staatschefs härter ahndet als die deutscher Staatsbürger. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erteilte der deutschen Justiz die dafür notwendige Ermächtigung. Laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage für die „Bild am Sonntag“ halten 66 Prozent der Deutschen diese Entscheidung für falsch. 22 Prozent finden sie richtig, zwölf Prozent sind unentschlossen. Das ZDF hat den Beitrag aus seiner Mediathek entfernt.

Käßmann: Erdogan muss das aushalten – Böhmermann sollte sich nicht wegducken

Die EKD-Botschafterin für das 500-jährige Reformationsjubiläum, Margot Käßmann (Berlin), schreibt in der „Bild am Sonntag“, dass das Schmähgedicht keine große Poesie sei: „Aber Personen, die im Licht der Öffentlichkeit stehen, müssen so etwas aushalten heutzutage. Als Christin muss ich aushalten, dass es ziemlich grobe Beschimpfungen von Jesus gibt, Muslime müssen Mohammed-Karikaturen ertragen.“ Käßmann kritisiert Merkels Stellungnahmen: „Ich finde, die Kanzlerin hätte Herrn Erdogan sagen sollen: Wenn du dich beschweren willst, geh halt vor Gericht, aber zur Staatsaffäre taugt das nicht.“ Sie störe auch, dass Böhmermann abgetaucht sei und seine Sendung gestrichen habe. Es sei zwar nicht „schön“, was da an Beschimpfungen und Todeswünschen komme. Käßmann: „Aber sich jetzt wegducken, ist nicht die richtige Antwort. Wer austeilt, muss auch einstecken können.“ Das ZDF sollte den Beitrag wieder ins Internet stellen, bilanziert die EKD-Botschafterin: „Ein beleidigter türkischer Präsident kann doch hierzulande nicht alles auf den Kopf stellen! Wie heißt es in der Bibel: ,Die Wahrheit wird euch frei machen.’“

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Gift im Fisch hemmt Zellwächter

In Fisch können ganze Cocktails aus organischen Schadstoffen enthalten sein © Comstock/ thinkstock
Fisch mit Nebenwirkungen: In Speisefischen enthaltene organische Schadstoffe können eine wichtige Schutzfunktion unseres Körpers blockieren. Wie Forscher herausfanden, hemmen die Umweltgifte das Protein, das normalerweise Zellen gegen solche Chemikalien schützen soll. Besorgniserregend auch: Neun von zehn in Thunfisch gefundenen organischen Schadstoffe zeigen diese Wirkung, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „Science Advances“ berichten.

scinexx

Die Sünden unserer Vergangenheit, aber auch der Gegenwart holen uns ein: Langlebige organische Schadstoffe finden sich nicht nur in unseren Böden und Gewässern, längst haben sie sich auch in Nahrungskette angereichert. Als Folge sind Eisbären, Meeressäuger und Fische bereits stark belastet.

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Intelligent Design – Fundamentalismus oder unbequeme Herausforderung?

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„Trotz der offenkundigen Unterschiede zum Kreationismus wird das Intelligent Design Movement (ID) verdächtigt, genauso antimodern und wissenschaftsfeindlich zu sein.“

Von Berthold Wald | kath.net

Wer einmal dem Fundamentalismus-Vorwurf ausgesetzt ist, kann sich in einer medial gesteuerten Welt der Kommunikation kaum dagegen wehren. Trotz der offenkundigen Unterschiede zum Kreationismus wird das Intelligent Design Movement (ID) verdächtigt, genauso antimodern und wissenschaftsfeindlich zu sein. Die Ächtung kommt dabei gleichermaßen aus Politik, Naturwissenschaft und Theologie. Der Europarat warnt 2007 seine Mitgliedsstaaten und das römische Symposion zum Darwinjahr 2009 schließt medienwirksam jede Teilnahme des ID aus.

Meine These wird sein, dass der Fundamentalismus-Vorwurf dazu benutzt wird, Erklärungsschwächen zu bemänteln und unbequeme Fragen auf Distanz zu halten. Denn es sind nicht biblisch gestützte Glaubenssätze, sondern allein Erkenntnisse aus dem Bereich der Molekularbiologie, mit denen ID-Theoretiker wie Micheal Behe und William Demski gegen die Vollständigkeitsbehauptung naturalistischer Erklärungen argumentieren. ID ist darum sowohl eine unbequeme Herausforderung für den Neo-Darwinismus, wie für jene Theologen, welche den neo-darwinistischen Erklärungsansatz für die wissenschaftlich zugänglichen Fakten der Evolution faktisch anerkennen und lediglich durch eine theologische Perspektive ergänzen (vgl. Hattrup 2008; Kessler 2009; Kummer 2009). Dieser neue Kompatibilismus von Schöpfungslehre und Evolutionstheorie, mit dem manche Theologen glauben, endlich Frieden durch gegenseitige Anerkennung von Geltungsansprüchen erreichen zu können, wird durch die ID-Theorie empfindlich gestört. Die Frage wird sein, ob der erhoffte Friede von Dauer sein kann oder nur ein fauler Friede ist – ohne Aussicht auf Bestand.

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Prozessbeginn gegen Pegida-Chef Lutz Bachmann

Facebook, der weltweit größte soziale Netzwerk im Internet © west.m @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Gut eineinhalb Jahre nach einem mutmaßlich volksverhetzenden Facebook-Post muss „Pegida“-Chef Lutz Bachmann nun vor Gericht. Bei dem Prozess könnte auch sein Vorstrafenregister eine Rolle spielen.

Von Katharina Rögner | MiGAZIN

Er steht noch immer unter Bewährung und von Dienstag an erneut vor Gericht: „Pegida“-Chef Lutz Bachmann muss sich zum wiederholten Mal juristisch verantworten. Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft dem Gründer des fremden- und islamfeindlichen Bündnisses Volksverhetzung vor. Er soll laut Staatsanwaltschaft „in mehreren Kommentaren auf einer öffentlich zugänglichen Facebook-Seite Kriegsflüchtlinge unter anderem als ‚Gelumpe‘, ‚Dreckspack‘ und ‚Viehzeug‘ beschimpft“ haben.

Dabei soll er in Kauf genommen haben, den öffentlichen Frieden zu stören, indem er die Menschenwürde der Flüchtlinge angriff. Er habe sie beschimpft, „böswillig verächtlich gemacht“ und dadurch zum Hass gegen sie aufgestachelt, hieß es.

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„Das Wort“: Jesus war nicht tolerant

Ständig wird von ihr gesprochen und ständig wird sie von allen Seiten eingefordert: Die Toleranz. Aber was bedeutet das Wort eigentlich? Eine Begriffsanalyse.

Von Jan Hedde | SpON

Kaum eine Haltung hat eine derartig steile Karriere aufzuweisen – die der Toleranz. Sie gilt als Tugend, wenn nicht sogar die Tugend. Wer nicht tolerant ist, hat es zu Recht schwer; kein reflektierter Mensch wird sich selbst als intolerant bezeichnen, und schon leise geäußerte Zweifel an der Toleranz sind sozial desintegrierend.

Toleranz wird geübt gegenüber anderen Meinungen und Ideen, aber auch Menschen anderer Hautfarbe, sexueller Orientierung und Religion, Ethnie, Weltanschauung, Herkunft, Abstammung, gegenüber Menschen jeder Nationalität und jeden Geschlechts, jeden Alters und jeder Behinderung. Kurz: Toleranz übt, wer Teil der Mehrheit ist und Toleranz genießt, wer davon abweicht.

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Insektensterben: Der Trend geht zur sauberen Frontscheibe

Wildbienen im Anflug auf den Bienenstock. © DPA
Die Zahl der Insektenarten ist in Deutschland drastisch gesunken. Auch deshalb sind die Biodiversitätsforscher alarmiert: Denn es fehlt noch ein solides Monitoring.

Von Christian Schwägerl | Frankfurter Allgemeine

Im Orbroicher Bruch nordwestlich von Krefeld wiederholt sich jedes Jahr dasselbe wissenschaftliche Schauspiel. Entomologen rücken in das von Wald und Weiden geprägte, rund hundert Hektar große Naturschutzgebiet ein und stellen weiß leuchtende Zelte auf. Malaise-Fallen heißen die Installationen. Sie sind benannt nach dem schwedischen Insektenkundler René Malaise. Dieser hat sie nicht etwa dafür entwickelt, lästige Mücken zu töten, sondern dafür, einen wissenschaftlich fundierten Überblick über die Insektenfauna eines Gebiets bekommen zu können.

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Netanyahu vows Golan Heights will remain part of Israel forever

Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu poses for a group picture with his government at the weekly cabinet meeting, held in the Golan Heights on April 17, 2016. (Effi Sharir/POOL)
In first cabinet meeting on territory captured from Syria in 1967, prime minister says land won’t be ceded as part of treaty to end Syrian civil war

By Raphael Ahren | The Times of Israel

The Golan Heights will forever remain part of Israel, Prime Minister Benjamin Netanyahu declared Sunday during the first-ever cabinet meeting held on the Golan.

Speaking in the Israeli town of Ma’aleh Gamla, next to an archaeological site where Jewish rebels stood off against Roman soldiers nearly 2,000 years ago, Netanyahu said he told US Secretary of State John Kerry on Saturday that Israel does not oppose current efforts to reach a political agreement to end the Syrian civil war, but that Israel’s boundary line with the country will not change.

“I convened this celebratory meeting in the Golan Heights to send a clear message: The Golan will always remain in Israel’s hands. Israel will never withdraw from the Golan Heights,” he declared.

Israel captured the Golan Heights in the 1967 Six Day War from Syria and annexed it in 1981.

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Sultan Erdogan, der Vizekanzler

Bild: FB
Bild: FB
Niemand hat den türkischen Präsidenten früher schärfer kritisiert als Merkel. Doch in der Flüchtlingskrise rettete Erdogan ihre Kanzlerschaft. Das könnte weit teurer werden als die Affäre Böhmermann.

Von Robin Alexander | DIE WELT

Jan Böhmermanns Sendung fiel in dieser Woche aus. Aber eine krasse Show bekamen die Deutschen trotzdem geliefert – von ihrer Bundesregierung. Tagelang berieten die führenden Politiker des Landes über „Schrumpelklöten“ und „Ziegenficken“. Oder jedenfalls taten sie so.

Denn ganz ähnlich wie Sprüche in Böhmermanns Sendung durfte man in dieser Woche die Äußerungen von Ministern und Staatssekretären nicht wirklich ernst nehmen. Die Behauptung etwa, hohe Beamte müssten nun noch tagelang Präzedenzfälle von historischer Schmähkritik prüfen – Quatsch. Oder die Nachricht, juristische Expertisen würden hinter den Kulissen sorgfältig gegeneinander aufgewogen – ein Witz. Alles nur Theater, eine ganze Woche lang.

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Antikes Massengrab in Athen: Sind es hingerichtete Putschisten?

80 Männer, viele von ihnen mit gefesselten Händen: Archäologen haben in Athen ein Massengrab aus dem 7. Jahrhundert vor Christus entdeckt. (Foto: AFP)
80 Männer, die Hände gefesselt und gleichzeitig beerdigt: Archäologen vermuten, dass es sich um Anhänger des Olympia-Siegers Kylon handeln könnte, der im 7. Jahrhundert vor Christus die Macht an sich reißen wollte.

Von Esther Widmann | Süddeutsche.de

In Paleo Faliro, dem am Meer liegenden Stadtteil von Athen, sollen eine neue Nationalbibliothek und eine Nationaloper gebaut werden. Wie immer, wenn auf einer Baustelle Zeugnisse vergangener Zeiten auftauchen, sind aber erstmal die Archäologen dran: Schon mehr als 1500 Gräber aus dem achten bis fünften vorchristlichen Jahrhundert haben sie auf dem Gelände ausgegraben, die von einer Vielzahl unterschiedlicher Bestattungsriten zeugen. Aber in den vergangenen Wochen machten sie einen überraschenden Fund: Die Archäologen legten insgesamt 80 männliche Skelette frei, säuberlich aufgereiht nebeneinander – ein Massengrab (auf diesem Bild gut zu erkennen). Aber offensichtlich handelt es sich nicht um eines von Opfern einer Krankheitsepidemie oder im Kampf für ihre Heimatstadt getötete Krieger. Vielen der Toten waren die Hände mit eisernen Fesseln zusammengebunden, einem die Füße – als seien sie hingerichtet worden.

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Über Religionsfreiheit darf man nicht streiten

Davon träumt die AfD.Foto: dpa
Die AfD will mit Islamfeindschaft punkten. Der Islam sei mit dem Grundgesetz nicht vereinbar. Für die Union kann das nur heißen: Kontra geben, klare Kante zeigen. Ein Kommentar.

Von Malte Lehming | DER TAGESSPIEGEL

Die „Alternative für Deutschland“ hat sich von einer rechtspopulistischen Partei, die ins bürgerliche Milieu schielte, zu einer islamfeindlichen Partei gewandelt. Sie sitzt in einem Boot mit Le Pen, Geert Wilders und Donald Trump. Der Islam wird von führenden AfD-Vertretern pauschal als mit dem Grundgesetz nicht vereinbar bezeichnet, als ein „Fremdkörper“ in Deutschland. Auf ihrem Parteitag in zwei Wochen in Stuttgart soll der Anti-Islamkurs festgeschrieben werden. Symbole des Islam wie Minarette, den Ruf des Muezzins und die Vollverschleierung will man verbieten. Spätestens jetzt weiß jeder, woran er mit der AfD ist.

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We Can Phase Out Fossil Fuels Within a Decade, Study Says

As we stare down the barrel of a world totally transformed (read: destroyed) by climate change in the not-so-distant future, a lot of the brightest minds around the world are spending a good deal of time trying to figure out how to mitigate its effects. Considering that fossil fuel use is the primary driver of climate change, it makes sense that a lot of the proposed climate change solutions involve phasing out fossil fuels entirely.

By Daniel Oberhaus | MOTHERBOARD

While some have derided this fossil fuel divestment plan as unattainable, others think it’s entirely possible—so long as we have 20 to 80 years to make it happen.

Unfortunately, ridding ourselves of fossil fuels by 2100 (a plan the G7 leaders were all too happy to pat themselves on the back about last year) will be too little, too late. If we keep burning fossil fuels at the current rate, some have predicted that we will cross a threshold into “environmental ruin” as early as 2036—but it doesn’t have to be this way.

In fact, according to a new study released last week by a major energy think tank in the UK, we could completely phase out fossil fuels within a decade…if we really wanted to.

Published in Energy Research and Social Science, the study was led by Benjamin Sovacool, the director of the Sussex Energy Group at the University of Sussex. As Sovacool notes in the introduction to his study, “transitioning away from our current global energy system is of paramount importance” and “the speed at which a transition can take place—its timing, or temporal dynamics—is a vital element of consideration.”

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